Politik

Strippenzieher des „Great Reset“ planen eine Verschmelzung von Sozialismus und Kapitalismus

Die Mitglieder des Weltwirtschaftsforums planen im Rahmen ihrer „Great Reset“-Initiative eine Verschmelzung von Kapitalismus und Sozialismus im Sinne des Wohlstands für alle Menschen. Doch Kritiker meinen, dass hinter dem sogenannten „Great Reset“ in Wirklichkeit ein ganz anderer Plan stecke.
30.07.2021 19:18
Aktualisiert: 30.07.2021 19:18
Lesezeit: 4 min
Strippenzieher des „Great Reset“ planen eine Verschmelzung von Sozialismus und Kapitalismus
Ursula von der Leyen (r), Präsidentin der Europäischen Kommission, und Klaus Schwab, Vorsitzender des Weltwirtschaftsforums (WEF), kommen zu einer Plenarsitzung während des Weltwirtschaftsforums (WEF). Das 50. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums findet vom 21. bis 24. Januar 2020 in Davos statt. (Foto: dpa)

Justin Haskins vom „Heartland Institute“ führte vor etwa einem Jahr in einem Beitrag des US-Magazins „The Hill“ aus, dass anlässlich des „Great Reset“ bereits im Juni 2020 eine virtuelle Konferenz des World Economic Forums (WEF) stattgefunden hatte. Haskins wörtlich: „Obwohl viele Details über den Great Reset erst bekannt gegeben werden, wenn das Weltwirtschaftsforum im Januar 2021 in Davos zusammentritt, sind die allgemeinen Grundsätze des Plans klar: Die Welt braucht massive neue Regierungsprogramme und weitreichende Maßnahmen, die mit den Programmen vergleichbar sind, die von amerikanischen Sozialisten wie Bernie Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez in ihrem Green New Deal Plan ausgearbeitet wurden. Oder anders ausgedrückt, wir brauchen eine Form des Sozialismus - ein Wort, das das Weltwirtschaftsforum bewusst vermieden hat, während es unzählige sozialistische und fortschrittliche Pläne fordert.“

Der US-Analyst behauptete damals, dass sich die Welt im Jahr 2021 auf Massenproteste von linken Bewegungen einstellen müsse, die von den Mitgliedern des WEF aktiviert werden sollen. „Natürlich können diese Regierungsbeamten, Aktivisten und Influencer eine systematische Änderung dieser Größe nicht alleine durchsetzen. Aus diesem Grund haben sie bereits begonnen, große Netzwerke linker Aktivisten aus der ganzen Welt zu aktivieren, die im Laufe des Jahres 2021 Änderungen im Einklang mit dem Great Reset fordern werden (…) Laut dem Weltwirtschaftsforum werden auf dem Davoser Gipfel 2021 Tausende Mitglieder der Global Shapers Community, Jugendaktivisten aus 400 Städten auf der ganzen Welt, vertreten sein (…) Das Global Shapers-Programm war an den weit verbreiteten ,Klimastreiks‘ von 2019 beteiligt, und mehr als 1.300 wurden bereits vom Climate Reality Project geschult“, so Haskins. Zu dem Zeitpunkt konnte Haskins nicht wissen, dass das WEF die für das Jahr geplante Konferenz unter dem Motto „Great Reset“ absagen würde. Daraus folgt, dass der Startschuss für die linken Klimaproteste noch nicht gegeben wurde.

Der „Great Reset“ als Mogelpackung?

Eine der führenden Personen, die den „Great Reset“ unterstützt, ist Prinz Charles („Great Reset“-Video von Prinz Charles – Hier). Er hatte im Rahmen des digitalen Treffens des WEF gesagt, dass die Corona-Pandemie „eine goldene Gelegenheit“ sei, um radikale Veränderungen in der Welt durchzusetzen.

Die Kolumnistin Jennifer Oriel führt in einem Beitrag der Zeitung „The Weekend Australian“ aus: „Der Globalismus ist in den Demokratien aus der Mode gekommen, aber seine Befürworter planen eine Comeback-Tour im Januar, bei der sie den Great Reset von der Wiege des reichen und sozialistischen Davos aus starten werden (…) Um grünen Globalismus zu verkaufen, müssen die Menschen glauben, dass es um das Gemeinwohl geht. Arbeiter, von denen erwartet wird, dass sie für den grünen Kapitalismus mit hohen Steuern und schockierenden Energiekosten bezahlen, müssen glauben, dass sie ihn wollen oder brauchen (…) Der Great Reset klingt weniger nach einer Einladung zum Gedeihen als nach einer Post-Corona-Oligarchie, in der Globalisten ihre Arbeitsplätze und ihren Wohlstand auf unsere Kosten sichern.“

Haskins schreibt in einem weiteren Beitrag des konservativen Senders „Fox News“: „Eine radikale Bewegung namens Great Reset, die von einigen Demokraten begrüßt wird, stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Freiheit und die freien Märkte in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt dar. Während der frühere Vizepräsident Joe Biden die Bewegung nicht befürwortet hat, wächst seine Bindung an sie, da er seine langjährigen politischen Ansichten ändert, um die äußerste Linke zu besänftigen. Obwohl er bisher keine breite Beachtung gefunden hat, ist der Great Reset vielleicht die größte Gefahr für den Kapitalismus und die Rechte des Einzelnen seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion.“

Doch die Vertreter der offiziellen „Great Reset“-Initiative behaupten, dass sie im Sinne der Menschen eine neue Wirtschaftsordnung aufbauen möchten. Sie lassen sich den Vorwurf nicht gefallen. „Aus globaler sozialer Sicht wächst die Unzufriedenheit der 99 Prozent. Das Bedürfnis nach sozialer Gerechtigkeit steht im Mittelpunkt, da die Löhne im Vergleich zu Einkommen und Vermögen der ein Prozent nur geringfügig gestiegen sind. Wachsende Arbeitslosigkeit und Arbeitsplatzinstabilität haben Widerstand gegen Einwanderung, Globalisierung und Automatisierung geschaffen. Die Bildung ist nicht nur statisch geblieben und nicht mehr in der Lage, Arbeitnehmer für die soziale Mobilität nach oben auszubilden, sondern auch die Arbeitnehmer sind schlecht auf die weitreichenden Herausforderungen vorbereitet“, so das WEF.

World Economic Forum will Kapitalismus und Sozialismus verschmelzen

Zum Sozialismus-Vorwurf führt das WEF aus: „Erstens ist der langsame Tod des Kapitalismus nicht gleichbedeutend mit einem Wiederaufleben des Kommunismus. Das Umdenken des Kapitalismus oder das ,Zurücksetzen‘ (Reset, Anm.d.Red.) des Kapitalismus, wie der Vorsitzende des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, vorgeschlagen hat, bedeutet jedoch, dass Kapitalismus und Sozialismus zusammengeführt werden müssen, um ein produktives und integratives Wirtschafts- und Sozialmodell zu schaffen. Dank des Kapitalismus ist Reichtum reichlich vorhanden, aber jetzt muss er breiter umverteilt werden, wie es die Sozialisten seit langem gefordert haben. Insbesondere ist es dringend erforderlich, den Reichtum der Finanzmärkte mit der Realwirtschaft zu verbinden.“

Diese Ausführungen sind besonders interessant, weil Schwab und das WEF hier eine Verschmelzung von Kapitalismus und Sozialismus vorschlagen. Bisher standen sich die Vertreter der Realwirtschaft und der reinen Finanzwirtschaft als Kontrahenten gegenüber, was sich auch am Antagonismus zwischen „Main Street“ und „Wall Street“ widerspiegelt.

Ob die Verschmelzung zwischen Kapitalismus und Sozialismus im Rahmen des „Great Reset“ gelingen wird, bleibt abzuwarten. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

+++Diesen Artikel haben wir erstmals am 6. November 2020 publiziert. Auf mehrfachen Wunsch erfolgt heute eine erneute Veröffentlichung+++

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Renteneintritt: Die Babyboomer-Welle trifft den Arbeitsmarkt hart
11.07.2026

Der bevorstehende Rentenboom der Babyboomer-Generation wird die deutsche Wirtschaft weitaus härter treffen als bislang prognostiziert. Zu...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Das Ende der Mitte: Hellweg und das Baumarkt-Sterben
11.07.2026

Die Krise verlässt die Baustellen: Mit Hellweg und den zum Verbund gehörenden BayWa Bau- und Gartenmärkten geraten über 100 Märkte in...

DWN
Finanzen
Finanzen In Luxusuhren investieren: „Ziemlich furchtbar, wenn unter dem Anzug eines Mannes eine riesige Garmin hervorschaut“
11.07.2026

Eine Luxusuhr verbindet Status, Leidenschaft für Uhren und in manchen Fällen auch die Hoffnung, Geld zu vermehren. Erfahrene...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BMW iX3 im Test: Elektrischer SUV mit erstaunlicher Reichweite
11.07.2026

Der neue BMW iX3 50 xDrive verbindet kräftige Fahrleistungen mit einer Reichweite, die im Alltag wirklich überzeugt. Zwei Elektromotoren,...

DWN
Politik
Politik Politik und Gesellschaft: Warum die Geburtenrate in Deutschland weiter sinkt
11.07.2026

Die durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau in Deutschland zur Welt bringt, ist auf den niedrigsten Wert seit rund 30 Jahren...

DWN
Panorama
Panorama Trump verdiente im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde, den größten Teil davon mit Kryptowährungen
11.07.2026

Der Vermögensbericht des US-Präsidenten und des Vizepräsidenten wurde veröffentlicht.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Was passiert, wenn eine Kuh eine Smartwatch bekommt?
11.07.2026

HeroLabs, das slowenische Start-up des Jahres, hat fast sechstausend Kühe mit den MooHero-Smart-Halsbändern ausgestattet; nun...

DWN
Finanzen
Finanzen Schuldenweltmeister Deutschland: Regierung plant noch mehr Schulden - wird die Defizitgrenze gekillt?
10.07.2026

Die Staatsverschuldung wächst unter Bundesfinanzminister Klingbeil rasant und die Regierung hat bisher keinen Plan gegen steigende...