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Mercedes CLA im Test: Ungewöhnlich, sparsam und besser denn je

Der neue Mercedes CLA sieht nicht sofort nach Liebe auf den ersten Blick aus. Doch unter der auffälligen Hülle steckt ein überraschend starker, sparsamer und erwachsener Viertürer.
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06.06.2026 11:00
Lesezeit: 5 min
Mercedes CLA im Test: Ungewöhnlich, sparsam und besser denn je
Der neue Mercedes CLA ist ein Benziner und überrascht. (Foto: Marko Čopi)

Mercedes CLA: Der erste Eindruck bleibt, aber anders als früher

Der CLA war immer ein Mercedes-Benz, der zuerst mit seiner Form lockte und erst danach mit dem Inhalt. Beim neuen könnte man fast sagen, dass es umgekehrt ist. Der völlig neue CLA hat einen chinesischen Einschlag, eine leicht ungewöhnliche Frontpartie mit LED-Ring. Neu ist auch der Antrieb. Der Benziner hat nur 1,5 Liter Hubraum und chinesische Gene, ist aber erstaunlich leistungsfähig und unterhaltsam. Räumlich ist der CLA so ausgeprägt wie nie zuvor. Unter dem Strich heißt das, dass dies auch der beste CLA bisher ist, auch wenn er Ihnen vielleicht nicht sofort ins Auge fällt.

Tatsache ist, dass der 4,72 Meter lange, schlanke und niedrige viertürige CLA noch immer einen ersten Eindruck hinterlassen kann. Das ist ein Auto, das man bemerkt, auch wenn man es nicht will. Es ist ein Auto, das Aufmerksamkeit auf sich zieht und Drama erzeugt, obwohl es uns zumindest gestalterisch bisher am wenigsten gelungen erscheint.

An der Front gibt es enorm viele Details, Muster und Grafiken, die fast digital übereinandergelegt wirken. Statt ruhiger Eleganz bekommt man das Gefühl, dass die Maske mit sich selbst darum wetteifert, wer besonders premium wirkt. Der Endeffekt ist negativ und keineswegs premium. Das Heck ist ruhiger und wirkt genau deshalb mercedesmäßiger als die Front. Das Ganze ist leicht gespalten, als würde es nicht zum selben Auto gehören.

Ein Motor, der die Sinne streichelt

Weniger Schwierigkeiten gibt es beim Antrieb, in diesem Fall beim benzingetriebenen beziehungsweise mildhybriden Antrieb, der nur die Vorderräder antreibt. Unter der langen Motorhaube steckt der 1,5 Liter große Vierzylinder M252, Teil einer neuen Generation von Mercedes-Motoren, die mit klarem Blick auf Elektrifizierung und Modularität entstanden sind. An der Entwicklung waren auch Technologiepartner aus dem Geely-Konzern beteiligt. Das merkt man vor allem an der Philosophie. Weniger klassische Mechanik, mehr Systemoptimierung.

Der Motor selbst ist nicht mehr der Hauptdarsteller, sondern Teil einer größeren Geschichte. Konkret leistet der Turbobenziner 140 Kilowatt, der Elektromotor 22 Kilowatt. Zusammen schaffen sie 155 Kilowatt beziehungsweise 211 PS. Nein, es geht nicht um eine simple Addition. Das reicht für den Sprint von null auf 100 Kilometer pro Stunde in 7,2 Sekunden und für eine Höchstgeschwindigkeit von 240 Kilometer pro Stunde.

Beim Antrieb ist der Strom beziehungsweise das 48-Volt-Mildhybridsystem ständig im Spiel. Es hilft beim Anfahren, reguliert oder glättet irgendwie die Gleichmäßigkeit der Beschleunigung und übernimmt häufig im Hintergrund Arbeit, wenn der Fahrer glaubt, nur mit Benzin unterwegs zu sein. Motor beziehungsweise Antrieb begeistern. Sie haben einen angenehm klingenden und auch hörbaren Sound, der offenbar künstlich veredelt wurde und an AMG-Modelle erinnert. Außerdem ist der Antrieb überraschend sparsam. Laut offiziellen Daten verbraucht er fünf Liter Benzin. Im Test maßen wir einen Durchschnitt zwischen 5,6 und 6,5 Litern, was auf dem Niveau eines Diesels liegt. Das ist ein hervorragender Wert, da der benzingetriebene CLA neben bescheidenem Verbrauch wirklich viel Lebendigkeit bietet. Eigentlich braucht es ihn nicht. Schon die Basisversionen CLA 180 und 200 dürften wohl reichen. Doch der CLA ist kein Auto, das man für die Fahrt von A nach B kauft. Deshalb ist die Investition in den 220er-Motor schon allein sinnvoll, damit man ihn genießen kann.

Auch in den „Knien“ ist er ausgezeichnet

Der CLA ist auch bei der Fahrwerkskonstruktion wirklich gut. Man könnte sagen, dass er feste, aber dennoch ziemlich bewegliche Knie hat. Das Fahrwerk ist ausgewogen und schafft es, Straßenlöcher wirksam und leise zu dämpfen. Gleichzeitig neigt sich der Wagen auch in schnell gefahrenen Kurven nicht übermäßig. Dabei bleibt er präzise und verlässlich. Durch den reaktionsfreudigen Motor ist er auch unterhaltsam. Wegen des reinen Frontantriebs bleibt er aber doch leicht steril. Gemeint ist, dass ihm Hinterradantrieb gut stehen würde. Der war für kompakte Mercedes-Benz-Modelle aber immer zu teuer.

Digital in der Kabine und deutlich geräumiger

Klar spricht er in der jüngsten Generation die Sprache intensiver Digitalisierung. Die Bildschirme, eingebaut in ein riesiges Gehäuse, das sich von einem äußersten Punkt zwischen den vorderen Säulen bis zum anderen zieht, bündeln fast alle Befehle. Physische Schalter gibt es wirklich wenige. Optisch wirkt das beeindruckend. In der Nutzung wird aber schnell klar, dass es sich um ein System handelt, an das man sich gewöhnen muss. Selbst zum Einschalten der Heckscheibenheizung muss man ins Menü. Für die meisten Anwendungen muss man außerdem extra zahlen.

Zur Kabine lässt sich noch schreiben, dass wir von der Geräumigkeit angenehm überrascht waren. Sie war nie die helle Seite eines vergleichsweise kleinen viertürigen Coupés. In der neuesten Generation haben die Ingenieure den Designern jedoch die Hand gereicht und auf 4,72 Meter Länge ein elegantes viertüriges Coupé mit langen Überhängen und einer völlig brauchbaren Kabine geschaffen. Hinter das Lenkrad steigt man zum Beispiel leichter ein als bei der vorherigen Generation, da die Dachkante höher ist. Auf der Rückbank gibt es mehr Platz für Knie und Kopf. Mittelgroße Passagiere sitzen dort ausreichend bequem. Der Kofferraum ist mit 405 Litern nicht coupéhaft klein, sondern durchaus brauchbar. Nur große Gegenstände wird man mit dem CLA nicht transportieren, da die Heckklappe ohne Scheibe öffnet und die Öffnung zum Kofferraum ziemlich klein ist.

Der Mercedes CLA liegt genau zwischen klassischem Markenprestige, elektrifizierter Antriebstechnik und digitalem Innenraum. Viele Käufer suchen keinen reinen Vernunftwagen, sondern ein Auto, das Eindruck macht, sparsam bleibt und trotzdem nach Premium riecht. Genau dort trifft der CLA den Markt. Damit ist er ungewöhnlicher geworden, nicht in jeder Linie schöner, aber technisch reifer, sparsamer, geräumiger und insgesamt überzeugender als je zuvor.

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