Finanzen

Gegen US-Sanktionen: Islamische Staaten bauen Gold-gedecktes Handelssystem auf

Mit Blick auf die Verhängung von Sanktionen durch die USA bauen vier muslimische Staaten ein Handelssystem mit Golddeckung auf. Auch der Iran ist Teil der Koalition. Das Unterfangen birgt für die Teilnehmer einige Risiken.
13.01.2020 17:04
Aktualisiert: 13.01.2020 17:04
Lesezeit: 3 min
Gegen US-Sanktionen: Islamische Staaten bauen Gold-gedecktes Handelssystem auf
19.12.2019, Malaysia, Kuala Lumpur: Hassan Ruhani, Präsident des Iran, kommt zur ersten Gesprächsrunde im Kongresszentrum von Kuala Lumpur. (Foto: dpa) Foto: Nur Ain Shafinas

Auf Initiative der malaysischen Regierung arbeiten derzeit vier mehrheitlich muslimische Staaten an einem auf Gold basierenden Handelssystem, berichtete das malaysische Magazin Business Standard Ende Dezember. Bei den vier am Projekt beteiligten Staaten handelt es sich um Malaysia, den Iran, das Emirat Katar und die Türkei.

„Da die Welt bereits sieht, das einzelne Länder unilaterale Entscheidungen zur Verhängung von Sanktionen fällen, müssen Malaysia und die anderen Nationen immer im Hinterkopf behalten, dass diese Sanktionen jeden von uns treffen können“, wird Malaysias Premierminister Mahatir Mohamad nach Abschluss einer viertägigen Konferenz in Kuala Lumpur zitiert.

„Ich schlage vor, dass wir die Idee eines Gold-Dinars zur Handelsabwicklung wiederbeleben und auch einen Tauschhandel in den Blick nehmen. (…) Wir schauen uns das jetzt ernsthaft an und hoffen, dass wir einen Mechanismus finden, um das zu realisieren“, sagte Mohamad.

Ohne dass bei der Konferenz ein Land namentlich genannt wurde, stellt die angestrebte Etablierung eines goldgedeckten Handelssystems beziehungsweise eines Tauschhandels eine direkte Reaktion auf die Sanktionspolitik der US-Regierung dar, welche in der Vergangenheit häufig einseitige Sanktionen gegen Staaten, Unternehmen und deren Repräsentanten erlassen hatte. Vor diesem Hintergrund ist auch die Teilnahme des Iran zu verstehen, welcher seit dem Austritt der USA aus dem Atomabkommen neuen US-Sanktionen und massivem politischen und auch militärischem Druck aus Washington unterliegt. Auch die Türkei ist wegen des Kaufs russischer Boden-Luftraketen vom Typ S 400 in das Visier der US-Regierung geraten und auch die EU hatte bereits erste zaghafte Sanktionen wegen der türkischen Expansionspolitik im östlichen Mittelmeer gegen das Land erlassen.

Abgerundet wird das Bild der geplanten Immunisierung gegen mögliche Sanktionen Dritter auch durch den Aufruf der an der Konferenz beteiligten Staaten, die Handelsbeziehungen untereinander zu stärken und diese vor allem in den eigenen Landeswährungen – und nicht in US-Dollar – abzuwickeln. Gerade die Verwendung des Dollars ist ein wichtiger Hebel, mit dem die US-Regierung in der Vergangenheit missliebige Geschäfte weltweit sanktionieren konnte.

Mohamad sprach die Weltleitwährung Dollar in seiner Rede sogar direkt an. „Im Moment sind wir vom US-Dollar abhängig, aber der Dollar ist nicht stabil. Deshalb basiert die von uns vorgeschlagene Währung auf Gold, weil Gold viel stabiler ist“, zitiert Forbes Mohamad.

Bemerkenswert ist, dass sich offenbar ein geopolitischer Riss durch die mehrheitlich islamischen Länder der Welt zieht, welcher auch schon im Vorfeld der Konferenz in Kuala Lumpur zu Verstimmungen geführt hatte. So schickte nur ein Teil der eingeladenen Staaten einen Vertreter nach Südostasien, dutzende andere taten dies nicht. Offenbar war es insbesondere die saudische Regierung – welche einen großen Einfluss auf die im eigenen Land verankerte, weltweit tätige, Organisation of Islamic Cooperation (OIC) ausübt – welche die 57 Mitgliedsstaaten von einer Reise nach Malaysia abhalten wollte.

Malaysia zufolge wurden alle 57 OIC-Länder eingeladen, doch nur etwa 20 folgten dem Aufruf. Dies deckt sich mit Berichten der South China Morning Post, Saudi-Arabien habe das zunehmend mit China verbandelte Pakistan von einer Teilnahme an der Konferenz abgehalten. Offensichtlich fehlten schließlich vor allem Staaten, welche traditionell gute Beziehungen zu den USA unterhalten, wie eben Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten oder Bahrain.

Saudi-Arabien verdient in dieser „Gegen-Koalition“ besondere Beachtung, weil es sein Rohöl seit Anfang der 1970er Jahre nur in Dollar verkauft und zudem die immensen Devisenreserven aus dem Ölgeschäft fast ausschließlich in auf Dollar notierende Wertpapiere wie US-Staatsanleihen anlegt und dadurch die Grundlage für den Status des Dollar als nach wie vor global dominierende Reserve- und Handelswährung schafft.

Noch steckt das Vorhaben in der Planungsphase, zumal nicht vergessen werden darf, dass Mohamad, welcher bereits früher einmal malaysischer Premierminister war, die Idee eines „Gold-Dinars“ für die muslimische Welt bereits zu Zeiten der Asienkrise Ende der 1990er Jahre und auch noch in den 2000er Jahren öffentlich propagiert hatte – bis dato ohne Erfolg.

Interessant wird es aber dann, wenn der „Gold-Dinar“ und das Tauschsystem tatsächlich zwischen Ankara, Manama, Teheran und Kuala Lumpur eingeführt werden sollten. Was mit Regierungen geschehen kann, welche eine goldgedeckte Handelswährung einführen wollen, zeigt das Beispiel Libyen: Dessen Präsident Gaddafi hatte in den Monaten vor seinem gewaltsamen Sturz durch eine britisch-französisch-amerikanische Militärintervention die Schaffung eines Gold-Dinars für (Nord-)Afrika und muslimische Länder insgesamt gefordert, wie Forbes berichtet.

Auffallend ist immerhin, dass die an der Gold-Initiative beteiligten Länder seit Jahren eine Affinität zu dem Edelmetall aufweisen: So hatte Malaysia seine offiziell deklarierten Goldreserven seit Anfang des vergangenen Jahres schrittweise von damals etwa 1,5 Milliarden Dollar auf nun 1,9 Milliarden Dollar erhöht. Auch die Türkei baut ihre Reserven seit Jahren schrittweise auf: noch im Jahr 2012 betrugen sie etwa 116 Tonnen, derzeit liegen sie bei rund 385 Tonnen, wie aus Daten von Tradingeconomics hervorgeht. Über die Goldreserven des Iran herrscht weitgehend Unklarheit, verlässliche Zahlen sind schwer zu finden. Doch auch Qatar stockte seine Vorräte nach der Verhängung eines Embargos durch Saudi-Arabien und andere Golfstaaten im Jahr 2017 deutlich von damals rund 12 Tonnen auf heute rund 42 Tonnen auf, wie Tradingeconomics berichtet.

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