Technologie

Bidens Wirtschaftskrieg gegen China löst internationalen Subventionswettlauf aus

Die US-Regierung hat mit dem gegen China geführten Handelskrieg einen internationalen Subventionswettlauf in Gang gesetzt.
13.12.2022 09:00
Aktualisiert: 13.12.2022 09:47
Lesezeit: 2 min
Bidens Wirtschaftskrieg gegen China löst internationalen Subventionswettlauf aus
Ein Kind betrachtet während der China International Big Data Industry Expo 2019 Chips, die von dem chinesischen Telekom-Ausrüster Huawei für 5G-Basisstationen entworfen wurden. (Foto: dpa) Foto: Ou Dongqu

Als Reaktion auf das US-Embargo für Hochleistungschips will China Insidern zufolge die heimische Halbleiter-Produktion ausbauen. Geplant seien Beihilfen und Steuer-Vergünstigungen im Volumen von umgerechnet 136 Milliarden Euro, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Dienstag. Es wäre das größte Paket seit mehr als fünf Jahren.

Es diene vor allem dem Kauf von Anlagen zur Chip-Produktion, um die heimische Industrie zu modernisieren, sagten die Insider weiter. Ein weiteres Ziel sei ein Schub für Forschung und Entwicklung. Die größten Nutznießer des Programms seien chinesische Chip-Ausrüster wie Naura, Advanced Micro-Fabrication Equipment oder Kingsemi. Das Informationsbüro des Staatsrats war für einen Kommentar zunächst nicht zu erreichen.

In Hongkong verhalf die Aussicht auf staatliche Geldspritzen den Aktien der Halbleiter-Konzerne SMIC und Hua Hong zu Kurssprüngen von zehn beziehungsweise gut 17 Prozent. Für Letztere war es der größte Tagesgewinn der Firmengeschichte. Die Börse in Schanghai hatte bei Veröffentlichung der Reuters-Meldung zu den Plänen bereits geschlossen.

China hat einem Medienbericht zufolge die USA vor der Welthandelsorganisation (WTO) wegen deren Ausfuhrkontrollen für Elektronik-Chips verklagt. Der Schritt sei notwendig, um Chinas „legitime Interessen“ zu schützen, berichtete die staatlich unterstützte Zeitung Global Times am Dienstag auf Twitter unter Berufung auf das Handelsministerium im Peking. Eine Stellungnahme der beiden Regierungen oder der WTO zu dem Bericht lag zunächst nicht vor.

Japan startet Kooperation mit IBM

Chinas Nachbar Japan will ebenfalls unabhängiger von Chip-Importen werden. Daher geht der teilstaatliche Fertiger Rapidus eine Kooperation mit dem US-Technologieriesen IBM ein. Die beiden Firmen wollen in den kommenden Jahren eine Fertigung für Hochleistungschips aufbauen. Details zur Finanzierung oder zum Standort des Werks nannten sie zunächst nicht. Rapidus ist ein Gemeinschaftsprojekt von Technologiefirmen wie Sony oder NEC sowie des japanischen Staats. Rapidus-Chef Atsuyoshi Koike bezifferte allein die Ausgaben im Rahmen der Kooperation seiner Firma und IBM auf umgerechnet mehrere Milliarden Euro.

Parallel dazu berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg, die Regierung in Tokio wolle ebenso wie die Niederlande Exporte von Halbleitern sowie Maschinen zu deren Herstellung nach China einschränken. Sie würden sich damit dem Handelskrieg der USA anschließen, die den Zugriff der Volksrepublik auf Hochleistungschips für Anwendungen wie Künstliche Intelligenz einschränken soll. In Japan und den Niederlanden sind mit Tokyo Electron und ASML zwei wichtige Chip-Zulieferer beheimatet.

Auf den Bericht angesprochen, sagte der japanische Handelsminister Yasutoshi Nishimura, dass die Zusammenarbeit bei der Exportkontrolle in einem Telefongespräch mit der US-Handelsministerin Gina Raimondo eine Rolle gespielt habe. Er lehnte es aber ab, näher darauf einzugehen. Das niederländische Außenministerium wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Früheren Aussagen des Handelsministeriums zufolge ist das Land im Austausch mit den USA zu Export-Beschränkungen nach China. Die Niederlande verbieten ASML seit 2018 die Ausfuhr der jeweils neuesten Generation von Anlagen zur Chip-Produktion nach China. Grund hierfür ist die mögliche militärische Nutzung der damit produzierten Halbleiter.

Lesen Sie dazu: US-Regierung forciert Handelskrieg gegen China

Parallel zum Export-Bann schnürten die USA ein 52 Milliarden Dollar schweres Investitionspaket, um die Chip-Produktion im eigenen Land zu fördern. Die massiven Subventionen der US-Regierung haben inzwischen zu Spannungen mit den Europäern geführt, welche eine schleichende Abwanderung ihrer Industrien in die USA befürchten. Zuletzt hatte der taiwanesische TSMC-Konzern angekündigt, im US-Bundesstaat Arizona ein Großprojekt zur Halbleiterfertigung im Umfang von 40 Milliarden US-Dollar zu realisieren.

Lesen Sie dazu: Frankreich: Europa muss geeint gegenüber Amerika und China auftreten

Die EU beteiligt sich ebenfalls an diesem Wettlauf und rief dazu den 15 Milliarden Euro schweren „European Chips Act“ ins Leben. Unter anderem dank dieser Hilfen entstehen in Magdeburg und Dresden riesige neue Halbleiter-Fabriken.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...

DWN
Panorama
Panorama Kommunale Schulden wachsen deutlich: Deutschlands Städte unter Druck, die KfW warnt
31.10.2026

Die integrierte Verschuldung der deutschen Kommunen ist 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres entfielen rechnerisch 4.907 Euro Schulden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...

DWN
Immobilien
Immobilien Heizungstausch finanzieren: So nutzen Eigentümer Förderung, Kredit und Steuerbonus
31.10.2026

Eine neue Heizung kann langfristig Geld sparen, verlangt zunächst aber eine beträchtliche Investition. Eigentümer müssen deshalb...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögensbarometer 2026: ETF-Boom hält an, Anteil der Privatanleger stagniert
31.10.2026

ETFs werden in Deutschland immer beliebter, doch der Anteil der Menschen mit Wertpapieren stagniert. Das neue Vermögensbarometer des...

DWN
Finanzen
Finanzen KfW-Gründerkredite: 225 Millionen Euro zugesagt – doch Banken werden strenger
31.10.2026

Die staatliche Förderbank KfW hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Gründerkredite zugesagt. Gleichzeitig verschärfen deutsche...

DWN
Immobilien
Immobilien Gebäudetyp E: Weniger Extras sollen den Wohnungsbau günstiger machen
31.10.2026

Weniger Steckdosen, dünnere Decken und niedrigere Baukosten: Der Gebäudetyp E soll den Wohnungsbau in Deutschland erleichtern. Ein neuer...

DWN
Panorama
Panorama Volvo ebenso verdächtig wie BYD: Polnisches Militär verhängt Verbot für Friedhofsparkplätze
31.10.2026

Das Militär führt Einschränkungen für Autofahrer ein, die rund um Allerheiligen den Parkplatz am Osobowicki-Friedhof in Breslau nutzen...