Finanzen

Kapitalflucht: Schwarzer Montag an der Börse von Moskau

Die Moskauer Börse ist auf ihren tiefsten Stand seit 2008 angestürzt. Die Krim-Krise hat die Kapitalflucht verstärkt. Die Zentralbank musste den Rubel massiv stützen. Massiv unter Druck geriet auch der Energiekonzern Gazprom.
04.03.2014 00:29
Lesezeit: 2 min

Kriegsängste haben am Montag die Börsen weltweit ins Taumeln gebracht. Angesichts der Eskalation der Krise um die ukrainische Halbinsel Krim zogen viele Anleger ihre Gelder aus Russland ab, die Moskauer Börse brach um mehr als zehn Prozent. Der Rubel fiel auf ein Rekordtief. Auch in Frankfurt, London und New York gingen die Kurse auf Talfahrt. Der Dax verlor 3,4 Prozent auf 9258,89 Zähler und büßte damit die Gewinne der vergangenen drei Wochen ein. Der EuroStoxx50 fiel um drei Prozent. An der Wall Street notierten die großen Indizes zum Handelsschluss in Europa rund ein Prozent im Minus. Anleger flüchteten in Gold sowie Staatsanleihen aus den USA und Deutschland

"Die Investoren hatten das Risiko einer Eskalation der Lage in der Ukraine unterschätzt", sagte Aktienhändler David Thebault vom Brokerhaus Global Equities. "Die Ereignisse vom Wochenende sind ein Weckruf." Sollten die Spannungen sich verschärfen, habe Deutschland am meisten zu verlieren, sagte Markus Huber, Analyst bei Peregrine & Black.

Russland brachte am Montag nach Aussagen ukrainischer Grenzschützer weitere Truppen am Übergang zur Krim in Stellung. Die Regierung in Moskau argumentiert, sie müsse nach dem Machtwechsel in Kiew die Russen in der Ukraine schützen. Die neue ukrainische Regierung will die Halbinsel nicht aufgeben.

Besonders unter Druck gerieten die russischen Börsen. Der Moskauer Leitindex RTS, in dem in Dollar notierte Aktienwerte zusammengefasst sind, fiel um zwölf Prozent auf ein Viereinhalb-Jahres-Tief von 1115,06 Punkten. Der Micex, dessen Werte in Rubel notiert werden, brach um 10,8 Prozent ein.

Zu den größten Verlierern zählten Gazprom -Aktien, die um knapp 14 Prozent abstürzten. Lukoil und Rosneft verloren 7,4 beziehungsweise 5,4 Prozent. Die Titel von Russlands größtem Geldinstitut Sberbank brachen um fast 15 Prozent ein.

Auch der Rubel ging in den Keller. Dollar und Euro erreichten zeitweise neue Allzeithochs. Nach einer Zinserhöhung und milliardenschweren Dollar-Verkäufen gaben beide Währungen zwar leicht nach, lagen zum Rubel am frühen Abend aber immer noch je etwa 1,7 Prozent im Plus. Der Euro verlor zum Dollar einen Viertel US-Cent auf 1,3775 Dollar.

Einige Investoren schichteten ihr Geld in die "Antikrisen-Währung" Gold um. Der Goldpreis stieg um 2,2 Prozent auf ein Vier-Monats-Hoch von 1354,80 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Staatsanleihen waren ebenfalls gesucht. Der Bund-Future, der auf den zehnjährigen Bundesanleihen basiert, schoss um 87 Ticks auf 145,25 Punkte nach oben.

Spekulationen über Engpässe bei der Energieversorgung trieben den Ölpreis in die Höhe. Die richtungweisende Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um bis zu drei Prozent und kostete mit 112,39 Dollar je Barrel (159 Liter) zeitweise so viel wie zuletzt Ende Dezember. Die Furcht vor einem Angebotsengpass ließ auch die Preise für Weizen und Mais um knapp sieben beziehungsweise 4,6 Prozent anziehen. Die Ukraine ist ein wichtiger Getreide-Lieferant.

Sowohl im Dax als auch im EuroStoxx50 schlossen alle Aktien im Minus. Unter Druck standen vor allem die Papiere von Unternehmen mit einem starken Engagement in Russland und der Ukraine sowie Finanzwerte. In Wien stürzten die Titel der Raiffeisenbank 9,6 Prozent ab. Ihr gehört mit der Bank Aval gemessen an der Bilanzsumme die fünftgrößte Bank der Ukraine. Der EuroStoxx-Banken-Index verlor 3,8 Prozent.

Im Dax büßten die Commerzbank-Titel sechs Prozent ein. Händler führten dies auch auf Gewinnmitnahmen zurück, nachdem die Aktie zuletzt stark gestiegen war. Die im deutschen Nebenwerte-Index MDax gelisteten Anteilsscheine von Metro fielen um 5,4 Prozent ein. Die Krim-Krise setzt ein Fragezeichen hinter die Pläne des Einzelhändlers, sein russisches Großmarkt-Geschäft an die Börse zu bringen.

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