Deutschland

Deutsche Sparer verlieren wegen Inflation 400 Milliarden Euro

Die Inflation bringt den deutsche Sparern 395 Milliarden Euro Kaufkraftverlust beim Geldvermögen. In der Folge verzichten die Deutschen schon auf Alltägliches.
25.10.2022 12:35
Aktualisiert: 25.10.2022 12:35
Lesezeit: 1 min
Deutsche Sparer verlieren wegen Inflation 400 Milliarden Euro
Wegen der hohen Inflation hat das Geldvermögen der deutschen Sparer in den Läden deutlich an Kaufkraft verloren. (Foto: dpa) Foto: Hauke-Christian Dittrich

Die hohe Inflation lässt einer Studie zufolge das Geldvermögen der deutschen Privathaushalte in diesem Jahr stark schrumpfen. Der Wertverlust auf das verzinsliche Geldvermögen betrage voraussichtlich 395 Milliarden Euro, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Untersuchung der DZ Bank hervorgeht. "Bezogen auf die Gesamtbevölkerung sind das über 4700 Euro pro Kopf", heißt es darin.

Studienautor Michael Stappel zufolge liegt das an der sehr hohen Inflation. Diese sorge für einen negativen Durchschnitts-Realzins in Höhe von minus 6,9 Prozent - trotz der mittlerweile eingeleiteten Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB). Das sei ein neuer Negativrekord und liege um 4,4 Prozentpunkte tiefer als im vergangenen Jahr.

Insgesamt beträgt das Geldvermögen der Haushalte den Angaben zufolge derzeit rund 7,7 Billionen Euro. Im ersten Halbjahr sei es durch Kursverluste bei Wertpapieren um 1,8 Prozent gesunken - und das, obwohl über 160 Milliarden Euro gespart und neu angelegt worden seien. Mit Blick auf das kommende Jahr rechnet Stappel damit, dass das private Geldvermögen bei freundlicherer Stimmung an den Aktienmärkten wieder zulegen werde.

Die steigende Lebenshaltungskosten, der russische Krieg gegen die Ukraine und die anhaltende Corona-Pandemie wirken sich einer Umfrage zufolge zunehmend negativ bei den Menschen in Deutschland aus: Nur noch 34 Prozent fühlen sich finanziell gut oder sogar sehr gut aufgestellt, wie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) zu seiner jährliche Befragung mitteilte.

"Rund 90 Prozent der Befragten treibt die Inflation um", sagte DSGV-Präsident Helmut Schleweis bei der Vorstellung des Vermögensbarometers. "Etwa zwei Drittel der Befragten verzichten in ihrem Alltagsleben auf früher übliche Ausgaben. Mehr als die Hälfte will sich weiter einschränken."

Besonders Haushalte mit niedrigen Einkommen unter 1000 Euro sind betroffen: Hier müssen bereits 83 Prozent auf Alltägliches verzichten. Aber auch wer mehr verdient, macht sich Sorgen. "Der Druck kommt auch in der Mittelschicht an, die bisher vergleichsweise gut über die Runden gekommen ist und nicht von staatlichen Transferleistungen abhängig war", sagte Schleweis. 58 Prozent der Haushalte mit einem Einkommen von mehr als 2500 Euro verzichteten bereits im Alltag.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Eskalation im Nahen Osten belastet Rentenmarkt: Deutsche Staatsanleihen unter Verkaufsdruck
09.03.2026

Die Verunsicherung an den globalen Finanzmärkten spiegelt sich am Montag deutlich in den Kursen deutscher Bundesanleihen wider, die...

DWN
Politik
Politik Machtpoker im Ländle: Özdemir erteilt rotierender Staatskanzlei eine Absage
09.03.2026

Nach der Zitterpartie bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg verhärten sich die Fronten zwischen den potenziellen Koalitionspartnern....

DWN
Politik
Politik Geheime Unterstützung: Russland liefert Iran Zieldaten gegen amerikanische Streitkräfte
09.03.2026

Ein Bericht der Washington Post sorgt für Aufsehen. Demnach liefert Russland Iran geheimdienstliche Informationen über US-Streitkräfte...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Industrie enttäuscht: Auftragseinbruch um 11,1 Prozent nach Großauftrags-Boom
09.03.2026

Die deutsche Industrie ist mit einer deutlichen Enttäuschung in das Jahr 2026 gestartet. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes sanken...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise aktuell: Preiszuwachs an Tankstellen verlangsamt sich
09.03.2026

Autofahrer können vorerst leicht aufatmen, da der steile Aufwärtstrend bei den Kraftstoffpreisen an deutschen Tankstellen an Schwung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiswende im Kühlregal: Butter wird für Verbraucher wieder teurer
09.03.2026

Nach einer Phase sinkender Preise müssen Kunden in Deutschland für Butter wieder tiefer in die Tasche greifen. Führende Discounter und...

DWN
Politik
Politik Geopolitische Zeitenwende: Von der Leyen fordert radikalen Kurswechsel der EU
09.03.2026

Die alte Weltordnung ist Geschichte: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drängt angesichts der globalen Instabilität auf eine...

DWN
Politik
Politik Neue EU-Strategie: Brüssels Plan für die Zukunft von Häfen und Werften
09.03.2026

Europas Lebensadern auf dem Prüfstand: Nach langer Wartezeit hat die EU-Kommission ihre neue maritime Strategie enthüllt. In zwei...