Deutschland

Inflation grassiert: Bosch gibt steigende Kosten an Kunden weiter

Die Inflation frisst sich durch die deutsche Wirtschaft. Der Autozulieferer Bosch erwartet anhaltend hohe Kosten und wird diese an seine Kunden weitergeben.
04.05.2022 16:32
Lesezeit: 2 min

"Vor allem durch Kostensteigerungen bei Energie, Material und Logistik wächst die Belastung für unser Ergebnis erheblich", erklärte der neue Bosch-Finanzchef Markus Forschner am Mittwoch. In der Autozuliefersparte Mobility Solutions sei der Kostendruck besonders hoch, zum Beispiel mit drei Mal so teurem Stahl wie 2020. "Nicht nur die Automobilhersteller, auch die Zulieferer sind darauf angewiesen, Preissteigerungen weiterzugeben", ergänzte Forschner.

Bosch-Chef Stefan Hartung erklärte, das Thema Inflation sei zentral für das Gesamtjahr. Nach mickrigem Gewinn im Zuliefergeschäft 2021 werde erneut um ein positives Ergebnis gekämpft. "Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, um die Profitabilität zu sichern", betonte der neue Bosch-Lenker bei seiner ersten Bilanzvorlage.

Die Unsicherheit durch den Ukraine-Krieg, Lockdowns wegen der Corona-Pandemie in China und der Mangel an Halbleitern lasteten auf den Gewinnaussichten. Dank Preiserhöhungen geht der auch im Anlagenbau, Elektrogeräten oder Gebäudetechnik tätige Stiftungskonzern für 2022 von mehr als 6 Prozent Umsatzwachstum aus nach Erlösen von knapp 79 Milliarden Euro 2021. Die Umsatzrendite werde im Korridor von 3 bis 4 Prozent liegen, das langfristige Ziel ist doppelt so hoch.

Die Autobauer konnten trotz Lieferproblemen aufgrund fehlender Computerchips bisher hohe Gewinne einfahren, da sie bei robuster Nachfrage die Preise anheben konnten. Viele Zulieferer dagegen litten unter dem Wegfall von Arbeit und hohen Kosten. So steigerte der globale Branchenprimus Bosch zwar den Umsatz um mehr als sieben Prozent auf 45,3 Milliarden Euro, erzielte aber nur eine Rendite von 0,7 Prozent nach Verlust im Vorjahr.

KRIEG TREIBT KLIMASCHUTZ AN

Die Folgen des Krieges Russlands gegen die Ukraine und die Lockdowns in China sind die größten Unbekannten für die Geschäfte des Stiftungskonzerns in diesem Jahr. In Russland stellte Bosch seine Aktivitäten im Zuge der westlichen Sanktionen weitgehend ein. Die gut 3500 Beschäftigten werden weiterbezahlt.

Zur Frage einer möglichen Enteignung wollte sich Hartung nicht äußern. Auch gebe es keinen Druck der russischen Behörden wie beim Zulieferer Continental, der wegen drohender strafrechtlicher Konsequenzen die Reifenproduktion in Russland wieder aufnahm. "Von Drohungen in Russland können wir nicht berichten", sagte Hartung.

Das Bosch-Management stellt sich auf langfristige Folgen des Krieges ein. Dieser werde für anhaltend hohe Öl- und Gaspreise sorgen, das befördere die Nachfrage nach Elektroautos, erklärte Hartung. Zudem beschleunige ein Ausstieg aus der hohen Abhängigkeit von russischem Gas die Energiewende. Die Krise werde zum Katalysator der Dekarbonisierung, sagte der Bosch-Chef. Ein Gaslieferstopp jetzt wäre aber "brandgefährlich", weil viele Bosch-Lieferanten dann nicht mehr produzieren könnten.

Die Chancen, mit der Brennstoffzelle Geld zu verdienen, wachsen unterdessen nach Einschätzung der Schwaben. Daher baut Bosch seine Aktivitäten bei Wasserstoff-Antrieben aus und investiert in die Produktion von Komponenten für die Elektrolyse. Dieser Markt werde wegen des steigenden Bedarfs der energieintensiven Industrien, des Schwerlastverkehrs und in der Gebäudeheizung bis Ende des Jahrzehnts auf 14 Milliarden Euro weltweit wachsen.

Hartung plädierte dafür, keinen Sektor von der Wasserstofftechnik auszunehmen - also auch nicht die Pkw-Produktion. Herrschende Meinung in der Politik ist, dass die teure Technologie nur dort genutzt werden soll, wo die Batterie nicht geeignet ist - Flugzeuge, Schiffe und Lastwagen. Wasserstoff werde nicht lange der "Champagner" der Energiewende sein, sondern bald schon Wasser, sagte Hartung. "Ohne grünen Wasserstoff geht es nicht, wenn wir die Welt klimaneutral gestalten wollen."

Die Lage in China mit dem Lockdown in Shanghai sei enorm anstrengend und strapaziere die Nerven auch der Bosch-Beschäftigten. Wirtschaftlich werde sich das über weiter steigende Transportpreise auswirken, das Land als Wachstumsmotor aber nicht abwürgen, erklärte der Bosch-Chef.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fachkräftemangel: Wer berät die Kunden, wenn 39.000 Verkäufer fehlen?
07.09.2026

Persönliche Beratung soll den stationären Handel vom Internet unterscheiden. Doch ausgerechnet beim Verkauf zeichnet sich Deutschlands...

DWN
Politik
Politik Industrieproduktion in Deutschland geht überraschend zurück
07.09.2026

Die deutsche Industrie startet mit einem unerwarteten Dämpfer in die zweite Jahreshälfte. Statt der erhofften Belebung ging die...

DWN
Politik
Politik Deutschland entkommt russischem Gas und landet in der nächsten Falle
07.09.2026

Deutschland hat sich vom russischen Pipelinegas gelöst und setzt nun stark auf Flüssiggas. Doch inzwischen kommt ein Großteil des...

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie im KI-Boom: Billig, riskant, unverzichtbar?
07.09.2026

Die Nvidia-Aktie ist in zehn Jahren um fast 15.000 Prozent gestiegen und gilt heute als wichtigste Einzelaktie der Welt. Trotzdem nennen...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie im Fokus: Volkswagen will Werk in Osnabrück verkaufen – VW-Werk soll Rüstungsstandort werden
07.09.2026

In Osnabrück steht ein traditionsreicher Industriestandort vor einem radikalen Wandel. Wo jahrzehntelang Cabrios und Sportwagen...

DWN
Politik
Politik Ballistische Rakete: Neue Schlagkraft für Deutschland – Bundeswehr-Marine testet Lora
07.09.2026

Ein Raketenschuss zwischen Irland und Island markiert einen möglichen Wendepunkt für die Bundeswehr. Mit der israelischen Lora könnte...

DWN
Finanzen
Finanzen Droneshield-Aktie nach Kurssturz vor der Trendwende? Es bleiben Risiken!
07.09.2026

Die Droneshield-Aktie kämpft nach massiven Kursverlusten um eine Stabilisierung. Technische Kaufsignale und operative Fortschritte wecken...

DWN
Politik
Politik Von der Leyen landet in Grönland und bringt Milliarden mit
07.09.2026

Ursula von der Leyen reiste erneut nach Grönland, diesmal mit neuen Investitionszusagen im Gepäck. Die EU will ihre Rolle in der Arktis...