Politik

Staaten erhalten von Biontech 570 Millionen Corona-Impfdosen

Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech hat nach eigenen Angaben bereits Liefervereinbarungen für insgesamt 570 Millionen Dosen seines Corona-Impfstoffs geschlossen. Der Preis für den Impfstoff soll unterhalb üblicher Marktpreise liegen.
10.11.2020 16:29
Aktualisiert: 10.11.2020 16:29
Lesezeit: 2 min
Staaten erhalten von Biontech 570 Millionen Corona-Impfdosen
Endlich klingelt bei Biontech die Kasse. (Foto: dpa) Foto: Andreas Arnold

Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech hat nach eigenen Angaben mit seinem US-Partner Pfizer Liefervereinbarungen mit mehreren Ländern und der EU für insgesamt 570 Millionen Dosen seines Corona-Impfstoffs für dieses und das nächste Jahr geschlossen. Darüber hinaus gebe es Kaufoptionen für weitere 600 Millionen Dosen, teilte Biontech am Dienstag mit.

Alle Vereinbarungen sind den Angaben zufolge abhängig vom klinischen Erfolg und der Zulassung. Das Unternehmen hatte zuvor ermutigende Zwischenergebnisse zur Wirksamkeit seines Corona-Impfstoffs vorgelegt und angekündigt, voraussichtlich schon ab der kommenden Woche mit Pfizer die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA zu beantragen.

Neben der EU gibt es laut Biontech auch Liefervereinbarungen unter anderem mit den USA, Kanada und Japan. Biontech-Vorstandschef und -Mitgründer Ugur Sahin sprach am Dienstag mit Blick auf das am Montag präsentierte Zwischenergebnis einer 90-prozentigen Wirksamkeit des Impfstoffs von einem «Wendepunkt, sowohl für unser Unternehmen als auch für die Innovation in der Wissenschaft. Diese Daten bringen uns einer möglichen Lösung für die aktuelle globale Pandemie einen Schritt näher.»

Auf der Grundlage von Lieferprognosen geht Biontech davon aus, dass in diesem Jahr weltweit bis zu 50 Millionen Impfstoffdosen geliefert und im nächsten Jahr bis zu 1,3 Milliarden Dosen hergestellt werden. Eine wichtige Rolle bei der Herstellung soll die Produktionsanlage im hessischen Marburg spielen. Die Übernahme des Werks von dem Schweizer Pharmariesen Novartis wurde laut Biontech im Oktober abgeschlossen.

Preis für Corona-Impfstoff unterhalb üblicher Marktpreise

Das Mainzer Biotechunternehmen BioNTech will seinen Corona-Impfstoff unterhalb der üblichen Marktpreise verkaufen. Der Preis des Impfstoffs werde dennoch die finanziellen Risiken widerspiegeln, die seine privaten Investoren eingegangen seien, sagte BioNTech-Strategiechef Ryan Richardson am Dienstag bei einer Online-Veranstaltung der "Financial Times".

"Wir haben versucht, einen ausgewogenen Ansatz zu verfolgen, der anerkennt, dass Innovation Kapital und Investitionen erfordert." Der Impfstoff solle deutlich unter den typischen Marktpreisen bewertet werden, "die die Situation widerspiegeln, in der wir uns befinden, und mit dem Ziel, einen breiten Zugang weltweit zu gewährleisten." In den Ländern werde es voraussichtlich verschiedene Preise geben, ergänzte Richardson, ohne weitere Details zu nennen.

BioNTech und sein US-Partner Pfizer hatten am Montag einen Erfolg in der entscheidenden Studie mit ihrem Corona-Impfstoff verkündet. Demnach bot die Impfung einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19. BioNTech und Pfizer sind damit die weltweit ersten Unternehmen, die erfolgreiche Daten aus der zulassungsrelevanten Studie mit einem Corona-Impfstoff vorgelegt haben. Das Duo will noch in diesem Monat eine Notfallgenehmigung in den USA beantragen.

Im Juli hatte Pfizer mit der US-Regierung die Lieferung von 100 Millionen Dosen seines Corona-Impfstoffes zu einem Preis von 39 Dollar für eine Immunisierung mit zwei Dosen vereinbart. Für weitere 500 Millionen Dosen solle ein separater Preis verhandelt werden.

Verlust in dritten Quartal steigt deutlich an

BioNTech erhielt für die Entwicklung des Impfstoffes von europäischer und deutscher Seite Subventionen und Finanzierungen im Volumen von fast einer halben Milliarde Euro. Das sei wenig im Vergleich zu anderen Forschungsfirmen, sagte Richard Hatchett, Chef der internationalen Impfstoff-Initiative Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) auf der "Financial Times"-Veranstaltung.

BioNTechs Strategiechef Richardson machte deutlich, der Preis für den Impfstoff müsse daher auch die Risiken widerspiegeln, die private Investoren eingegangen seien. "Wir sind ein erhebliches finanzielles Risiko eingegangen. Wir haben Kapital am Kapitalmarkt aufgenommen."

Im dritten Quartal weiteten die Mainzer ihre Verluste wegen deutlich gestiegener Forschungs- und Entwicklungskosten aus. Unter dem Strich stand ein Minus von 210 Millionen Euro nach einem Verlust von 30 Millionen vor Jahresfrist. Kumuliert ergab sich in den ersten neun Monaten ein Fehlbetrag von 352 Millionen Euro. Für Forschung und Entwicklung gab BioNTech von Juli bis September knapp 230 Millionen Euro aus, das waren 180 Millionen Euro mehr als im selben Zeitraum 2019.

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