Finanzen

Blackrock gibt Meilenstein im China-Geschäft bekannt

Die von der Regierung forcierte Regulierung schreckt Staatsfonds und Großbanken nicht vor stärkeren Engagements in China ab. Blackrock gab nun einen weiteren Meilenstein bekannt - trotz Warnungen des Großinvestors George Soros.
12.09.2021 09:00
Lesezeit: 3 min

Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock hat umgerechnet eine Milliarde Dollar (6,7 Milliarden Renminbi) für seinen ersten Investmentfonds in China eingesammelt. Der Blackrock-Fonds ist der erste komplett unter Verwaltung eines ausländischen Anbieters stehende Fonds in China. Wie die Financial Times berichtet, habe Blackrock rund 110.000 Investoren für den Fonds interessieren können, das Fundraising wurde bereits eine Woche vor dem angepeilten Ende der Beteiligungsfrist abgeschlossen.

Im Mai erhielt Blackrock zudem die Erlaubnis chinesischer Behörden, zusammen mit dem Singapurischen Staatsfonds Temasek und der China Construction Bank ein eigenes Vermögensverwaltungsgeschäft in China aufzubauen. Ebenfalls im Mai hatte der US-Konkurrent Goldman Sachs bekanntgegeben, zusammen mit der chinesischen Großbank ICBC (Industrial and Commercial Bank of China) eine Vermögensverwaltung in dem Land aufzubauen.

Das verstärkte Engagement von Blackrock und auch Goldman Sachs fällt zeitlich mit Warnungen des Oligarchen George Soros zusammen, welcher vor einigen Tagen vor verstärkten Investitionen in China gewarnt hatte. Hintergrund für Soros' Warnungen ist der Umstand, dass die chinesische Regierung die Regulierung bestimmter Branchen in China zuletzt drastisch verstärkt hatte. Weitere Investitionen in China seien deshalb ein „tragischer Fehler“, schrieb Soros in einem Meinungsstück im Wall Street Journal.

Verstärktes Engagement trotz Regulierungsoffensive

Die Regulierungsoffensive Pekings indes lässt Banken und auch die großen Staatsfonds weitgehend kalt. Sie planen trotz der verschärften Maßnahmen in zahlreichen wirtschaftlichen und politischen Bereichen milliardenhohe Investitionen in der Volksrepublik. Riesige Investmentfonds wie der Staatsfonds Norwegens und Temasek Holdings aus Singapur haben zwar zuletzt chinesische Aktien abgestoßen. Experten sind sich aber sicher, dass das nur vorübergehend ist und die Fondsmanager bald wieder zugreifen.

Zahlreiche Staatsfonds stünden in den Startlöchern, um ihr Engagement in chinesischen Aktien und Fonds auszubauen, sagt Elliot Hentov, Manager beim Fondsanbieter State Street Global Advisors (SSGA). Der regulatorische Vorstoß in der Volksrepublik habe solche Überlegungen sogar beschleunigt, da die Politik dort im Vergleich zu anderen Schwellenländern azyklisch sei. Zudem sei das Vertrauen in Urbanisierung und Konsumwachstum nach wie vor groß und Investoren rechneten damit, dass die Wirtschaft in China mittel- bis langfristig weiter wachse, meint Greg Hyland vom Gewerbeimmobilien-Dienstleister CBRE.

Experten gehen davon aus, dass alleine in festverzinsliche Wertpapiere 130 Milliarden Dollar fließen werden, wenn China in den FTSE World Government Bond Index aufgenommen wird. Aktien und Immobilien stehen ebenfalls hoch im Kurs. Im bisherigen Jahresverlauf haben die Staatsfonds 26 Immobilien-Deals im Wert von 2,8 Milliarden Dollar abgeschlossen. 2020 waren es 28 Deals im Wert von 4,9 Milliarden Dollar, wie die Analysefirma Global SWF zeigt, die Daten von 400 Staatsfonds auswertet.

Peking und die Politik des „Gemeinsamen Wohlstands“

Die chinesische Regierung hatte in den vergangenen Wochen die Vorschriften für mehrere Branchen verschärft. Unter anderem schreibt sie der Videospiel-Branche vor, wie viel Zeit Jugendliche mit Spielen verbringen dürfen. Davon ist etwa der Tech-Konzern Tencent betroffen. Online-Händlern wie Alibaba werden Milliarden-Geldbußen wegen Verstößen gegen Verbraucherrechte aufgebrummt und sie dürfen künftig keine Algorithmen mehr verwenden, um Kaufentscheidungen der Kunden zu beeinflussen. Auch im Showbusiness und der Bildungsbranche hat die Regierung die Zügel angezogen.

Diese Maßnahmen sind eingebettet in die von Peking lancierte Politik des „Gemeinsamen Wohlstands“. Das Generationenprojekt zielt darauf ab, den in den vergangenen Jahrzehnten generierten Wohlstand gleichmäßiger im Volk zu verteilen, um die soziale Stabilität zu stärken. Ergänzt werden einzelne Maßnahmen wie etwa eine Begrenzung der Mieten von speziellen Fonds, welche Anstrengungen im Bereich der Altersvorsorge oder der Sozialversicherungen finanzieren sollen und die nicht zuletzt auch von erfolgreichen Großkonzernen wie Alibaba getragen werden.

Die Staatsfonds schauen sich die Entwicklung zwar an, da ihre Anlagestrategien in der Regel sehr langfristig seien, ließen sie sich davon nicht beunruhigen, sagt Winston Ma, Ex-Geschäftsführer von Pekings eigenem Staatsfonds China Investment Corp. "Langfristige Investoren wie Staatsfonds werden ihr Engagement bei der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nicht über Nacht auf Null senken. So taktisch gehen sie nicht vor."

Die strengere Regulierung ist nach Einschätzung von Fachleuten für die Staatsfonds vielmehr wegen des Trend-Themas Nachhaltigkeit interessant. Immer mehr Anleger und Investmentfirmen legen wert darauf, dass Umweltthemen (Environment), Soziales (Social) und gute Unternehmensführung (Corporate Governance) eingehalten werden. "Die strikteren Vorschriften könnten deshalb positiv sein für die Staatsfonds", sagt Rod Ringrow, der beim Asset Manager Invesco für institutionelle Kunden zuständig ist.

Strategie der Öffnung soll beibehalten werden

China sagt ausländischen Investoren trotz der Regulierungsmaßnahmen eine weitere Öffnung der Kapitalmärkte zu. Öffnung und Zusammenarbeit seien die unvermeidlichen Trends bei der Entwicklung der globalen Kapitalmärkte, sagte der Chef der chinesischen Wertpapieraufsichtsbehörde (CSRC), Yi Huuiman, auf einer vom internationalen Verband der Börsen organisierten Konferenz. Angestrebt werde auch eine pragmatische grenzüberschreitende Kooperation zur Regulierung von chinesischen Unternehmen, die im Ausland börsennotiert sind.

Globale Finanzzentren sollten die grenzüberschreitende Finanzierung erleichtern, "anstatt zu Plattformen und Instrumenten zu werden, die Regierungen nutzen, um andere Länder zu sanktionieren", sagte Yi in einer auf der CSRC-Internetseite veröffentlichten Rede. Sein Stellvertreter hatte bereits am Wochenende ähnliche Zusagen gemacht und zugleich Verbesserungen bei den Börsenzulassungsregeln für ausländische Unternehmen in China sowie für chinesische Konzerne im Ausland in Aussicht gestellt. Zudem solle der Status Hongkongs als globales Finanzzentrum geschützt werden.

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