Wie ein Fehler auf dem Kupfermarkt Europas größten Silber-Konzern belastet

Lesezeit: 4 min
12.08.2019 14:43
Eigentlich sind die Aussichten für Europas Nummer eins unter den Silberkonzernen, der polnischen KGHM, gut. Der Preis für den Rohstoff ist jüngst immer weiter gestiegen. Doch könnte ein Riesenverlust in der Kupfersparte dem Unternehmen das Geschäft verhageln. Die Kopplung mit der Förderung anderer Rohstoffe ist ein Grundproblem bei den Silber-Firmen. Und somit auch für die Investoren.
Wie ein Fehler auf dem Kupfermarkt Europas größten Silber-Konzern belastet
Nur 30 Prozent aller Produzenten sind reine Hersteller von Silber. Meistens stellen die Unternehmen noch andere Rohstoffe her, beispielsweise Gold. Foto: dpa

In Polen ist eine heftige Auseinandersetzung um den halbstaatlichen Minenbetreiber KGHM entbrannt, der als Aushängeschild der Wirtschaft Polens gilt. Im Mittelpunkt steht ein Kontrollbericht der Obersten Kontrollkammer (Najwyższa Izba Kontroli, NIK), in dem die Behörde offenbar dem Unternehmen für die Übernahme eines Kupfer-Bergwerkes in Chile gigantische Verluste prognostiziert. Die Behörde überwacht die Verwendung der Steuergelder.

Wie der staatliche Sender TVP und die liberale Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ Ende Juli berichteten, soll der Konzern dadurch einen Verlust von 20 Milliarden Złoty oder 4,6 Milliarden Euro erleiden – also ein Minus, das tatsächlich riesige Ausmaße hätte. Zum Vergleich: Das Unternehmen hat 2018 einen Erlös von etwa 15,7 Milliarden Złoty (3,6 Milliarden Euro) erwirtschaftet. Der Verlust, den die NIK errechnet hat, wäre folglich fast ein Drittel größer als der Bergwerksbetreiber pro Jahr an Umsätzen generiert.

Marcin Chludziński, der Vorstandsvorsitzende von KGHM, nahm dazu in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „Forbes“ keine direkte Stellung. „Die Produktion in diesem Bergwerk ist im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal um 20 Prozent gestiegen“, sagte der Manager. „Wir haben damit begonnen, die Produktionsfähigkeit zu verbessern,“ erklärte Chludziński und fügte hinzu, dass „wir noch viel Arbeit vor uns haben“.

Hintergrund: KGHM, das zu den größten Arbeitgebern Polens gehört, hat das Bergwerk Sierra Gorda 2014 übernommen, welches im Norden Chiles liegt. Die Investition gilt als strategisch wichtig, weil sich dort eines der größten Kupfervorkommen der Welt befindet. Davon gehen Experten aus.

Kosten für Bergwerk um 45 Prozent höher als geplant

Doch hat sich dann das Projekt als doch schwieriger als ursprünglich geplant erwiesen. So bezifferte das Management ursprünglich die Kosten für die Übernahme auf 2,9 Milliarden Dollar. Letztlich musste der Konzern für die Inbetriebnahme aber 4,2 Milliarden Dollar ausgeben. Ein Grund: Viele Erdbeben haben die Region erschüttert. Deswegen musste die Infrastruktur des Bergwerks nach neuen Vorschriften verbessert werden, die noch rigoroser als bisher waren.

Und sollte KGHM dort tatsächlich einen solchen hohen Verlust machen, dann wäre das nicht nur für das Unternehmen eine Katastrophe, sondern auch für den polnischen Staat, weil KGHM eine wichtige politische Rolle spielt. Es gehört zu den Firmen, die vergleichsweise hohe Steuern zahlen und vielen Arbeitnehmern einen sicheren Arbeitsplatz bietet. Derzeit werde etwa 34.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Doch nicht nur für Polen, sondern auch für die Anleger wäre dies sehr ungünstig. So hat die Aktie seit der Veröffentlichung des Berichtes durch TVP etwa 13,8 Prozent an Wert verloren und liegt derzeit bei Niveaus von 84 Złoty – also 19,40 Euro.

Ein Grundproblem ist zudem, dass der Kupferpreis in den vergangenen zwölf Monaten rückläufig gewesen ist und damit die Geschäfte von KGHM belastet. So hat sich das Niveau um fast sieben Prozent auf Werte um 5.110 Euro je Tonne reduziert. Der polnische Konzern generiert drei Viertel seiner Erlöse mit dem Kupfergeschäft. Nur knapp 13 Prozent davon erreicht KGHM durch den Verkauf von Silber.

Schwächeres Kupfergeschäft belastet Silber-Business

Auch wenn der Fokus auf dem Kupfergeschäft liegt, ist das Unternehmen mit einer Förderung von etwa 40 Millionen Unzen auch am weltweiten Silbermarkt eine gewichtige Größe. Dort nimmt der Bergwerks-Betreiber global den zweiten Rang ein und liegt im Europa sogar auf dem ersten Platz.

Damit wirkt sich die negative Entwicklung beim Kupfergeschäft, die KGHM derzeit verkraften muss, auch auf das Business mit dem Silber aus. Dies ist umso ärgerlicher, weil der Silberpreis in den vergangenen zwölf Monaten fast zehn Prozent an Zuwächsen verbucht hat – und zwar überwiegend im Juli 2019.

Dass Bergwerksbetreiber oft nicht nur Silber, sondern auch noch andere Rohstoffe fördern, ist ein Problem, das am Markt ziemlich oft auftritt, welcher über eine Gesamtvolumen zwischen 13 und 14 Milliarden Euro verfügt. Wie aus aktuellen Statistiken hervorgeht, die das Institut für Silber („The Silver Institut“) führt, produzieren 22 Prozent der Minenbetreiber gleichzeitig beispielsweise auch Kupfer.

Darüber hinaus holen 34 Prozent der Unternehmen zusätzlich Blei aus den Schächten, während 14 Prozent der Konzerne die Silbergewinnung an die Goldproduktion gekoppelt haben. Der Statistik zufolge sind nur knapp ein Drittel der Minenbetreiber reine Silber-Förderer.

Die zehn größten Förderer kontrollieren nur 35 Prozent des Weltmarktes

Das bedeutet, dass ein Investor nicht nur die Entwicklung am Silbermarkt im Auge haben muss, sondern auch noch bei den anderen Rohstoffen. Das macht ein Investment nicht unbedingt einfacher. Doch das ist noch nicht alles: Zusätzlich ist der Markt bei seiner Konsolidierung noch nicht sehr weit vorangeschritten – anders als beispielsweise beim Gold. So kontrollieren die zehn größten Hersteller gerade einmal 35 Prozent der Anteile am Weltmarkt. Das sind weniger als 300 Millionen Unzen. Diese Zersplitterung könnte für einen Investor ein weiteres Problem sein.

Wie ist jetzt bei KGHM weitergeht, ist allerdings noch nicht klar, weil es erst einmal keine offiziellen Informationen gibt. So wollte eine Sprecherin der NIK, die in Polen über die Verwendung der Steuergelder wacht, im Gespräch mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DWN) die Medienberichte konkret nicht bestätigen. Sie wies lediglich daraufhin, dass der Bericht über KGHM „in Kürze“ erscheinen wird – mehr nicht.

Carsten Fritsch, Rohstoff-Experte der Commerzbank, kommentierte die aktuelle Enwicklung am Silbermarkt folgendermaßen:

"Der Silberpreis hat sich im laufenden Jahr in einer besonderen Weise entwickelt. Er hat verstärkt erst im Juli zugelegt, während der Goldpreis bereits im Juni noch oben geklettert war. Die Investoren haben im siebten Monat einen regelrechten Run auf das Silber veranstaltet, weil sie eine kostengünstige Alternative zu Gold gesucht haben. Silber war gegenüber Gold Anfang Juli so günstig wie seit 27 Jahren nicht. So betrug die Gold-Silber-Verhältnis 94 – ein sehr hoher Wert. Die Anleger haben unter anderem auf geopolitische Faktoren reagiert sowie die Erwartung einer Zinssenkung  der Fed Ende Juli. Ein Problem bei Silber ist grundsätzlich, dass nur etwa 30 Prozent der Weltproduktion in reinen Silberminen anfällt. Meistens fördern die Minenbetreiber neben Silber noch andere Metalle wie Gold, Kupfer, Zink und Blei, so dass der Silberpreis für die Produktion nicht alleinentscheidend ist. Verläuft die Entwicklung in diesen anderen Metallen positiv, dann führt ein niedriger Silberpreis nicht zwangsläufig zu einer niedrigeren Produktion.“


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