Wirtschaft

Raps so teuer wie nie zuvor

Die Preise für Raps sind auf ein Rekordhoch gestiegen. An den Märkten machen sich Knappheitsängste breit.
06.05.2021 13:00
Aktualisiert: 06.05.2021 13:33
Lesezeit: 2 min

Die Nahrungsmittel-Rally an den Rohstoffmärkten scheint unaufhaltsam zu sein. Nun wurde auch Raps von einer explosiven Aufwärtsbewegung erfasst. Zwischenzeitlich lagen die Future-Kontrakte an der „Euronext“-Börse bei über 600 Euro je Tonne und damit so hoch wie nie zuvor. Nach einer Korrektur notiert der August-Kontrakt aktuell bei rund 530 Euro – was immer noch 46 Prozent höher ist als zu Jahresbeginn.

An den Märkten schienen noch vor wenigen Tagen Knappheitsängste zu dominieren. Die Lieferkontrakte für August lagen temporär um bis zu 50 Prozent höher als die alten Kontrakte, die im Mai ausgelaufen waren. Eine solch drastische Preisbewegung ist im Normalfall ein Indikator für eine extreme Knappheit. Schon im März war von geringen Lagerbeständen und einem möglicherweise lange anhaltenden Angebotsdefizit die Rede.

Dauer-Knappheit bei Raps?

Die Produktionsmenge war zuletzt deutlich geringer als üblich. Der kalte Frühling setzte den europäischen Rapsbauern, die allen voran in der Ukraine prominent vertreten sind, stark zu und auch in Kanada – dem weltweit wichtigsten Exporteur von Raps-Erzeugnissen – fiel die letzte Ernte ungewöhnlich niedrig aus. Die nächste große Erntesaison ist derweil mehrere Monate entfernt und soll laut aktuellen Prognosen ebenfalls schwächer ausfallen als in den Vorjahren. Es besteht also durchaus noch das Potential für weitere Preisexplosionen.

Die Läger in Kanada scheinen nahezu leer zu sein, wie das Fachportal „agrarheute“ unter Berufung auf Analysten-Berichte vermeldet, denen zufolge im April zwei Lieferungen mit ukrainischem Raps an kanadische Zwischenhändler verkauft wurden – ein seltenes Ereignis an den Rapsmärkten. Weltweit kumuliert sieht es nicht viel besser aus. Nach Berechnungen der US-Landwirtschaftsbehörde „USDA“ haben sich die globalen Rapsbestände innerhalb von nur zwei Jahren fast halbiert.

Demgegenüber war die Nachfrage ungebrochen. Insbesondere Chinas Schweinefarmer benötigen große Mengen an Futtergetreide, Ölsaaten und Pflanzenöle und tragen damit wesentlich zu den derzeit beobachtbaren Preissteigerungen an diesen Märkten bei. Neben seiner Verwendung als Futtermittel findet Rapsöl noch Verwendung als Speiseöl und Bio-Kraftstoff.

Terminkurve deutet auf Entspannung hin

Stand jetzt hat sich die Situation offenbar etwas entspannt. Die Markteilnehmer rechnen im Schnitt mit sinkenden Preisen in der Zukunft, was sich an der leicht fallenden Terminkurve an internationalen Terminmärkten wie der Euronext bemerkbar macht.

In naher Zukunft wird sich am hohen Preisniveau aber wohl erstmal nichts ändern. „Getrieben vom Anstieg der Preise für [die Konkurrenzprodukte, Anm. d. Red.] Soja- und Palmöl und der Tatsache, dass die globalen Lagerbestände von Ölen und Fetten ebenfalls niedrig sind, ist zu erwarten, dass der Preisauftrieb bei Rapsöl erhalten bleibt“, so ein von Reuters zitierter Rohstoff-Analyst.

Steht ein neuer Superzyklus für Nahrungsmittel und Rohstoffe bevor?

Die explosiven Entwicklungen am Rapsmarkt passen zum generellen Trend an den Nahrungsmittel- und Rohstoffmärkten. Diese befinden sich seit einigen Monaten im Aufschwung. Es könnte sich hier um den Beginn eines neuen Boom-Zyklus von Rohstoffen handeln, was auch in Bezug auf zukünftige Inflationsraten hochrelevant ist.

Weiterlesen:

Preise von Industrie-Metallen und Grundnahrungsmitteln kennen nur noch eine Richtung – nach oben

Neuer Rohstoff-Boom: „Superzyklus“ in Sicht

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft 39 Billionen Dollar Schulden: Amerikas größter Gläubiger heißt Amerika
23.05.2026

Die USA häufen alle drei Monate eine Billion US-Dollar Schulden an und zahlen inzwischen mehr als eine Billion Dollar Zinsen pro Jahr. Wer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fußball-WM 2026: Sporthändler hoffen auf Umsatzboom durch Trikotverkäufe – ist das realistisch?
23.05.2026

Fußball-WM als Umsatzmotor? Die Sporthändler setzen auf Fans, die nicht nur zum Public Viewing, sondern auch in die Geschäfte kommen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Netzplan im Projektmanagement: Wie Unternehmen ihre Projekte planbar machen
23.05.2026

Der Netzplan macht im Projektmanagement sichtbar, was Bauchgefühl übersieht. Warum die Netzplantechnik 2026 wieder Konjunktur hat – und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Cupra Terramar im Test: Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens ist nur noch Erinnerung
23.05.2026

Der Cupra Terramar will nicht brav sein. Er kombiniert SUV-Format, Premium-Gefühl und sportliche Optik mit einem Benziner, der mehr kann,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hohe Ölpreise: IEA erwartet neuen Wachstumsschub für Elektroautos
23.05.2026

Elektroautos verkaufen sich weltweit so stark wie nie zuvor. Hohe Energiepreise und die Krise im Nahen Osten könnten diesen Trend...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ökonomen ratlos: Stehen wir vor einer großen Weltwirtschaftskrise?
23.05.2026

Pessimisten warnen vor Stagflation, Optimisten vertrauen auf KI und starke Unternehmen. Die Wahrheit über die Weltwirtschaft könnte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DreiMeister-Insolvenz: Traditionsreicher Schokoladenproduzent unter Druck – 150 Jobs bedroht
22.05.2026

Mit der DreiMeister-Insolvenz gerät ein bekannter deutscher Pralinenhersteller in schwere Turbulenzen. Trotz internationaler Kunden und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: S&P verzeichnet längste Gewinnserie seit 2023
22.05.2026

Was die Märkte antreibt und welche entscheidenden Signale Anleger jetzt im Blick behalten sollten