Unternehmen

Miele sucht mit neuem Back-Roboter Anschluss an die Marktführer aus Übersee

Beim lukrativen Geschäft mit digitalisierten Haushaltsgeräten liegt der deutsche Hersteller Miele aus Gütersloh weit hinter den führenden Produzenten aus den USA und China. Jetzt versuchen die Deutschen, den Abstand zu verringern – und zwar mit einem neuen Roboter, der außergewöhnliche Fertigkeiten hat.
28.09.2020 11:00
Lesezeit: 2 min
Miele sucht mit neuem Back-Roboter Anschluss an die Marktführer aus Übersee
Das Marktpotenzial für künstliche Intelligenz im Haushalt ist grundsätzlich groß. Hier ein Saugroboter. (Foto: dpa) Foto: Rolf Vennenbernd

„Aktuell bietet Miele KI in zwei Produkten an: in den neuen Induktionskochfeldern mit TempControl und in den 60 cm breiten Backöfen mit integrierter Kamera“, erklärt der Sprecher von Miele, Michael Prempert, auf Anfrage der Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DWN).

„Die entsprechende Anwendung für das Kochfeld heißt CookAssist. Dieser Assistent bietet eine Schritt-für-Schritt Anleitung für Bratvorgänge, verhindert ein Anbrennen und verhilft zu optimalen Ergebnissen. Die entsprechenden Kochfelder und die App-Anbindung sind bereits verfügbar. Die Anwendung für den Backofen mit Kamera heißt Smart Food ID und beruht auf der Erkennung des Gargutes, das in den Ofen gegeben wird.“, fügt der Sprecher hinzu.

Hintergrund: Neben diesen beiden Produkten verkauft der deutsche Hersteller noch weitere Geräte, die smarte Anwendungen bedienen, die allerdings keine KI im eigentlichen Sinne sind. Durch die neue Produkteinführung versucht das Unternehmen, auf dem Markt für digitalisierte Haushaltsgeräte weitere Anteile zu gewinnen. Doch wie sich dieses Geschäftsfeld in der Bilanz widerspiegelt, ist nicht klar.

Denn der Vertreter von Miele zeigte sich bei der Frage nach dem geschäftlichen Beitrag, den die Koch- und Back-KI für das Unternehmen leistet, sehr zugeknöpft: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine Angaben zu einzelnen Produkten und ihren Anteil zum Umsatz machen."

Zur Einordnung: Miele hat nach eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2018/ 2019 seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,5 Prozent auf fast 4,2 Milliarden Euro erhöht. Wie groß nun der Anteil der KI am Gesamterlös ist, lässt sich folglich nur erahnen.

Grundsätzlich ist es für den Hersteller wichtig, in dem Segment von digitalisierten Produkten präsent zu sein, weil die Waren schon seit einigen Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die Koch- und Back-KI ist dabei ein Bereich, der völlig neu ist - zumindest in Deutschland. Denn Schätzungen zu finden, ist nur sehr schwer möglich. "Dazu sind mir keine Angaben bekannt", erklärt Miele-Sprecher Prempert.

Immerhin gibt es ein Segment, das sich schon vor einigen Jahren etabliert hat - und zwar der Verkauf der Staubsaug-Roboter. Die Experten des US-Analysehauses Value Market Report schätzen, dass sich die Umsätze der Hersteller weltweit bis 2024 jedes Jahr um ein Fünftel vergrößern. Dann lägen die Volumina bei 6,6 Milliarden Dollar (5,6 Milliarden Euro).

"Traditionsmarken in Deutschland müssen zittern"

Und Deutschland ist dabei ein Markt, der immer mehr an Bedeutung gewinnt: Hier haben die Saugroboter es geschafft, bei den Umsätzen mehr als ein Viertel am Gesamtmarkt zu kontrollieren. Das heißt, sie haben den klassischen Geräten bereits spürbare Marktanteile abgejagt. Allerdings liegen die deutschen Hersteller wie Miele immer noch weit abgeschlagen hinter den führenden Produzenten iRobot aus den USA und Ecovacs aus China, die dieses Terrain schon lange besetzt haben. „Die deutschen Traditionsmarken müssen zittern“, warnt die Fachpublikation „E-Commerce-Magazin“.

Allerdings dürfte der Markt für digitale Haushaltsgeräte in den kommenden Jahren nicht grenzenlos wachsen. Manche Utopisten haben zwar die Vision, dass die Roboter im Haushalt schon bald den Menschen im Haushalt vollständig ersetzen werden. Dies hält Miele-Sprecher Prempert aber für kaum möglich:

„Für die nächsten fünf bis zehn Jahre ist dieses Szenario unrealistisch. Neue Technologien, digitale Anwendungen und Services werden die Hausarbeit aber weiter erleichtern. Und beim Beispiel der oben genannten Assistenzsysteme für Kochgeräte zu bleiben, so können diese eine große Hilfe sein, wenn sich Anwenderinnen und Anwender nicht mehr um Geräteeinstellungen kümmern müssen und ohne profunde Kochkenntnisse für möglichst viele Rezepte ein optimales Ergebnis erzielen.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Neue deutsch emiratische Investitionen stärken Dubais Standortrolle

Die Zeiten, in denen eine Firma vor allem am eigenen Standort und nur begrenzt darüber hinaus florieren wollte, sind vorbei. Heute sind...

 

DWN
Unternehmen
Unternehmen Landgericht Frankfurt entscheidet: Meta muss für betrügerische Social-Media-Anzeigen haften
17.09.2026

Fake-Werbung auf Plattformen wie Facebook und Instagram bleibt für Meta nicht länger ohne rechtliche Folgen. Nach einer Entscheidung des...

DWN
Politik
Politik Unerwartete Wende: Russland behält Kontrolle über wichtige Basen am Mittelmeer
17.09.2026

Nach dem Sturz von Bashar al-Assad schien Russlands militärische Präsenz in Syrien infrage zu stehen. Doch nun zeigt sich eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiekrise in Europa: Warum Anleger plötzlich profitieren können
17.09.2026

Die Ruhe an Europas Energiemärkten war offenbar nur geliehen. Öl und Gas verteuern sich wieder, die Inflation bleibt hartnäckig und die...

DWN
Panorama
Panorama Zuwanderung bremst Trend: Immer mehr Menschen in Deutschland leben wieder in Familien
17.09.2026

Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland wohnt zusammen mit Eltern oder Kindern in einem Haushalt. Nach einer langen Phase des...

DWN
Politik
Politik Überwachung und Chat-Weitergabe: BGH lässt EuGH-Datenschutzregeln im Privatleben klären
17.09.2026

Darf man Angehörige heimlich filmen oder private WhatsApp-Nachrichten an Dritte weiterleiten? Zwei verfahrene Alltagsstreitigkeiten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Comeback mit Verbrennungsmotoren: Volvo schaltet auf gemischten Antrieb um
17.09.2026

Volvo will den Weg aus der Krise schaffen und setzt dabei wieder verstärkt auf Verbrenner. Neue Fahrzeugmodelle sollen dem schwedischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gewerkschaftsstudie: Gesenkte Gastronomie-Mehrwertsteuer bringt Gästen keine Preisvorteile
17.09.2026

Seit Jahresbeginn gilt für Restaurantspeisen der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Trotzdem verzeichnen Verbraucher...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Industrie: Fertigungssektor verzeichnet historischen Höchststand bei Auftragsreserven
17.09.2026

Der krisenerschütterte Industriesektor blickt dank prall gefüllter Orderbücher optimistischer auf eine mögliche Überwindung der...