Deutschland

Antifa-Kämpfer greifen Corona-Demonstranten an, schlagen 65-Jährigen fast tot: Mehrjährige Haftstrafen

Das Stuttgarter Landgericht hat zwei Antifa-Kämpfer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
16.10.2021 18:24
Lesezeit: 2 min
Antifa-Kämpfer greifen Corona-Demonstranten an, schlagen 65-Jährigen fast tot: Mehrjährige Haftstrafen
Mitglieder der Antifa. (Foto: dpa) Foto: Jan Woitas

Mehrjährige Haftstrafen für zwei Antifa-Kämpfer: Das Landgericht Stuttgart hat zwei Mitglieder der Antifa zu Haftstrafen von fünfeinhalb und viereinhalb Jahren verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Diyar A. und Joel P. im Mai letzten Jahres bei einem Angriff auf eine Gruppe Demonstranten beteiligt waren. Dabei wurden drei Männer zusammengeschlagen, von denen zwei aller Voraussicht nach bleibende Schäden davontragen werden. Richter Johannes Steinbach sprach von „ideologischer Verblendung“ und „hoher krimineller Energie“. Die Verurteilung erfolgte letztlich wegen gefährlicher und schwerer Körperverletzung sowie schweren Landfriedensbruchs.

Rückblick: Am 16. Mai ist eine Gruppe von Männern auf dem Cannstatter Wasen (ein Gelände am Stuttgarter Neckar-Ufer) zu einer Demonstration gegen die Anti-Corona-Maßnahmen unterwegs. Die Männer gehören dem AfD-nahen Verein „Zentrum Automobil“ an, der seit 2010 an den Betriebsratswahlen von Daimler teilnimmt und an einer ganzen Reihe von Standorten Betriebsräte stellt. Die Gruppe wird von einer zahlenmäßig überlegenen, mit Flaschen und Reizgas ausgestatteten und vermummten Gruppe von 20 bis 40 Antifa-Mitgliedern attackiert, wobei das Gericht von einer „fast militärischen Formation“ der Angreifer spricht. Einigen der Überfallenen gelingt die Flucht, die anderen werden zu Boden geschlagen und mit Tritten malträtiert. Einige davon seien laut Steinbach sogenannte „Stampftritte“ gewesen, wie sie im Karate üblich sind, und die – wenn sie gegen den Kopf gerichtet sind – leicht zu tödlichen Verletzungen führen können. Zeugen, die die Angreifer entsetzt bitten, nicht weiter auf die schwer verletzten Opfer einzuschlagen, werden mit den Worten: „Das waren doch nur Nazis“, abgefertigt.

Einer der Geschädigten erlitt einen Schädelbasisbruch, lag mehrere Wochen im Koma und wird voraussichtlich für den Rest seines Lebens unter kognitiven Problemen leiden. Ein anderer ist auf einem Auge fast blind.

Diyar A. ist als Kämpfer für die kurdische Unabhängigkeit den Behörden in Deutschland schon lange bekannt, nennt mehrere Vorstrafen sein Eigen und befand sich darüber hinaus zur Tatzeit auf Bewährung. Er verzichtete auf ein Schlussplädoyer. Joel P. dagegen las einen vorbereiteten Text vor, in dem er den Angriff aus politischen Gründen rechtfertigte, Solidarität für sich und sein Tun einforderte und vom Klassenkampf schwadronierte.

Solidarität: Die erhielten die beiden Täter tatsächlich. In Nähe des Gerichtsgebäudes hatten sich schwarz gekleidete Vermummte postiert, die rote Transparente hochhielten, auf denen stand: „Nazis angreifen ist legitim. Freiheit für Jo“. Die Stuttgarter Antifa hatte einen – mittlerweile nicht mehr auffindbaren – Text in Netz gestellt, in dem von einer „handfesten antifaschistischen Intervention“ gesprochen wurde. Auf dem linksradikalen Portal „Indymedia“ finden sich eine Reihe von Texten, in dem unter anderem steht: „Wir lassen uns nicht vorschreiben, welche Mittel wir in unserem antifaschistischen Kampf nutzen. … Die Bullen und dieser Staat mögen oft unbezwingbar erscheinen, sie sind aber angreifbar und wenn sie zwei von uns angreifen, dann wehren wir uns alle!“ Weiter wird der Angriff als „körperliche Auseinandersetzung“ verharmlost und allgemein damit gedroht, „den Kampf, mit allen Mitteln, die wir als notwendig erachten“, weiterzuführen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Politik
Politik Klimapolitik: Zehn Jahre Pariser Klimaabkommen – "unbeherrschbare Zukunft"
07.11.2026

Eigentlich gibt es einen Plan, um die Krise in den Griff zu bekommen: das Pariser Klimaabkommen, das nun seit zehn Jahren in Kraft ist....

DWN
Finanzen
Finanzen Brutale Woche für Tech-Branche endet mit kurzer Verschnaufpause, doch KI-Zweifel bleiben
06.11.2026

Erfahren Sie, wie Schnäppchenjäger die Märkte kurzzeitig stabilisieren und welche unberechenbaren Risiken die Börsen weiterhin bedrohen.

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
06.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Politik
Politik Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier: Union und SPD für Ilse Aigner als Bundespräsidentin
06.11.2026

Ein Versorgungsposten zwischen den Unionsparteien und der SPD? Es herrscht anscheinend Einigung zwischen Union und SPD, dass Aigner...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt West Transport: Mit 22 Lastwagen gegen die Krise der Transportbranche
06.11.2026

Die Transportbranche kämpft mit steigenden Kosten, Fahrermangel und wachsendem Wettbewerbsdruck. Doch ein kleines Familienunternehmen aus...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold vs. Bitcoin: Welcher Vermögenswert schützt in der Krise?
06.11.2026

Ende August bewegten sich Bitcoin und Gold so stark im Gleichlauf wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Dr. André Dragosch, Head of...

DWN
Politik
Politik Arbeitslosenversicherung: Milliardenloch steigt und immer mehr Arbeitslose: Kommen höhere Beiträge?
06.11.2026

Im Oktober gibt es knapp drei Millionen Menschen, die arbeitslos gemeldet sind. Die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung gerät...

DWN
Technologie
Technologie Der größte Kryptowährungsdiebstahl der Geschichte begann mit einem gefälschten Vorstellungsgespräch
06.11.2026

Ein vermeintliches Vorstellungsgespräch, manipulierte Software und ein internes KI-System wurden der Kryptobörse Binance zum Verhängnis....