Finanzen

Goldmarkt: Analysten vermuten große Preis-Manipulation mit Derivaten

Einigen Analysten zufolge ist ein signifikanter Teil der Gold- und Silberderivate, die durch Investmentbanken verkauft werden, oftmals nicht physisch gedeckt. Besonders in der aktuellen Phase sollen die Edelmetallpreise manipuliert sein.
20.01.2022 13:42
Aktualisiert: 20.01.2022 13:42
Lesezeit: 2 min
Goldmarkt: Analysten vermuten große Preis-Manipulation mit Derivaten
Goldbarren in unterschiedlicher Größe liegen bei einem Goldhändler in einem Tresor. (Foto: dpa) Foto: Sven Hoppe

Auf den Märkten für Edelmetall-Derivate herrscht eine gewisse Unsicherheit. Es mehreren sich Stimmen, wonach der Markt insbesondere in der aktuellen Phase manipuliert sein soll. Doch sind diese Befürchtungen begründet?

Im September 2020 stimmte die US-Investmentbank JP Morgan einer Zahlung von 920 Millionen Dollar in einem Vergleich und einem Schuldeingeständnis für die als „Spoofing“ bekannte illegale Praxis zu – das Überschwemmen der Märkte für Edelmetallderivate mit Aufträgen, die Händler nicht auszuführen beabsichtigen, um andere dazu zu bringen, die Preise in eine gewünschte Richtung zu bewegen, so das Magazin „Fortune“.

Im Jahr 2018 wies ein US-Gericht Kartellklagen gegen fünf große Banken – Bank of America, Barclays, BNP Paribas, Standard Chartered und UBS – zurück. Dabei ging es um mehrjährige Verschwörungen, um Preise für Transaktionen im globalen Edelmetallmarkt im Wert von Hunderten Milliarden Dollar zu manipulieren. Es lagen zwar starke Beweise vor, doch das Gericht urteilte zugunsten der Banken, berichtet der englischsprachige Dienst von „Reuters“.

Im Jahr 2016 erklärte sich die Deutsche Bank bereit, 38 Millionen US -Dollar für die Beilegung von Silberpreisabsprachen zu zahlen, was als ein Eingeständnis von Fehlverhalten angesehen wurde, führt der „Business Insider“ aus.

Doch offenbar fanden Manipulationen auf den Edelmetallmärkten nicht nur in der Vergangenheit statt.

Das Gold Anti-Trust Action Committee (GATA) ist eine der wichtigsten Stimmen, die Rechenschaftspflicht und Transparenz in der gesamten Edelmetallbranche fordert. Der Vorsitzende von GATA, Bill Murphy, sagte im August 2021 gegenüber „LODEpay Media“, dass die Situation jetzt schlimmer denn je sei.

„Es hat in der Geschichte noch nichts Vergleichbares gegeben“, sagte er und nannte den aktuellen Zustand des Edelmetallmarktes ein „komplett orchestriertes Fiasko“.

In einem Artikel für „Sprott Money“ behauptet der Marktanalyst David Brady, dass „Bullion Banks“ den Edelmetallmarkt mindestens viermal nach unten manipuliert haben, motiviert durch ihre bedeutenden Short-Positionen. Die „Überfälle“ finden statt, weil die Banken „verzweifelt aus ihren riesigen Short-Positionen herauskommen wollen, weil sie wissen, dass sich etwas zusammenbraut, das Edelmetalle in die Höhe treiben wird“.

Der Analyst David Morgan betrachtet das Thema Manipulation aus einem anderen Blickwinkel und sagt, es sei wichtig, über den Lärm dieser Schlagzeilen hinaus auf die wahre Geschichte zu blicken: dass Banken unwissenden Anlegern die Aufbewahrung von Silber in Rechnung stellen, das physisch nicht existiert.

Beispielsweise zahlte Morgan Stanley im Jahr 2007 4,4 Millionen US -Dollar für die Beilegung einer Sammelklage, in der behauptet wurde, die Investmentbank habe Kunden mitgeteilt, dass sie ihnen Edelmetalle verkaufe, die sie vollständig besitzen würden und die das Unternehmen lagern würde, obwohl sie nahezu überhaupt keine Investitionen in diese Richtung gemacht haben, so der englischsprachige Dienst von „Reuters“ in einem Spezialbericht.

In einer typisch ausweichenden Antwort erklärte Morgan Stanley: „Obwohl wir die Anschuldigungen bestreiten, haben wir den Fall beigelegt, um die Kosten und die Ablenkung durch fortgesetzte Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden.“

In einem anderen aufschlussreichen Beispiel kaufte der Edelmetall-Investor Laurin Ramsey 1984 10 Stück 100-Unzen-Reinsilberbarren von der Schweizer Bank UBS. Seitdem hatte er 25 Dollar pro Monat für Lagergebühren bezahlt, bis er bei der Bank nachfragte, ob er stattdessen das Silber entgegennehmen könnte. Diese Bitte wurde abgelehnt. 2011 reichte Ramsey eine Klage gegen UBS Financial Services einzureichen, mit der Begründung, dass „UBS das Silber nie gekauft oder gelagert und dann illegal Lagergebühren für das Phantomsilber erhoben hatte“, so „Coinweek“.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Handy-Sicherheit im Unternehmen: Ein verlorenes Smartphone kann alles lahmlegen
12.10.2026

Ein verlorenes Smartphone wirkt zunächst wie ein überschaubares Problem. Doch auf dem Gerät liegen längst E-Mails, Zugänge,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ryanair-Aktie: Airline ändert Check-in-Regeln und verkürzt Zeit für die Gepäckaufgabe
12.10.2026

Ryanair-Passagiere müssen aufgegebenes Gepäck am Flughafen künftig früher abgeben. Die Fluggesellschaft verkürzt die Öffnungszeiten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Plus 20 Prozent: Briefporto könnte stärker steigen als jemals zuvor
12.10.2026

Das Briefporto könnte in Deutschland so stark steigen wie noch nie. Die Bundesnetzagentur hat einen neuen Preisspielraum vorgeschlagen,...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie steigt trotz sinkender Verkäufe: Was den Anlegern und dem Konzern Hoffnung gibt
12.10.2026

Volkswagen verkauft deutlich weniger Autos, doch die VW-Aktie legt zu. Vor allem China belastet den Konzern, während sich in Europa ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Porsche Cayenne Elektro im Test: Dieser Luxus-SUV sprengt die Leistungsgrenzen
12.10.2026

1.156 PS, null auf 100 Kilometer pro Stunde in 2,5 Sekunden und bis zu 400 Kilowatt Ladeleistung: Der elektrische Porsche Cayenne Turbo...

DWN
Technologie
Technologie „Die Super-Firewall wird nicht reichen“: Ex-BND-Chef Gerhard Schindler über die Zukunft des Wirtschaftsschutzes
12.10.2026

Künstliche Intelligenz, Cyberangriffe und klassische Spionage verschmelzen zunehmend miteinander. Gerhard Schindler, von 2012 bis 2016...

DWN
Politik
Politik Bärbel Bas tritt zurück – Alexander Schweitzer soll Arbeitsminister werden
12.10.2026

Bärbel Bas zieht sich aus der Bundesregierung und der SPD-Spitze zurück. Für das Arbeitsministerium zeichnet sich bereits eine Nachfolge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Firmenpleiten steigen weiter: Unternehmensinsolvenzen erreichen Juli-Hoch
12.10.2026

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im Juli 2026 deutlich gestiegen. Die Amtsgerichte registrierten 2.373 Fälle –...