Wirtschaft

Lieferketten unter Druck: Container-Frachter stauen sich an wichtigen Häfen Südchinas und der USA

Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus beeinträchtigen wichtige Häfen in Südchina und an der amerikanischen Westküste. Die weltweiten Lieferketten bleiben weiter stark angespannt.
14.06.2021 12:00
Aktualisiert: 14.06.2021 12:25
Lesezeit: 2 min

Wichtige Häfen in der südchinesischen Provinz Guangdong melden deutliche Verzögerungen in der Abwicklung des Warenumschlags und Staus von Containerfrachtern vor der Küste. Grund dafür sind Maßnahmen der Provinzregierung Guangdongs gegen ein lokales Wiederaufflammen des Corona-Virus.

Häfen in Guangdong, darunter Yantian, Schekou, Chiwan und Nanscha, haben diese Woche Mitteilungen herausgegeben, denen zufolge nur noch Frachter mit einer vorangegangenen Buchung im Hafen aufgenommen werden können. Zudem müssen die Buchungen für Export-Aufträge künftig in einem bestimmten Zeitfenster vor Durchführung des Warenumschlags erfolgen.

Auch mehrere große Reedereien haben ihre Kunden in Mitteilungen vor Verspätungen, Änderungen der Hafenanlaufpläne und einzelnen Auftragsausfällen gewarnt.

Ocean Network Express (ONE) teilte am Mittwoch in einer Mitteilung mit, dass der Yantian International Container Terminal in der südchinesischen Sonderwirtschaftszone Schenzhen aufgrund von COVID-bedingten Arbeitsbeschränkungen weiterhin unter seiner Kapazität operiert und dass die Überlastung der Containerterminals in Schekou und Chiwan gestiegen sei, berichtet der englischsprachige Dienst von Reuters.

Die weltweit größte Containerlinie Maersk hatte am vergangenen Donnerstag die Dauer der erwarteten Verspätungen im Hafen von Yantian von 14 Tagen auf 16 Tage erhöht. Angaben von Refinitiv zufolge warteten am vergangenen Freitag mehr als 50 Containerschiffe im Delta des Perlflusses darauf, in Häfen anlegen zu können.

Preise dürften weiter steigen

„Grundsätzlich hatten wir vergangenes Jahr während der Pandemie eine ähnliche Erfahrung gemacht, daher haben wir Erfahrung darin, wie wir reagieren müssen, aber die Steigerung der Transportkosten ist wirklich erstaunlich. Diese gestiegenen Frachtkosten sind Folge der Anstiege bei den Materialkosten, welche bereits um 15 bis 30 Prozent gestiegen sind “, wird ein Vertriebsleiter bei einem Hersteller von Elektronikkabeln in Schenzhen von Reuters zitiert.

Auch die Containerfrachtraten von China nach Europa stiegen vergangene Woche auf einen Rekordwert von 1.037 US-Dollar pro 40-Fuß-Container, verursacht durch Engpässe in der Lieferkette aufgrund einer gestiegenen Nachfrage nach Konsumgütern und Folgewirkungen durch die Blockade des Suez-Kanals.

Die Verteuerung der Frachtraten führt zur Verteuerung der Transportkosten, welche letzten Endes auf die Preise für die Endkunden aufgeschlagen werden dürften. China meldete vergangene Woche den höchsten Anstieg von Produzentenpreisen seit 12 Jahren – ebenso wie Deutschland und die USA hohe Großhandels- beziehungsweise Verbraucherpreise vermeldeten.

Staus an der US-Westküste

Auch an wichtigen Häfen der amerikanischen Westküste stauen sich Containerfrachter. Der Hafen von Los Angeles gab Ende Mai bekannt, dass Frachter im Durchschnitt mit mehr als 6 Tagen Wartezeit rechnen müssten – normalerweise liegt dieser Wert um diese Jahreszeit bei weniger als einem Tag. Auch vor anderen wichtigen Häfen wie Long Beach und Oakland warten jederzeit zwischen 10 und 20 Schiffe.

Das Magazin Market Intel berichtet:

„Los Angeles und sein Schwesterhafen Long Beach sind die beiden verkehrsreichsten Häfen in Amerika. Zusammen mit Oakland sind diese drei kalifornischen Seehäfen die wichtigsten Häfen für den Containerhandel mit asiatischen Märkten. (…) Erhöhte Importe und Exporte haben sowohl auf der Wasserseite als auch an Land zu erheblichen Staus geführt, da sich die Häfen mit zusätzlichen Containern füllten. Um Staus zu vermeiden und Container möglichst schnell nach Asien im Allgemeinen und China im Speziellen zurückzubringen, damit dort sie wieder mit Importgütern für die USA befüllt werden können, hat die Verschiffung von leeren Containern aus diesen drei Häfen zugenommen. Einige halten es für effizienter, leere Container zu verschiffen, anstatt auf die Verladung von Exportgütern zu warten, was zu einem deutlichen Rückgang der Anzahl von Containern geführt hat, die landwirtschaftlichen Exporteuren zur Verfügung stehen.“

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Märkte in Aufruhr: Trumps Einfluss und die Risiken in Venezuela treiben XRP zu einem beispiellosen Höhenflug.

Trotz der zunehmenden Spannungen zwischen Washington und Caracas eröffneten US-Aktien leicht im Plus. Der Markt betrachtet die aktuelle...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs steigt auf Rekordhoch: Inflation, Fed-Konflikt und Verfallstag im Fokus
13.01.2026

Der DAX-Kurs bekommt Rückenwind aus den USA und hat ein neues Allzeithoch markiert. Doch zwischen Berichtssaison, Fed-Konflikt und...

DWN
Finanzen
Finanzen Geopolitik treibt die Ölpreise aktuell weiter nach oben – Brent-Öl auf dem höchsten Niveau seit Oktober
13.01.2026

Die Ölpreise stehen erneut im Fokus der Märkte, nachdem geopolitische Spannungen und politische Signale die Notierungen antreiben....

DWN
Politik
Politik US-Handelspolitik: Wie Trumps Zollpolitik die Weltwirtschaft belastet
13.01.2026

Die Weltwirtschaft tritt in eine Phase wachsender Unsicherheit ein, in der politische Eingriffe und strukturelle Verschiebungen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen zwischen Stabilität und Risiko: Ruhige Märkte trotz wachsender Unsicherheiten
13.01.2026

Die US-Börsen sind mit bemerkenswerter Ruhe ins neue Jahr gestartet, obwohl geldpolitische Weichenstellungen, geopolitische Risiken und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Munich Re-Erhebung: Klimawandel lässt Schäden durch Naturkatastrophen steigen
13.01.2026

Extreme Wetterereignisse verursachen weltweit Milliardenschäden, doch nicht jede Katastrophe trifft wie erwartet. Neue Analysen eines...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Zukunft: Der Balanceakt zwischen Wettbewerb, Sicherheit und Nachhaltigkeit
13.01.2026

Die Europäische Union steht vor industriellen Umbrüchen und geopolitischen Verschiebungen. Kann Europa Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quiet-Firing: Wann Sie ein Unternehmen verlassen sollten
13.01.2026

Kündigungen kommen selten überraschend – oft kündigen sie sich leise an. Wer die feinen Veränderungen im Verhalten von Vorgesetzten...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie im Fokus: Absatzdämpfer bei der Volkswagen-Kernmarke
13.01.2026

Sinkende Verkaufszahlen, regionale Unterschiede und ein schwacher Elektroabsatz setzen die Volkswagen-Kernmarke unter Druck. Während...