Wirtschaft

Nickel: Indonesien sticht Europa und China aus

Angesichts der Preissteigerung fährt Indonesien seine Nickelproduktion weiter hoch. Das Land profitiert von der wirtschaftlichen Schwäche Europas und Chinas.
09.10.2022 08:15
Aktualisiert: 09.10.2022 08:15
Lesezeit: 2 min
Nickel: Indonesien sticht Europa und China aus
Die Nickelproduktion in Europa wurde wegen der Energiekrise heruntergefahren. (Foto: dpa) Foto: Hendrik Schmidt

Indonesien will die einmalige Gelegenheit nutzen und von den immer weiter ansteigenden Energiepreisen profitieren. Viele Experten gehen davon aus, dass sich den indonesischen Unternehmen die einmalige Möglichkeit bietet von der Energiekrise zu profitieren.

Experten gehen laut dem Blog MetalMiner davon aus, dass die Nickelpreise auf absehbare Zeit träge bleiben werden. Nach der Nickelknappheit an der LME (London Metal Exchange) und wegen des Krieges in der Ukraine geht laut Reuters das weltweite Angebot weiter zurück. Hinzu kommt die Erwartung, dass der derzeitige Nickelanstieg in Indonesien die Richtung des Nickelpreises weiter beeinflussen wird. Die Monate September und Oktober sind in der Regel die Hochphasen der jährlichen Nickelkäufe, doch könnte das Metall im vierten Quartal einen steinigen Weg vor sich haben, wie die chinesische Internet Plattform Shanghai Metals Market (SMM) schreibt.

Anfang September kommentierte MetalMiner, dass die Nickelpreise zu Beginn des Monats zu steigen begannen. Dies schien auf das Potenzial für eine Umkehr des Nickelpreises nach oben hinzudeuten. Indonesien, einer der größten Nickelproduzenten der Welt, könnte von einer solchen Entwicklung erheblich profitieren. Rund 23,7 % der weltweiten Nickelerzeugnisse stammen aus Indonesien. Allein im vergangenen Jahr produzierte das Land 814.000 Tonnen Nickel. Außerdem erwirtschaftet das Land jährlich über 20 Milliarden Dollar mit Stahl und stahlverwandten Produkten.

Schließungen von Hütten in Europa und China

Einen wichtigen Einfluss auf die Attraktivität von Indonesien als Nickel-Alternative haben auch die Schließungen von Hütten in Europa und China. Auch die Nachfrage nach Nickel in der Elektronikindustrie steigt weiter an. Die Verwendung des Metalls in Dingen wie Batterien trägt zu dieser Nachfrage bei, sorgt aber auch dafür, dass sich der Nickelpreis im Moment innerhalb von Unterstützungs- und Widerstandszonen bewegt.

Wichtig für die Attraktivität Indonesiens ist auch, dass die Weltbank für das Land so wie für andere exportorientierte Volkswirtschaften in Südostasien für das Jahr 2022 laut der Financial Times mit einem schnelleren Wachstum und einer niedrigeren Inflation im Vergleich zu China rechnet. Wie in Thailand und Malaysia haben auch in Indonesien die staatlichen Kraftstoffsubventionen dazu beigetragen, die Inflation im weltweiten Vergleich gering zu halten. Der Inlandsverbrauch hat zugenommen, da die Region auf Lockdowns und strengere Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 verzichtet.

Indonesien Alternative als Nickelimporteur

Neben den hohen Energiepreisen könnte Indonesien auch vom Krieg Russlands in der Ukraine profitieren. Die deutsche Industrie ist neben fossilen Energieträgern insbesondere von russischen Metallen abhängig. So stammten laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft rund 40 Prozent aller Nickel-Importe aus Russland. Russland ist nicht nur für Deutschland, sondern auch weltweit ein wichtiger Nickel-Lieferant.

Deutschland sucht im Zuge des Krieges nach einem Alternativen Handelspartner. Hier könnten Kanada (11,8%) und auch Indonesien (17,5%) in Frage kommen. Problem im Fall Indonesien: Das Land liegt mit der EU in einem Handelsstreit, nachdem es 2020 seine Nickel-Exporte stoppte. Die EU legte dagegen vor der Welthandelshandelsorganisation (WTO) Beschwerde ein. Ein Urteil wird nicht vor Ende 2022 erwartet.

Nickelpreise erholen sich

Nach einem starken Rückgang im Frühsommer konnten sich die Nickelpreise wieder erholen. Nachdem die LME-Nickelproduktion im März eingestellt wurde, ging das Nickelvolumen jedoch deutlich zurück. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine Anzeichen dafür, dass die LME zu den Niveaus vor der Schließung zurückkehren würde (die im Februar 2022 erreicht wurden), und der LME-Nickelpreis spiegelte dies wider.

Auch wenn die Volumina nach wie vor gering sind, hat dies den Nickelpreis nicht davon abgehalten, nach einem starken Abwärtstrend wieder nach oben zu springen. Vorerst bleibt Nickel in einem Seitwärtstrend zwischen Widerstand und Unterstützung. Langfristig erwarten Experten, Händler und Nickelkäufer einen eindeutigen Trend.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Aktien legen dank Hoffnung auf Friedensabkommen zu
13.04.2026

Ein überraschendes Signal sorgt für Aufwind an den Börsen – erfahren Sie, warum die Anleger plötzlich wieder optimistisch in die...

DWN
Finanzen
Finanzen USA starten Blockade der Straße von Hormus: Trump setzt Drohungen um, der Ölpreis steigt
13.04.2026

Die Spannungen im Nahen Osten spitzen sich weiter zu: Die USA greifen zu drastischen Maßnahmen in einer der wichtigsten Handelsrouten der...

DWN
Panorama
Panorama Lufthansa-Streik: Diese Rechte haben Passagiere bei einem Pilotenstreik
13.04.2026

Der Lufthansa-Streik bringt den Flugverkehr in Deutschland ins Wanken und sorgt bei Tausenden Reisenden für Unsicherheit. Flugausfälle,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IWF warnt: Schwieriger Weg zurück für die Weltwirtschaft
13.04.2026

Die Ölkrise infolge des Iran-Kriegs verändert die globale Konjunktur nachhaltig. Warum selbst im besten Fall kein schneller Aufschwung...

DWN
Finanzen
Finanzen Autofahren in Deutschland immer teurer: Warum das so ist und was Sie tun können
13.04.2026

Autofahren wird für viele Menschen in Deutschland immer kostspieliger. Steigende Spritpreise, höhere Versicherungen und teurere...

DWN
Politik
Politik Analyse: Irans Führer fordern Trump heraus – wer hat am meisten zu verlieren?
13.04.2026

Die USA und der Iran verhandelten stundenlang, erzielten jedoch in Islamabad keinen Durchbruch. Sowohl die Kontrolle über die Straße von...

DWN
Finanzen
Finanzen BYD-Aktienkurs steigt: Kommt jetzt der Durchbruch?
13.04.2026

Die BYD-Aktie sorgt mit einem frischen Kaufsignal und starkem Auslandsgeschäft für Aufsehen. Gleichzeitig drücken Margenprobleme im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Entlastungspaket der Bundesregierung: Kritik vom IW an Kosten und Wirkung
13.04.2026

Steigende Energiepreise und Inflation setzen Haushalte und Unternehmen unter Druck. Die Regierung reagiert mit einem umfangreichen...