Finanzen

Risiko politischer Interventionen bei Übernahmen steigt

Lesezeit: 2 min
02.08.2017 17:21
Einer Befragung von Branchenkennern zufolge hat die Einflussnahme von Regierungen bei Übernahmen und Fusionen zugenommen.
Risiko politischer Interventionen bei Übernahmen steigt

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Nach einem Kongress, für das die Wirtschaftskanzlei CMS Deutschland und das Magazin „Finance“ drei Mal jährlich Chefs deutscher Unternehmen für den Bereich Übernahmen und Fusionen (M&A) sowie führende Investmentbanker und M&A-Berater anonym zu ihrer Markteinschätzung befragen, ergab sich folgendes Meinungsbild:

Viele M&A-Verantwortliche in deutschen Unternehmen sehen, dass das Risiko politischer Interventionen zunimmt: Für 60 Prozent der Befragten ist das Risiko in den vergangenen fünf Jahren leicht gestiegen. Elf Prozent machen sogar einen sehr starken Anstieg aus. Eine sinkende Einflussnahme sieht dagegen kein Teilnehmer. „Wir können bestätigen, dass die Prüfung etwaiger staatlicher Interventionsmöglichkeiten und -risiken in der Vorbereitungs- beziehungsweise Anfangsphase einer Transaktion in Gesprächen mit unseren Mandanten eine immer größere Rolle spielt“, so Dr. Oliver Wolfgramm, Corporate Partner von CMS.

Dabei wird der Einfluss staatlicher Interventionen als stark branchenabhängig eingestuft. Besonders anfällig seien für die M&A-Verantwortlichen in den Unternehmen die Rüstungsindustrie (100 Prozent) und die Luftfahrt (90 Prozent). Hier verstärkt sich nur eine Entwicklung, die ohnehin schon angelegt war: „Transaktionen im Rüstungsbereich und rüstungsnahen Branchen unterlagen auch in der Vergangenheit besonderen Anforderungen. Dies fängt bereits bei der Due Diligence an“, berichtet Dr. Thomas Meyding, Corporate Partner von CMS.

Aktuell wollen sich die M&A-Profis der Unternehmen im Vorfeld von M&A-Transaktionen noch nicht intensiv mit politischen Gremien, wie der US-Behörde für Auslandsinvestitionen (CFIUS), beschäftigen. Auf einer Intensitätsskala von 1 bis 10 positionierten sich die Befragten beim Wert 5,00 (10 = sehr intensive Beschäftigung). „Letztlich handelt es sich um ein weiteres regulatorisches Transaktionsrisiko, das im Vorfeld genau analysiert werden muss. Sofern die Parteien bereit sind, dieses Transaktionsrisiko in Kauf zu nehmen, muss im Vertrag durch klare Regelungen zu den Rechten und Pflichten adäquat Vorsorge getroffen werden“, so Thomas Meyding. „Wir sehen, dass Unternehmen vermehrt dazu bereit sind, auch ein Scheitern aufgrund kartellrechtlicher Untersagung in Kauf zu nehmen.“

In Deutschland liegt die Verantwortung für die Prüfung von Auslandsinvestitionen beim Bundeswirtschaftsministerium. Ob auch hierzulande müssen die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten zur Kontrolle und zum Verbot ausländischer Direktinvestitionen mittel- bis langfristig verschärft werden, darüber haben sich die Kongressteilenhmer noch kein einheitliches Bild gemacht. Die Corporate-M&A-Vertreter positionierten sich zu dieser These durchschnittlich bei dem Wert 5,72 (10 = sehr wahrscheinlich). „Es wird nach unserer Einschätzung keine nationalen Alleingänge in Europa geben. Vielmehr wird diskutiert, bestehendes EU-Recht zu ergänzen, um den Mitgliedsstaaten mehr Möglichkeiten zu geben, unliebsame Investoren draußen zu halten. Deutschland, Frankreich und Italien hatten die EU-Kommission im Februar gebeten, das Thema auf die Tagesordnung zu nehmen“, erläutert Oliver Wolfgramm.

Für die Corporate-M&A-Chefs ist die eigene Liquidität weiterhin das mit Abstand wichtigste Finanzierungsinstrument. Sie bewerten deren Stellenwert mit 8,17 (10 = sehr wichtiges Finanzierungsinstrument). Die Bedeutung der Bankenfinanzierung nimmt weiter ab und wird aktuell mit einem Wert von 5,56 bewertet. Leicht zugelegt hat die Bedeutung von Private Equity mit einem Wert von 3,78.

Der wichtigste Deal-Breaker sind nach Ansicht aller Befragten weiterhin divergierende Preisvorstellungen. Mit einem Wert von 6,89 bei den Corporate-M&A-Chefs und 6,00 bei den M&A-Beratern und Investmentbanken sind negative Befunde aus der Due Diligence der zweitwichtigste Grund für das Scheitern von Verhandlungen. „Die Bedeutung der Due Diligence hat wieder zugenommen“, beobachtet Thomas Meyding. „Insbesondere für US-Investoren war eine umfangreiche Due Diligence schon immer wichtig. Aber auch europäische Unternehmen richten inzwischen verstärkt ihr Augenmerk auf eine intelligente Due Diligence.“ Das unsichere politische Umfeld trage dazu bei, da sich in dieser Situation kein Unternehmenslenker handwerkliche Schnitzer bei einer Transaktion vorwerfen lassen möchte.

Die M&A-Berater schätzen ihre eigene Auslastung nach wie vor als überdurchschnittlich ein und blicken positiv in die Zukunft. Das Projektaufkommen ist im Vergleich zur Februar-Umfrage sowohl bei Beratungshäusern mit Fokus auf Mid- und Largecap als auch im Smallcap-Segment leicht gestiegen. Auch das zukünftige Projektaufkommen mit Deal Signing in den folgenden drei bis acht Monaten wird positiv geschätzt. Smallcap-Berater sehen einen Anstieg von derzeit 1,71 auf 1,95 (Skala von -5 bis +5, wobei der Wert 0 einem durchschnittlichen Projektaufkommen entspricht). Mid- und Largecap-Berater rechnen mit einem Anstieg des Projektaufkommens von aktuell 2,00 auf 2,41.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Weniger Administration, mehr Weiterentwicklung: Digitale bAV-Verwaltung für mehr „Human“ im HR

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Politik
Politik Mit der neuen Bundesregierung ist der „Great Reset“ das Todesurteil für den deutschen Mittelstand

Die Ziele im Rahmen des „Great Reset“ und der Pandemie bedrohen vor allem den deutschen Mittelstand. Über 99 Prozent aller Unternehmen...

DWN
Finanzen
Finanzen Schnellt der Goldpreis bis zum Ende des Jahres auf 3.000 Dollar hoch?

In Zeiten wie diesen, in denen die Geld- und Fiskalpolitik noch nie lockerer war, könnte der Goldpreis bis zum Endes des Jahres noch auf...

DWN
Finanzen
Finanzen DWN-SPEZIAL: Finanzielle Repression wird Bürger in die Armut stürzen

Einem Bericht zufolge wird nach der Merkel-Ära in Frankreich und Italien Staatsschulden-Krisen ausbrechen. Dann wird in der EU die...

DWN
Finanzen
Finanzen Das globale Geldsystem basiert auf Vertrauen … und Macht

Die Deutschen lieben Bargeld. Jedoch macht dieses nur einen kleinen Teil der im Umlauf befindlichen Geldmenge aus, rund 90 Prozent...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Silber: Preis und Nachfrage steigen weiter

Sowohl Anleger als auch die Industrie fragen das Edelmetall verstärkt nach.

DWN
Deutschland
Deutschland WAHL-TICKER: Mehrheit der Unionswähler für Rücktritt von CDU-Chef Laschet

Lesen Sie im Folgenden unseren Ticker zu den Nachwehen und Erkenntnissen aus der Bundestagswahl, den wir laufend für sie aktualisieren...

DWN
Politik
Politik Kosovo-Konflikt: Russland deutet Unterstützung Serbiens im Kriegsfall an

Der serbische Verteidigungsminister wurde während seines Besuchs der serbischen Truppen an der Grenze zum Kosovo vom russischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutschlands Banken verlangen Negativzinsen in Rekordhöhe

Die Negativzinsen für Bankkunden nehmen zu, wie die Bundesbank meldet. Hauptverantwortlicher für die Entwicklung ist die EZB.