Finanzen

IWF: Pensionsfonds werden wegen Niedrig-Zinsen zum System-Risiko

Lesezeit: 2 min
22.07.2015 01:01
Der IWF sieht die Stabilität des Finanzsystems durch die Pensionsfonds bedroht. Wegen der niedrigen Zinsen werden die Fonds in riskante Asset-Klassen getrieben, um die Renten-Ansprüche zu gewährleisten. Die Folgen gefährden das Finanzsystem.
IWF: Pensionsfonds werden wegen Niedrig-Zinsen zum System-Risiko

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

In seinem aktuellen Bericht befasst sich der Internationale Währungsfonds (IWF) mit der Stabilität des US-Finanzsystems. Darin heißt es, dass die Großbanken in den USA nun noch enger miteinander verzahnt sind, als vor der Finanzkrise, was das gesamte System anfälliger für Marktturbulenzen mache. Auch der Aktienmarkt, der Immobilienmarkt und die hohen Unternehmensschulden bereitet den Autoren Sorgen. Doch das größte Risiko für das Finanzsystem sehen sie im Rentensystem. Demnach könnten Rentenfonds schon bald eine ernsthafte Gefahr darstellen, wenn der „Renditedruck sie weiter zu übermäßigen Risiken treibt“.

Im Fokus des IWF stehen dabei vor allem leistungsorientierte Rentensysteme. Diese könnten die Rentenansprüche aufgrund der niedrigen Zinsen nicht mehr vollständig gewährleisten und stünden daher unter besonderem Renditedruck. Die Hälfte aller Pensionsfonds in den USA besteht aus leistungsorientierten Vorsorgeplänen und jeder fünfte davon verfügt nach Angaben des Währungsfonds über zu wenig Eigenkapital. Der IWF befürchtet nun, dass diese Fonds auf der Jagd nach Rendite in risikoreiche Anlageklassen und Geschäftsfelder einsteigen. Denkbar sei etwa, dass sich die unterfinanzierten Pensionsfonds im direkten Kreditgeschäft betätigen oder sogar hochrisikoreiche Wertpapierdarlehen an Aktienhändler vergeben, so die Autoren des IWF-Berichts.

Die Fonds würden sich dann im klassischen Bankengeschäft wiederfinden, ohne dabei jedoch derselben Aufsicht durch die Behörden unterworfen zu sein. Dem IWF ist der wachsende Schattenbanken-Sektor schon lange ein Dorn im Auge. Die Regulierung der Banken habe dazu geführt, dass gewaltige Summen in die Schattenbanken gewandert seien. Durch die niedrigen Zinsen wurde dieser Prozess noch beschleunigt. Die globalen Regulierungsbehörden haben die Pensionsfonds bisher nicht als „Too-Big-To-Fail“ angesehen, doch dies könnte sich schon bald ändern. Denn der IWF fordert die Behörden auf, auch die Pensionsfonds als systemrelevant einzustufen.

„Bevor die Erinnerung an die Krise verblasst, ist es wichtig, die Reformagenda zu komplettieren und allen Versuchen zu widerstehen, bereits vereinbarte Maßnahmen zu revidieren […]. Zwar hat der FSCO (Financial Stability Oversight Council, Anm. d. Red.) wichtige Schritte unternommen, um mit dem 'Too-Big-To-Fail'-Problem umzugehen, doch die Standards müssen auch auf systemische Nicht-Banken erweitert werden“, heißt es in dem IWF-Bericht.

Zuletzt hatten sich die beiden größten Fondsgesellschaften der Welt, BlackRock und Vanguard, bei den Regulierungsbehörden beschwert, dass Pensionsfonds nicht daraufhin überprüft werden, ob sie ein Systemrisiko darstellen. In einem Brief an das Financial Stability Board (FSB) forderten sie, die „Investmentaktivitäten aller Vermögensbesitzer und Vermögensverwalter“ unter die Lupe zu nehmen, um Risiken für das Finanzsystem zu reduzieren. Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnte die Rentenfonds und Lebensversicherer vor „exzessiver Renditejagd“. Die Organisation mit Sitz in Paris sieht mit Sorge, dass diese zunehmend in Hedgefonds, Private-Equity-Fonds, hochverzinste Unternehmensanleihen und Rohstoffe investieren, um die Versprechen an ihre Kunden noch erfüllen zu können. Im Falle von Marktturbulenzen könnte dies ihre Zahlungsfähigkeit „ernsthaft gefährden“, zitiert die FT aus dem OECD-Bericht.

„Aufsichtsbehörden und Regierungen müssen wachsam sein, um eine exzessive Renditejagd zu verhindern“, zitiert die FT den Leiter der OECD-Rentenabteilung Pablo Antolin.

Prognosen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhousecoopers (PwC) bestätigen das stärkere Engagement der Pensionsfonds in risikoreicheren Anlageklassen. Demnach werden die Fonds ihre Vermögensanlagen von 37 Billionen Dollar im Jahr 2013 auf 57 Billionen Dollar bis zum Ende des Jahres 2020 erhöhen. Der Zuwachs ist vor allem den steigenden Investments in alternative Anlageklassen geschuldet. Der größte Rentenfonds der Welt, Japans staatlicher Pensions-Investment-Fonds, hat erst kürzlich bekanntgegeben, fünf Prozent seiner Mittel in solche Anlageklassen zu stecken, berichtet die FT.

Die Vorgehensweise einiger Pensionsfonds sei „ein Risiko für das Finanzsystem“, sagte der unabhängige Rentenberater John Ralfe der FT. „Viele Unternehmen in den USA und Großbritannien haben sehr große Rentenverpflichtungen. Wenn diese Rentensysteme Anteile an anderen Unternehmen halten, erhält man eine Art Mehrfachbelegung. Das ist großartig, wenn der Markt sich auf dem Weg nach oben befindet, aber nicht so großartig, wenn es abwärts geht“, so Ralfe weiter. Zwar würden die Rentensysteme „nicht nächste Woche in die Luft fliegen, aber ich denke es gibt dort ein tieferliegendes Problem der Zahlungsfähigkeit“.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Erster Euro-Zentralbankchef fordert offen noch stärkere Anleihekäufe durch die EZB

Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras wagt sich aus der Deckung. Er fordert von der EZB ein noch stärkeres Gelddrucken, um den...

DWN
Finanzen
Finanzen In der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter rasant an

Die in der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter stark an. Offenbar decken sich die Bürger insbesondere mit Bargeld und schnell...

DWN
Politik
Politik Great Reset: Ansichten von SPD-Chefin Esken decken sich mit der Agenda des Weltwirtschaftsforums

Fleischverzicht, eine drastische Reduzierung von Flügen und weitere Maßnahmen sollen laut SPD-Chefin Saskia Esken gut sein, um das Klima...

DWN
Deutschland
Deutschland Baute der Verfassungsschutz gezielt rechtsextreme und islamistische Organisationen auf?

Ein führender Kopf von al-Qaida und den Salafisten in Deutschland war einem Bericht zufolge V-Mann des Verfassungsschutzes. Doch auch beim...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermeiden Sie diese 7 Fehler beim Aktienkauf

Fehler kosten an der Börse oftmals viel Geld. Privatanleger, die zum ersten Mal mit Aktien handeln, treten meistens in dieselben...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung schwört Bevölkerung auf fortgesetzten Lockdown ein

Die Mehrheit der Deutschen plädiert für Lockerungen, doch die Bundesregierung und ihre Experten halten dagegen und schließen ein...

DWN
Politik
Politik In ihrem Klimawahn zerstört die EU Europas Auto-Industrie: „Wir werden eine Arbeitslosigkeit erleben, wie wir sie noch nie gehabt haben“

Neue Pläne der EU-Kommission bedeuteten faktisch ein Verbot von Verbrennungsmotoren. Mehrere gewichtige Stimmen aus der Autobranche warnen...

DWN
Politik
Politik Corona-Homeoffice: Lehrer masturbiert vor Schülern während Zoom-Sitzung

Während einer Zoom-Sitzung mit seinen Schülern hat ein Lehrer masturbiert. Er hatte nach eigenen Angaben gedacht, die Sitzung sei vorbei....

DWN
Politik
Politik Sky-Moderator: „Globalisten“ verhelfen mit dem Great Reset China und Big Tech zur Weltmacht

Der Sky-Moderator Rowan Dean berichtet, dass die „Globalisten“ des Weltwirtschaftsforums den Niedergang der USA bis 2030 propagieren....

DWN
Politik
Politik Seekabel von Asien nach Europa: China treibt digitale Seidenstraße voran

Über ein Netz von Seekabeln setzt China sein Projekt zur digitalen Seidenstraße um. Das Kabelnetz soll Asien mit Afrika und Europa...

DWN
Deutschland
Deutschland Koalition will Schuldenbremse auch noch 2022 aussetzen

Union und SPD sind sich darüber einig, dass sie die Schuldenbremse auch 2022 noch nicht wieder einhalten wollen. Konservativere Stimmen in...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesagentur braucht deutlich mehr Steuergeld für Kurzarbeit

Die grassierende Kurzarbeit hat den massiven Schaden, der durch die Corona-Maßnahmen verursacht worden, bisher recht gut verdeckt. Doch...

DWN
Deutschland
Deutschland Wirtschaft warnt vor den Folgen eines fortgesetzten Lockdowns

Deutsche Wirtschaftsverbände warnen die Politik vor den verheerenden Folgen des anhaltenden Lockdowns und fordern klare Schritte in...

DWN
Politik
Politik Corona als Vorwand? Das Recht auf Versammlungsfreiheit in Europa ist bedroht

Der Denkfabrik „Carnegie Europe“ zufolge missbrauchen europäische Regierungen die Pandemie dazu, die bürgerlichen Freiheiten in...