Wirtschaft

Wenn der Ölpreis dreistellig wird, bekommt China Probleme

Anlegern zufolge könnte die Ölpreise in mittelfristiger Zukunft die 100-Dollar-Marke knacken. Dann würde vor allem Chinas Wirtschaft zur Neige gehen.
08.01.2020 17:00
Lesezeit: 2 min
Wenn der Ölpreis dreistellig wird, bekommt China Probleme
Tanks für Rohöl in einem Vorort von Dandong (China). (Foto: dpa)

Die Ölpreise sind am Mittwoch nach einem iranischen Raketenangriff als Vergeltung für die Tötung des Top-Generals Ghassem Soleimani gestiegen. Die Notierungen konnten aber nur zeitweise neue mehrmonatige Höchststände erreichen. Am Ölmarkt setzte eine schnelle Gegenbewegung ein und die Kursgewinne hielten sich im Mittagshandel in Grenzen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 68,81 US-Dollar. Das sind 54 Cent mehr als am Vorabend. Der Preis für US-Rohöl der Sorte WTI stieg um 26 Cent auf 62,96 Dollar, so die dpa.

Wenn die Ölpreise aufgrund weiterer Vorfälle im Nahen Osten, insbesondere in der Straße von Hormuz, steigen sollten, dürfte diese Entwicklung insbesondere Chinas Volkswirtschaft in Bedrängnis bringen.

Die Nachfrage nach Öl in China hat in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen. Derzeit ist China nach den USA der zweitgrößte Ölkonsument der Welt. Diese wachsende Nachfrage nach Öl steht im Zusammenhang mit starken internationalen Ölpreiserhöhungen. Mit seinem steigenden Ölverbrauch spielt China heute eine wichtige Rolle auf den internationalen Ölmärkten, und eine Veränderung seines Verbrauchs könnte diese Märkte ernsthaft destabilisieren. Darüber hinaus nimmt China heute einen herausragenden Platz auf der internationalen Bühne ein, und ein starker Rückgang seiner Wirtschaftstätigkeit könnte das Weltwachstum erheblich beeinflussen.

Die aktuellen Spannungen im Irak hätten beispielsweise einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Ölpreise, aber auch auf operative Tätigkeiten Chinas im Irak. China ist der größte Abnehmer von irakischem Öl und einer der größten Investoren in der irakischen Öl- und Gasindustrie. PetroChina und die China National Petroleum Corporation (CNPC) haben hier massive Investitionen getätigt, einschließlich der 25-prozentigen Beteiligung von PetroChina an dem riesigen Projekt West Qurna 1, das sich mehrheitlich im Besitz von Exxon befindet, berichtet die South China Morning Post (SCMP). CNPC produziert außerdem etwa zwei Millionen Barrel pro Tag (bpd) auf den Ölfeldern Rumaila und Halfaya im Südirak.

Im September unterzeichnete die irakische Basra Oil Company zudem einen Vertrag mit den Chinesen über die Erschließung und Fertigstellung von 80 Ölquellen auf dem riesigen Majnoon-Feld, welches sich ebenfalls in Basra befindet, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua. Angesichts der Hoffnung Chinas, den Ölabsatz aus dem Irak bis Ende dieses Jahres um mehr als zwei Drittel auf 850.000 bpd zu steigern, verfolgt die Regierung in Peking die Vorkommnisse im Irak mit großer Sorge.

Besonders problematisch für China könnte es werden, wenn die Ölpreise die 100-Dollar-Marke knacken, berichtet Oxford Economics. Dieses Szenario sei nicht unwahrscheinlich. “Als weltweit größter Ölimporteur ist China anfällig, und viele Länder in Europa sind auch auf Energieimporte angewiesen. Saisonale Effekte wirken sich ebenfalls aus”, so die South China Morning Post (SCMP).

Der Ölpreise der Sorte Brent ist im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent gestiegen, während WTI um 31 Prozent stieg. Dies veranlasste die Anleger dazu, darauf zu wetten, dass eine Rückkehr in den dreistelligen Bereich unmittelbar bevorsteht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fed und EZB unter Druck: Iran-Krieg verschärft den Zinskonflikt
18.03.2026

Vor den geldpolitischen Sitzungen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank richten sich die Erwartungen der Märkte klar auf neue...

DWN
Panorama
Panorama BER-Warnstreik: Flüge gestrichen – welche Rechte Passagiere jetzt haben
18.03.2026

Der Warnstreik am BER bringt den Flugverkehr in Berlin komplett zum Erliegen. Tausende Reisende stehen vor kurzfristigen Änderungen ihrer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Möbelriese Hammer-Baumärkte im Insolvenzverfahren: Räumungsverkauf beginnt
18.03.2026

Nach dem Insolvenzverfahren verschwinden rund die Hälfte aller Hammer-Märkte in Deutschland. Während der Insolvenzverwalter nach einem...

DWN
Panorama
Panorama Klimawandel verstärkt Wetterextreme: Warum es zu Wasserknappheit kommen kann
18.03.2026

Trockenperioden und Starkregen wechseln sich ab: Warum Wasser in Deutschland manchmal zur falschen Zeit am falschen Ort ist, und welche...

DWN
Politik
Politik Sorge um Stabilität: Berlin fordert mehr EU-Hilfe für Syrien
18.03.2026

In Deutschland leben auch mehr als ein Jahr nach dem Sturz von Langzeitherrscher Baschar al-Assad noch Hunderttausende Flüchtlinge aus...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krise in deutscher Autobranche - Rüstungsindustrie als Rettungsanker
18.03.2026

Die Absatzschwäche der Autohersteller trifft viele Zulieferbetriebe in Deutschland. Deswegen sind Alternativen gefragt. Wie die boomende...

DWN
Politik
Politik Rheinland-Pfalz wählt am 22. März: Kopf-an-Kopf-Rennen von SPD und CDU
18.03.2026

Seit 1991 besetzt die SPD in Rheinland-Pfalz durchgehend das Amt des Ministerpräsidenten. SPD und CDU liegen momentan in den Umfragen fast...

DWN
Politik
Politik 28. Regulierungsrahmen: EU will Wachstumsfirmen in Europa halten
18.03.2026

Europa arbeitet an einem neuen einheitlichen Rechtsrahmen für Unternehmen, um Wachstum im Binnenmarkt zu erleichtern und regulatorische...