Wirecard fliegt nächste Woche aus dem Dax, wird wohl durch Delivery Hero ersetzt

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
13.08.2020 09:39  Aktualisiert: 13.08.2020 09:39
Einen Monat schneller als üblich scheidet der insolvente Zahlungsabwickler Wirecard aus dem Dax aus. Nachrücken wird aller Voraussicht nach der Restaurant-Lieferdienst Delivery Hero.
Wirecard fliegt nächste Woche aus dem Dax, wird wohl durch Delivery Hero ersetzt
Die Dax-Kurve schlängelt sich im Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse über die Anzeigetafel. (Foto: dpa)
Foto: Arne Dedert

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Nach dem milliardenschweren Bilanzskandal fliegt der insolvente Zahlungsabwickler Wirecard schon nächste Woche aus dem deutschen Leitindex Dax. In einer Umfrage der Deutschen Börse stimmte eine Mehrheit der Marktteilnehmer für eine Änderung der Regeln, die zur Verbannung des Ende Juni Pleite gegangenen Konzerns führt, wie die Deutsche Börse mitteilte. Wirecard scheidet nun nach Handelsschluss am 21. August aus der höchsten deutschen Börsenliga aus.

Nachrücken wird aller Voraussicht nach der Restaurant-Lieferdienst Delivery Hero, der im Gegensatz zum Konkurrenten Symrise in der maßgeblichen Rangliste die Kriterien erfüllt. Die Delivery-Hero-Aktien legten am Donnerstag im Frühhandel um mehr als drei Prozent zu. Die Deutsche Börse will erst am kommenden Mittwochabend bekanntgeben, wer Wirecard im Dax folgt.

Nach den bislang geltenden Indexregeln wäre Wirecard erst zum 21. September aus dem Dax ausgeschlossen worden - wegen der Insolvenz, aber auch wegen des auf 200 Millionen Euro eingebrochenen Börsenwerts. Der Druck der Marktteilnehmer, schneller zu reagieren, wurde aber immer größer. Die Börse schlug daher Mitte Juli eine Regeländerung vor, die nun von den Anlegern gutgeheißen wurde. Künftig fliegen Unternehmen nach einem Insolvenzantrag kurzfristig aus den Dax-Auswahlindizes (auch MDax, SDax und TecDax). Bisher war das erst bei der nächsten regulären Überprüfung vorgesehen, die alle drei Monate fällig ist.

Wenn nicht noch etwas Unvorhergsehenes passiert, wird Delivery Hero auf den Zahlungsanbieter folgen und ab dem 24. August dem Dax angehören. Ausschlaggebend dafür sind der Börsenwert des Streubesitzes und der Handelsumsatz. Auf der maßgeblichen Rangliste der Börse vom Juli liegt Delivery Hero beim Börsenwert auf dem 27. Platz und beim Handelsumsatz auf dem 33.

Als Spiegelbild der deutschen Wirtschaft, die der Dax abbilden soll, kann Delivery Hero kaum gelten. Das Unternehmen hat seinen Sitz zwar in Berlin, doch sein Deutschland-Geschäft hatte es an den Konkurrenten Just Eat Takeaway ("Lieferando") verkauft. Die Börse hat dem Arbeitskreis Aktienindizes allerdings vor einigen Jahren alle Spielräume zur Dax-Zusammensetzung genommen.

Delivery Hero ist in über 40 Ländern weltweit unterwegs und will im laufenden Quartal auch in Japan aktiv werden. Zwar profitiert der Konzern in der Corona-Krise von der steigenden Nachfrage nach Essens-Lieferungen, doch wegen der Kosten des Expansionskurs schreibt das Unternehmen im operativen Geschäft noch Verluste.

Unabhängig von der Blitz-Umfrage arbeitet die Börse an einer Reform des Dax-Regelwerks, über die dann erneut die Marktteilnehmer abstimmen sollen. Zu den Inhalten hält sich der Indexanbieter bislang bedeckt.

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona: Lufthansa legt 50 weitere Flugzeuge still

Die Flotte soll statt um 100 nun sogar um 150 Flugzeuge schrumpfen. Dadurch sind nun erneut noch mehr Arbeitsplätze in Frage gestellt.

DWN
Finanzen
Finanzen Geldwäsche-Berichte lassen Aktien von Deutscher Bank & Co einbrechen

Medienberichte über Geldwäsche bei mehreren internationalen Großbanken setzen der Deutschen Bank zu. Die Banken sollen in den...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft USA: Hälfte aller Restaurants und Geschäfte wird den Lockdown nicht überstehen

Daten des Internetportals Yelp werfen ein Schlaglicht auf die vom Corona-Ausnahmezustand verursachte Verwüstung im US-Einzelhandel.

DWN
Politik
Politik Großbritannien: Verstoß gegen Quarantäne kann bis zu 10.000 Pfund kosten

Wer als Corona-Infizierter in Großbritannien gegen die Quarantäne verstoßen sollte, muss künftig ein Bußgeld zwischen umgerechnet...

DWN
Politik
Politik EU verhängt Sanktionen wegen Verstößen gegen Libyen-Embargo

Die EU erhöht den Druck auf Länder, die sich in den Libyen-Konflikt einmischen. Jetzt gibt es erste Sanktionen gegen Unternehmen und...

DWN
Politik
Politik Ölpreise: Libyen will Ölproduktion aufnehmen, US-Produzenten werden von Sturm gestört

Die Ölpreise sind aufgrund der Ankündigung, dass Libyen die Ölproduktion wieder aufnehmen will, gesunken. Währenddessen haben...

DWN
Marktbericht
Marktbericht Deutscher Elite-Index sucht in laufender Woche nach seiner Richtung

Das deutsche Leitbarometer hat die vergangene Woche mit Verlusten abgeschlossen. Wie die weitere Entwicklung in der laufenden Woche...

DWN
Finanzen
Finanzen Prognose: Corona wird europäische Anleihen attraktiver machen als US-Anleihen

Einer Prognose zufolge werden sich Anleger vor allem an europäischen Staatsanleihen - und nicht an US-Anleihen - orientieren. Dafür gibt...

DWN
Finanzen
Finanzen Auch Deutsche Bank beteiligt? Großbanken sollen fast drei Billionen Euro gewaschen haben

Die Deutsche Bank, JP Morgan und drei weitere Banken sollen 2,7 Billionen US-Dollar an „schmutzigen Geldern“ verschoben haben.

DWN
Deutschland
Deutschland Söder droht mit Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen in München in Aussicht gestellt, auf denen die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schweden schnürt Konjunkturpaket in Rekordhöhe

Die schwedische Regierung plant Steuersenkungen und Mehrausgaben in Höhe von insgesamt rund 10 Milliarden Euro, auch wenn das Land...

DWN
Politik
Politik Kaukasus 2020: Russland startet größtes Militärmanöver des Jahres

Russland hat im Kaukasus sein größtes Militärmanöver in diesem Jahr begonnen. Es beteiligen sich Soldaten aus China, Pakistan, Belarus,...

DWN
Politik
Politik Die Abenteuer des Monsieur Macron, oder: Wie Frankreich sich einen neuen Napoleon wünschte - aber einen Don Quijote bekam

Emmanuel Macron war angetreten, Frankreich aus seiner lähmenden Erstarrung zu befreien. Doch daraus ist nichts geworden, wie DWN-Kolumnist...

DWN
Politik
Politik Deutschland hat bereits eine Reichensteuer: Sie beträgt 500 Milliarden Euro im Jahr

DWN-Kolumnist Christian Kreiß zeigt auf, wie der Neoliberalismus unsere Demokratie aushöhlt - und wir alle dabei mitmachen müssen. Ob...

celtra_fin_Interscroller