Finanzen

Europas größte Bank verstärkt ihre Präsenz in Asien beträchtlich

Die britische HSBC baut ihr Standbein in Asien deutlich auf Kosten ihrer Präsenz im Westen aus.
22.02.2021 16:18
Lesezeit: 2 min

Europas größte Bank, die Hongkong & Shanghai Banking Corporation (HSBC), zieht sich einem Insider zufolge aus dem Privatkundengeschäft in den USA zurück und verstärkt dafür ihre Operationen in Asien beträchtlich. Vorstandschef Noel Quinn werde die Pläne am Dienstag bei der Verkündung der neuen Konzernstrategie vorstellen, sagte eine mit der Sache vertraute, namentlich nicht genannte, Person der Nachrichtenagentur Reuters am Montag.

Die noch bestehenden 150 Filialen in den USA sollten verkauft oder geschlossen werden. Erst kürzlich hatte HSBC 80 Zweigstellen dort aufgegeben. Im US-Privatkundengeschäft kommt das vor allem in Europa und Asien aktive Geldhaus schon länger nicht mehr gegen die Konkurrenz der dort heimischen Banken an.

Hinwendung nach Asien

Investoren gehen davon aus, dass Quinn mit der neuen Strategie die Kosten weiter senken und das Geschäft im Nahen Osten und insbesondere in Asien ausbauen will. Die Financial Times berichtet, dass drei Top-Manager aus London nach Hongkong verlegt werden. Dabei soll es sich Informationen der Zeitung zufolge um den Vize-Vorstand des Bereichs Global Banking & Markets, Greg Guyett, um Nuno Matos – Chef des Bereichs Wealth & Personal Banking – sowie um Barry O’Byrne, den Vorstand des Bereichs Global Commercial Banking handeln.

Sollte diese personelle Rochade zugunsten Hongkongs, welche noch der notwendigen regulatorischen Freigaben bedarf, realisiert werden, dann würden praktisch sämtliche umsatz- und gewinnbringenden Geschäftsfelder künftig von Hongkong aus geleitet – und nicht mehr vom Sitz der Gesellschaft in London aus.

Die strategisch angelegte Umstrukturierung im Konzern dient dem Ziel, vom wirtschaftlichen Aufstieg der Region Ostasien besser als bislang zu profitieren. „Das Ziel besteht darin, mehr Leute in Asien zu haben, um die geschäftlichen Chancen dort wahrzunehmen“, zitiert die FT einen erfahrenen Manager der Bank. Zudem seien die Wachstumsmöglichkeiten in der Region höher als anderswo und es sei deshalb angemessen, über eine „kritische Masse an global agierenden Führungskräften“ dort zu verfügen.

Die Aufwertung des traditionellen Standorts Hongkong – wo die Bank im Jahr 1865 gegründet wurde – dient der besseren Anbahnung von Geschäften mit China, als dessen „Tor zur Welt“ die Sonderverwaltungszone seit vielen Jahrzehnten gilt. Die Hongkonger Börse hatte Anfang des laufenden Jahres die London Stock Exchange gemessen am zirkulierenden Handelsvolumen abgehängt, was von Kommentatoren in erster Linie auf einen massiven Zustrom von Kapital aus China zurückgeführt wurde.

Darüber hinaus will die Bank auch in anderen schnell wachsenden Volkswirtschaften der Region expandieren – etwa im Handelszentrum Singapur oder in Indien. Bereits vor einem Jahr gab die HSBC bekannt, dass Asien eine wichtigere Funktion im Konzern zukommen solle. Die Planungen wurden damals mit der angekündigten Verlagerung von Vermögenswerten und Geschäftsbereichen im Gesamtumfang von etwa 100 Milliarden US-Dollar untermauert. „Die wirtschaftlichen Realitäten verlangen von uns, dass wir das, was wir im Februar 2020 geplant haben, jetzt mit noch größerer Eile durchführen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der HSBC, Mark Tucker, vor einigen Wochen. Die Bank müsse bei der „Geschwindigkeit, der Intensität und auch bei den Resultaten“ in die Gänge kommen.

Zudem deutet auch die am Montag bekannt gemachte Berufung des Top-Managers Stephen Moss zum Leiter der Region Naher Osten, Türkei und Nordafrika auf eine Verstärkung der Aktivitäten dort hin.

HSBC-Chef Quinn hatte vor rund einem Jahr die Verkleinerung des Investmentbankings angekündigt. Außerdem wollte er die Regionen USA und Europa anders aufstellen und bis 2023 rund 35.000 Arbeitsplätze streichen. Anleger erhoffen sich nun weitere Details - zudem wird nicht ausgeschlossen, dass es weitere Jobverluste gibt. HSBC beschäftigt weltweit rund 235.000 Mitarbeiter. HSBC will am Dienstag auch die Ergebnisse des vergangenen Jahres vorlegen. Bereits im dritten Quartal hat das Institut die Belastungen der Corona-Krise zu spüren bekommen. Analysten erwarten einen Einbruch des Vorsteuergewinns um 38 Prozent auf 8,3 Milliarden Dollar.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte: Nasdaq und S&P 500 sacken ab, während Inflationssorgen steigen
14.10.2026

Welche Entwicklungen die Märkte jetzt erschüttern und wo sich überraschende Chancen auftun.

DWN
Politik
Politik Wie gewinnt man den nächsten Krieg? Ex-US-Verteidigungsminister Austin erläutert in Warschau die NATO-Strategie
14.10.2026

Der pensionierte General Lloyd Austin, der unter Präsident Joe Biden US-Verteidigungsminister war, hat beim Warsaw Security Forum die...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Nach US-Inflationsschub blicken Anleger auf die Fed
14.10.2026

Der Goldpreis tendiert am Mittwochnachmittag in der Verlustzone, weil höhere US-Verbraucherpreise die Hoffnung auf eine Zinssenkung...

DWN
Politik
Politik Trumps Vereinbarung mit Putin dreht sich um weit mehr als Diesel
14.10.2026

Donald Trumps Diesel-Abkommen mit Wladimir Putin wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: US-Gesetze begrenzen russische...

DWN
Technologie
Technologie Starlink in der Ukraine: Streit um neue Geschwindigkeitsgrenze
14.10.2026

In der Ukraine wächst der Ärger über eine offenbar neue Einschränkung beim Satelliteninternet Starlink. Nach Angaben aus dem Umfeld von...

DWN
Politik
Politik Zuckersteuer beschlossen: Kabinett bringt Extra-Steuer auf den Weg
14.10.2026

Zwischendurch hatte das Kanzleramt sie gestoppt, das Finanzministerium musste nacharbeiten - jetzt ist die Zuckersteuer in der...

DWN
Politik
Politik Grüngasquote für private Haushalte ab 2028 sorgt für Kritik
14.10.2026

Die schwarz-rote Koalition hatte sich bei der Einigung auf das neue Gebäudemodernisierungsgesetz - als Nachfolger des...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose: Warum die nächsten Tage alles verändern könnten
14.10.2026

Bitcoin steht vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Nach massiven Kapitalabflüssen aus Bitcoin-ETFs und einem Kursrutsch auf nahezu...