Finanzen

Europas Banken wollen Blockchain für den Mittelstand anbieten

Lesezeit: 2 min
28.06.2017 01:04
Europas Banken wollen gemeinsam mit IBM Blockchain für den Mittelstand anbieten.
Europas Banken wollen Blockchain für den Mittelstand anbieten

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++Werbung+++

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Sieben der größten Banken Europas haben eine Kooperation mit dem amerikanischen IT-Unternehmen IBM gestartet. Gemeinsam wollen sie eine Plattform für die Handelsfinanzierung kleinerer und mittlerer Unternehmen in Europa schaffen, die auf der Blockchain-Technologie basiert. Dies ist die dezentrale Datenbank-Technologie, die Bitcoin und Ethereum möglich macht.

IBM wird die neue Cloud-basierte Handelsfinanzierungs-Plattform für das Digital Trade Chain Consortium bauen und betreiben. Zum Digital Trade Chain Consortium gehören sieben Banken, darunter die Deutsche Bank, HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und Unicredit. Sie verfolgen gemeinsam das Ziel, den grenzüberschreitenden Handel kleinerer und mittlerer Unternehmen (KMU) einfacher und transparenter zu machen.

„Wir bauen eine Benutzeroberfläche, welche die Banken durch ihr Umfeld für Kunden von kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) verfügbar machen werden, für kaufende KMU und verkaufende KMU“, sagte Keith Bear, Vizechef der globalen Finanzdienstleistungen bei IBM, zu CoinDesk. Die Banken werden für die Kundenbeziehungen verantwortlich sein, unter anderem für die Einhaltung der Regulierungen zur Kundenidentifikation (KYC).

Die Lösung mithilfe der Blockchain-Technologie soll die Transaktionskosten senken sowie die Transparenz für kleinere und mittlere Unternehmen erhöhen. Keith Bear von IBM nennt Zahlen der Weltbank, wonach derzeit bis zu 50 Prozent der KMU keinen Zugang zu formalen Kreditkanälen haben. Die Blockchain-Lösung sei ein erster Schritt, um diese Finanzierungslücke für kleinere Unternehmen zu schließen.

„Es ist ein großer und wichtiger Markt, aber er wird nicht wirklich gut bedient durch die Möglichkeiten der Handelsfinanzierung“, sagt Keith Bear. „Dies könnte sie offensichtlich daran hindern, international zu handeln und möglicherweise auch im Inland.“ Die Lösung dieses Problems wird derzeit bei IBM entwickelt. Die Umsetzung ist für Ende 2017 geplant.

„Wir sind überzeugt, dass die Blockchain in Zukunft eine riesige Wirkung auf die Banken haben wird und dass die Handelsfinanzierung eine der größten potentiellen Anwendungen der Technologie ist“, zitiert die Financial Times Rudi Peeters, Vorstand Informationstechnologie der KBC Group. Das belgische Finanzunternehmen hat den Vorläufer des neuen Systems entwickelt, den es bereits mit einigen seiner Kunden, kleinen belgischen Unternehmen, getestet hat.

Die aktuelle Praxis der Handelsfinanzierung hat sich seit der Zeit der venezianischen Händler des 16. Jahrhunderts kaum verändert. Sie ist noch immer umständlich. Unternehmen müssen über Wochen warten, bis sie für ihre Waren bezahlt werden. „Die Handelsfinanzierung ist ein offensichtliches Anwendungsgebiet für die Blockchain, weil sie derzeit sehr papierintensiv, komplex und teuer ist“, sagt KBC-Vorstand Rudi Peeters. Der größte Bedarf besteht bei kleinen und mittleren Unternehmen, da viele von ihnen derzeit überhaupt keinen Zugang zu Handelsfinanzierung haben.

Laut Rudi Peeters planen die sieben beteiligten Banken, die Plattform zu erweitern, um zu einem späteren Zeitpunkt auch interkontinentale Schiffsrouten einzubeziehen. Doch zunächst hätten sie entschieden, dass es erst einmal einfacher ist, die Straßenwege der europäischen Handelsrouten zu bewältigen. Nach ihrem Start Ende des Jahres wird die Plattform voraussichtlich weitere Banken, Speditionsfirmen, Verfrachter und Kreditagenturen hinzufügen. Sie soll es den KMU auch ermöglichen, Bestellungen zu verfolgen und mithilfe von Smart Contracts automatische Zahlungen für bestimmte Ereignisse zu vereinbaren, etwa für den bestätigten Empfang einer Ware.

Die Zusammenarbeit der sieben Banken mit IBM zeigt, dass sie die Handelsfinanzierung als einen Bereich identifiziert haben, wo Blockchain großes Potential aufweist. Denn zwar findet die Technologie derzeit noch fast ausschließlich als Grundlage der Kryptowährungen wie Bitcoin Anwendung, doch verspricht Blockchain auch Anwendungsmöglichkeiten in vielen anderen Bereichen.

So hat sich IBM dieses Jahr auch mit Maersk zusammengetan, der weltgrößten Containerschifffahrtsgesellschaft. Gemeinsam wollen sie eine Blockchain-basierte Plattform starten, um die Zulieferkette zu digitalisieren und Verladungen weltweit nachzuverfolgen.

Die erste Blockchain-Transaktion einer Handelsfinanzierung wird von Barclays und dem israelischen Start-up Wave beansprucht. Im letzten September garantierten sie auf diese Weise Exporte im Wert von fast 100.000 Dollar. Die irische Genossenschaft Ornua lieferte damals Butter und Käse an die Seychelles Trading Company. Der Finanzierungsprozess, der normalerweise sieben bis zehn Tage dauert, konnte in weniger als vier Stunden erledigt werden.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Ausweg aus der Krise durch alternative Bezahlplattform

Das Vertrauen in die Banken und die Politik schwindet zusehends. Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage, welche aufgrund der Covid-19...

DWN
Politik
Politik China ist der größte Profiteur der Corona-Krise

Vor einem Jahr erlebte die zweitgrößte Volkswirtschaft wegen der Corona-Krise einen schweren Einbruch. Nun legt sie den größten...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Bundesgesetz macht Klagen gegen Ausgangssperre vor Verwaltungs-Gerichten unmöglich

Das geplante Corona-Bundesgesetz hebelt die Verwaltungsgerichte aus. Es wird rechtlich nicht möglich sein, dass Bürger vor die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russland will zum weltweit führenden Wasserstoff-Exporteur aufsteigen

Russland will der weltweit führende Wasserstoff-Exporteur werden. Ein im vergangenen Jahr diesbezüglich vorgestellter Plan muss auch als...

DWN
Finanzen
Finanzen Wegen Corona: Wirtschaftsexperten raten zu späterer Rente

Das Rententhema wird eines der wichtigsten im kommenden Bundestagswahlkampf. Führende Wirtschaftsinstitute raten jetzt zu einem höheren...

DWN
Politik
Politik Diese drei Top-Leute sind seit Beginn des ersten Lockdowns verstorben

Seit Beginn der Corona-Krise sind drei Persönlichkeiten, die die deutsche Bundes- und Landespolitik geprägt haben, unerwartet verstorben.

DWN
Politik
Politik Luxemburg: Ministerium bestätigt Tod nach AstraZeneca-Impfung

Das luxemburgische Gesundheitsministerium hat bestätigt, dass eine 74 Jahre alte Frau am 10. April an einer Hirnblutung nach einer...

DWN
Politik
Politik Umfrage: 46 Prozent der Deutschen gegen nächtliche Ausgangssperren

Die von der Bundesregierung geplante Einführung nächtlicher Ausgangssperren in Gebieten mit hohen Corona-Fallzahlen halten einer Umfrage...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldvermögen der Deutsche steigt auf fast sieben Billionen Euro

Trotz Virus-Pandemie und jahrelanger ultra-niedriger Zinsen für Sparer werden die Deutschen immer reicher. Doch auch die kalte Enteignung...