Politik

Klima-Aktivisten der „Letzten Generation“: Droht eine RAF 2.0?

Die Aktionen der Gruppe „Die letzte Generation“ beschäftigen ganz Deutschland. In den vergangenen Wochen hat die Radikalität der Aktivisten zugenommen.
13.11.2022 06:00
Lesezeit: 2 min

Der Tod der Radfahrerin in Berlin, die am 31. Oktober bei einem schweren Unfall unter einen Betonmischer geraten war, beschäftigt ganz Deutschland. Die 44-Jahre alte Radfahrerin war am 3. November an ihren Verletzungen gestorben. Der Abschlussbericht der Berliner Feuerwehr hatte laut Bild Plus am 10. November ergeben, dass der Rüstwagen, welcher zur Einsatzstelle gerufen worden war, durch den Verkehr zu spät am Einsatzort eintraf und der Betonmischer über das Bein der Frau rollen musste. Die „Letzte Generation“ hatte mit Protesten den Verkehr in der Innenstadt an diesem Morgen blockiert.

Gruppe beklagt mediale Hetze

Die „Letzte Generation“ machte zwar in einem Statement deutlich, dass man über den Tod der Frau sehr bestürzt sei, distanzierten sich aber trotz der Polizeiermittlung gegen zwei Aktivisten von der Tat. Vielmehr unterstellte die Organisation der Medienlandschaft in Deutschland den Vorwurf der Hetze und davon sei es „Zeit eine Grenze zu ziehen“. „Bis dahin geht der Widerstand weiter“.

Inzwischen geht es neben dem Versuch, Klimaziele mit Verkehrsbehinderungen zu erzwingen, auch darum, sich mit 13 am 5. November verurteilten Aktivisten zu solidarisieren und Aktionen durchzuführen. Dazu kommt, dass der Bild ein Chatverlauf vorliegt, in dem offen für Aktionen geworben wird. Bekannt sei laut Bild auch, dass die Gruppe mit der linksextremen Szene zusammenarbeite. Es gebe Trainingsanleitungen für Mitglieder und die Aufforderung, dass man sich bezüglich von Prozesskosten bei der Roten Hilfe melden solle. Die Rote Hilfe e.V. hilft und betreut laut Verfassungsschutz, von dem sie beobachtet wird, Straftäter, mit dem Ziel diese bewusst in die linksextreme Szene zu holen. Als Gegenleistung sieht der Verein die Übernahme der politischen Überzeugungen vor.

Parallelen mit der RAF

Bereits im September warnte das Bundeskriminalamt (BKA) in einem Geheimpapier, welches Bild Plus vorliegt, vor Angriffen auf Infrastruktur wie Atomanlagen, Gaspipelines oder den Schwerlastverkehr. Die Terrorismus-Expertin Bettina Röhl (Tochter von RAF-Mitglied Ulrike Meinhof) sieht bei der „Letzten Generation“ Parallelen zur RAF: „Die Letzte Generation ist schon auf der Ziellinie der RAF. Terrorismus ist immer Selbstdarstellung wie van Gogh besudeln, Straßenblockaden oder Pipeline-Gelände Stürmen.“

Röhl geht gegenüber Bild noch einen Schritt weiter und sieht in den Aktionen die bewusste Inkaufnahme von Menschenleben: „Auch die 68er Bewegung begann mit Sabotage-Akten und Pudding-Attacken. Viele schrien dann nach mehr „Taten“ und „Revolution“. Bei den Klimaaktivisten kann dieser hysterische Kipppunkt zu Gewalt und Terror sehr schnell erfolgen.“

Der niedersächsische Verfassungsschutz erkennt gegenüber Bild einen Versuch von Linksextremisten, die Klimaschutzbewegung zu beeinflussen, um diese für ihre eigenen Interessensziele zu instrumentalisieren. Eine zunehmende Entgrenzung des Linksextremismus in die Klimaschutzbewegung werde deutlich.

Herausforderung für Grüne und SPD

Die „Letzte Generation“ steht sich mit ihren Aktionen selbst im Weg. Man setzt auf Verkehrsbehinderungen durch Klebeaktionen auf Straßen und erreicht damit das Gegenteil des eigentlichen Ziels. Das Unverständnis bei vielen betroffenen Autofahrern und Bürgern wird so größer. Auch wenn man die Bundesregierung zum Dialog aufruft verhält man sich selbst nicht wirklich dialogbereit. Anstatt die Emotionen nach dem Vorfall in Berlin runterzufahren und voll auf Gespräche zu setzen, ruft man die Mitglieder zu Widerstand auf.

Speziell für die Grünen als politische Partei, aber auch für die SPD, kann die Gruppe eine Herausforderung darstellen. Es gibt eine nicht zu unterschätzende Sympathisantenszene für die „Letzte Generation“, unter der sich auch Wähler beider Parteien befinden könnten. Entsprechend vorsichtig gehen beide Parteien mit den Aktionen um. Dies ist möglicherweise mit ein Grund, warum man laut Welt eine Strafrechtsverschärfung für die Aktivisten ablehnt. Ein anderer Grund ist, dass die Bundesregierung entgegen der Opposition die aktuellen Mittel im Strafrecht für ausreichend hält. Es bleibt abzuwarten in welche Richtung sich der Protest und der Umgang mit der „Letzten Generation“ bewegt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sie sollen Palantir beim französischen Geheimdienst ersetzen, jetzt nehmen sie Dänemark ins Visier
14.10.2026

Mehrere europäische Staaten hinterfragen ihre Abhängigkeit von amerikanischer Sicherheitssoftware. Davon will das französische...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt wegen schwacher Chip-Aktien nach
13.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Wall Street heute bewegt haben.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland erzielt mit Europas Energiekäufen Einnahmen von rund 322 Milliarden Euro
13.10.2026

Europa will seine Energieabhängigkeit von Russland beenden. Doch trotz Sanktionen fließt weiterhin eine große Menge Kapital nach Moskau....

DWN
Finanzen
Finanzen Rente 2026: Fast 2.000 Euro? Für die meisten ein Traum – 5 Zahlen zeigen die Realität
13.10.2026

Die Politik verweist auf ein stabiles Rentenniveau und knapp 2.000 Euro Standardrente. Doch amtliche Zahlen zeigen: Das ist ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland baut neue Bahnstrecke von Hamburg nach Hannover – aber erst 2050
13.10.2026

Überlastete Strecke: Zwischen Hamburg und Hannover fahren täglich rund 200 Güterzüge, dazu ICE- und Regionalzüge. Staus und...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Hat Trump den größten Fehler der USA begangen?
13.10.2026

Donald Trump wollte Iran in die Knie zwingen. Stattdessen gerät die amerikanische Supermacht selbst unter Druck. Der Krieg verschlingt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Präsentismus: Wenn Mitarbeiter trotz Krankheit arbeiten 
13.10.2026

Mit Halskratzen aufgewacht und dennoch zur Arbeit gegangen, „weil es ja nicht so schlimm ist“. Viele Beschäftigte neigen dazu, trotz...

DWN
Finanzen
Finanzen Nel ASA-Aktie hebt ab: Kooperation mit Rheinmetall bei E-Fuels treibt Pennystock nach oben
13.10.2026

Nel ASA und Rheinmetall wollen bei dezentraler Produktion synthetischer Kraftstoffe zusammenarbeiten. Die norwegische Wasserstoff-Aktie...