Politik

Rentenreform: Abschaffung der Frührente würde Milliarden sparen

Kommt das Aus für die Frührente? 9,5 Milliarden Euro an Einsparungen, 125.000 erhaltene Arbeitskräfte: Das Forschungsinstitut DIW nennt gewichtige Argumente gegen die „Rente mit 63“. Allerdings seien für die Abschaffung Sonderregeln nötig.
05.06.2026 14:50
Lesezeit: 2 min

Rentenreform: Abschaffung der Frührente würde Milliarden sparen

Mit einer Abschaffung der abschlagsfreien Frühverrentung für besonders langjährig Versicherte könnte die Staatskasse nach einer Berechnung um 9,5 Milliarden Euro pro Rentnerjahrgang entlastet werden.

Jedes Jahr nutzen rund 250.000 bis 280.000 Erwerbstätige die Möglichkeit, nach mindestens 45 Beitragsjahren vor dem Regelrentenalter abschlagsfrei in Rente zu gehen, wie die Bertelsmann Stiftung berichtet.

Aus einer Kalkulation des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Stiftung gehe hervor, dass eine Abschaffung der beliebten abschlagsfreien Altersrente zudem ein Beschäftigungspotenzial von 125.000 Vollzeitkräften bedeuten würde.

Die Modellrechnung für Rentnerinnen und Rentner des Jahrgangs 1957 – aktuell der jüngste Jahrgang, der vollständig im Ruhestand sei – zeigt demnach, dass die gesetzliche Rentenversicherung um rund 10,4 Milliarden Euro für diesen Jahrgang entlastet werden könnte. Die Regelung für besonders langjährige Versicherte ist wegen ihrer Kosten umstritten. Die Bundesregierung will bald Entscheidungen über ein Reformpaket auch mit dem Thema Rente treffen.

Die aktuelle Regelung war 2014 von der damaligen schwarz-roten Bundesregierung eingeführt worden und zielt auf "besonders langjährig Versicherte", die mindestens 45 Jahre Beiträge eingezahlt haben. Vor 1953 Geborene konnten ohne Abschläge mit 63 in Rente gehen. Für Jüngere, die zwischen 1953 und 1963 geboren wurden, steigt diese Altersgrenze schrittweise an. Vom Geburtsjahrgang 1964 an liegt das frühestmögliche Zugangsalter dann bei 65 Jahren.

Forscher: Betroffene würden zehn Monate später in Rente gehen

Werde diese Möglichkeit zur Frührente gestrichen, so gehen die Wissenschaftler von der Annahme aus, dass sich der Renteneintritt in diesen Fällen im Schnitt um zehn Monate verschieben würde und die Betroffenen dann mit Abschlägen in den Ruhestand gehen. Die Entlastung würde den Angaben zufolge nicht sofort entstehen, sondern verteilt über dann jahrzehntelang geringere Rentenzahlungen. Derselbe finanzielle Effekt wie für den Jahrgang 1957 würde ähnlich auch für die Folgejahrgänge eintreten, betont die Untersuchung.

Die Einsparungen bei den Rentenausgaben würden zwar zu Beitragsausfällen in anderen Sozialversicherungszweigen führen - Mindereinnahmen etwa bei Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Einkommensteuer von zusammen rund 860 Millionen Euro. Aber: "Unter dem Strich bliebe eine Einsparung für die Staatskasse von rund 9,5 Milliarden Euro."

Nicht nur finanzielle Gründe sprechen dafür, die in der politischen Debatte oft als "Rente mit 63" diskutierte Regelung zu überdenken, wie die Forschenden meinen. Falle diese Form der Frühverrentung weg, könne der Arbeitsmarkt länger über höher qualifizierte Arbeitskräfte verfügen. Für Härtefälle sei eine Kompensation sinnvoll.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Rückblick: Wall Street gibt nach – Ölpreis nähert sich nach erneuten US-Angriffen auf den Iran der 100-Dollar-Marke
08.09.2026

Erfahren Sie, wie die jüngsten geopolitischen Entwicklungen die globalen Märkte belasten und welche Aktien jetzt besonders in Bewegung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Exporte brechen ein
08.09.2026

Nach fünf Monaten Wachstum verzeichnen Deutschlands Exporte im Juli erstmals wieder einen Rückgang. Schwierig bleiben die Geschäfte mit...

DWN
Technologie
Technologie OpenAI-Agenten bauten geheimes Kommunikationsnetz auf deutschsprachiger Website
08.09.2026

KI-Agenten nutzten eine deutsche Website zur Koordination, zur Umgehung von Beschränkungen und zur Verschleierung ihrer Spuren. OpenAI...

DWN
Politik
Politik "Der Sieg ist nah", behauptet Kremlsprecher Peskow
08.09.2026

Die USA nehmen einen neuen Anlauf in ihren Vermittlungsbemühungen für ein Ende des Ukraine-Kriegs. Doch der Kreml betont die...

DWN
Finanzen
Finanzen Legende Warren Buffett hielt lange am Geld fest – jetzt sorgt er mit einer großen Investition für Aufsehen
08.09.2026

Warren Buffett hat jahrelang mehr Aktien verkauft als gekauft und bei Berkshire Hathaway einen gigantischen Geldberg aufgebaut. Nun sorgt...

DWN
Politik
Politik Deutschland entkommt russischem Gas und landet in der nächsten Falle
08.09.2026

Deutschland hat sich vom russischen Pipelinegas gelöst und setzt nun stark auf Flüssiggas. Doch inzwischen kommt ein Großteil des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Der Winter kommt und Deutschlands Gasspeicher sind fast leer
08.09.2026

Deutschlands Gasspeicher sind deutlich schlechter gefüllt als vor einem Jahr. Ein sehr kalter Winter könnte die Reserven bereits Anfang...

DWN
Technologie
Technologie Kündigungsgefahr: Was Arbeitnehmer online auf Social Media posten dürfen – und was nicht
08.09.2026

Meinungsfreiheit ist nicht grenzenlos. Wann Social-Media-Aktivitäten arbeitsrechtliche Folgen haben und worauf Beschäftigte achten...