Unternehmen

Galeria: Onlinehändler springt von Übernahmeangebot ab

Der Onlinehändler Buero.de hatte großes Interesse an der Übernahme von 47 Galeria-Filialen verkündet. Nun nimmt man von diesem Vorhaben Abstand. Arbeitnehmervertreter sind darüber verärgert.
28.12.2022 14:06
Aktualisiert: 28.12.2022 14:06
Lesezeit: 3 min
Galeria: Onlinehändler springt von Übernahmeangebot ab
Die Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof in der Innenstadt von Magdeburg. (Foto: dpa) Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Anfang November hatte der Vorsitzende vom Onlinehändler Buero.de, Markus Schön noch große Ziele mit Galeria. Gegenüber der Neuen Westfälischen Zeitung erklärte der Detmolder Investor das Interesse an der Übernahme von 47 Filialen des Warenhauskonzerns und hatte konkrete Pläne. Neun Wochen später verkündete Buero.de am 22.12 nun, dass man kein Interesse mehr habe. So springt ein wichtiger mögliche Investor in Galeria-Filialen ab.

Übernahme scheiterte an veränderten Rahmenbedingungen

Gegenüber der Deutschen Presse Agentur bestätigte Schön den Verzicht auf die Übernahme und begründete diesen mit veränderten Rahmenbedingungen: „Wir haben unser Angebot für die 47 Filialen in der Tat zurückgezogen. Die Gerüchte über viel weitergehende Schließungen und die in diesem Zusammenhang in den letzten Tagen für uns deutlich gewordene Konfliktlage führen zu veränderten Rahmenbedingungen, die für uns nicht akzeptabel sind. Dies haben die Gremien nach mehrstündigen Sitzungen entschieden.“

Für den Warenkonzern ist diese Entscheidung von Buero.de ein harter Schlag. Entsprechend enttäuscht zeigte sich der Arbeitnehmervertreter und Galeria-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jürgen Ettl: „Es wäre eine Chance für die Zukunft der Filialen gewesen. Es ist ein bisschen frustrierend, dass so schnell das Handtuch geschmissen wurde. Die ersten Gespräche sind konstruktiv gewesen.“ In den Augen von Ettl ist ein neues Konzept für Warenhäuser wichtig: „Es braucht eine Konzeption, die Kunden und Mitarbeiter mitnimmt. Das digitale und das stationäre Geschäft müssten eine homogene Einheit bilden, bei der der Mehrwert für alle ersichtlich ist. Ich glaube, das Warenhaus hat eine Berechtigung. Trotz der schwierigen Lage liegt unser Unternehmen beim aktuellen Weihnachtsgeschäft über den Erwartungen.“

Gespräche mit Vermieter entscheidend für Filialen

Am 21. Dezember hatte Galeria Kaufhof Karstadt mitgeteilt, dass man ein Übernahmeangebot für eine Reihe von Filialen erhalten habe. Der Sprecher des Warenhauskonzerns bestätigte am 22. Dezember, dass dieses Angebot weiterhin bestehe und man noch vor Weihnachten Angebote von weiteren Interessenten erwarte. Bezüglich der Namen der Interessenten und für welche Filialen sie sich interessieren, gab es aus Vertraulichkeitsgründen keine Angaben.

Ende Oktober hatte der letzte große deutsche Warenhauskonzern die Rettung über ein Schutzschirmverfahren begonnen. Seit diesem Zeitpunkt ist man mit Lösungen für mögliche Übernahmen beschäftigt. Konzernchef Miguel Müllerbach erklärte nach dem Start des Schutzschirmverfahrens, dass das man ein Drittel aller 131 Filialen verkaufen wolle. Dies wären insgesamt mehr als 40 Warenhäuser.

Wie viele Filialen am Ende genau von einer Schließung betroffen sind, dies steht nach Angaben des Konzerns immer noch nicht fest. Neben dem Gespräch mit Übernahmeinteressenten befindet sich Galeria auch im Gespräch mit Vermietern. In diesen Gesprächen soll es neben der Miete auch um weitere Punkte wie eine Verkleinerung der Mietfläche, energetische Sanierungen oder Modernisierungen und Baumaßnahmen gehen. Bei der Entscheidung, ob ein Standort erhalten bleibt oder geschlossen werden muss, seien diese Gespräche laut Konzernangaben sehr wichtig. Im Laufe des Januars 2023, soll diesbezüglich mehr Klarheit vorhanden sein.

Absprung von Buero.de kam für Insider nicht überraschend

Der Absprung von Buero.de kommt laut Lebensmittelzeitung für Insider nicht überraschend. Woher genau Investor Markus Schön die Mittel für die Übernahmen herholen wollte, erklärte er nie. Schön erklärte, dass er die Filialen wieder profitabel machen wolle, wie dies aber genau umgesetzt werden solle, erläuterte er nie. Auf den außenstehenden Beobachter wirkte es auch wie eine herausfordernde Aufgabe, dass ein kleiner Onlinehändler wie Buero.de ohne Branchenerfahrung 47 teilweise sanierungsbedürftige Filialen übernimmt. Es stellt sich die Frage, ob dem Onlinehändler die Aufgabe nicht eine Nummer zu groß geworden ist und man sich aus diesem Grund von den Investitionen zurückgezogen hat.

In welche Richtung sich das weitere Vorgehen bei Galeria entwickelt und wie es mit möglichen Übernahmen der Filialen und möglichen Schließungen weitergeht, bleibt abzuwarten. Angesichts der Aussagen des Konzerns bezüglich der Klarheit, was Schließungen angeht und dem Sanierungsplan, der bis Ende Januar 2023 vorliegen muss, dürfte der kommende Monat für viele unklare Fragen Antworten bieten. Dann dürfte für die Gläubiger mehr Sicherheit bestehen auf welche Summe sie beim aktuellen Schutzschirmverfahren verzichten müssen und möglicherweise besteht auch etwas mehr Zukunftsklarheit für die Angestellten in den unterschiedlichen Filialen des Warenhauskonzerns.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Die XRP-Preise stiegen, und XRP-Inhaber verdienten über 10.000 US-Dollar pro Tag durch FORT Miner Hashrate-Verträge.

Mit der jüngsten Erholung der XRP-Preise hat sich die Risikobereitschaft am Markt entsprechend verbessert. Kapital fließt wieder in...

 

 

DWN
Technologie
Technologie AWS EU-Cloud startet: Milliarden-Investition in Brandenburg
15.01.2026

AWS eröffnet eine unabhängige Cloud für Europa und investiert dafür Milliarden in Brandenburg. Das neue Angebot richtet sich vor allem...

DWN
Politik
Politik Trumps Ölpolitik: Widerstand in der US-Ölindustrie wächst
15.01.2026

Die US-Regierung treibt einen energiepolitischen Kurs voran, der in der heimischen Ölindustrie auf wachsenden Widerstand stößt. Doch...

DWN
Technologie
Technologie Reparaturpflicht für Smartphones und Waschmaschinen: Verbraucher profitieren
15.01.2026

Ab diesem Sommer gilt ein Recht auf Reparatur für Smartphones, Waschmaschinen und andere Geräte. Hersteller müssen Reparaturen während...

DWN
Finanzen
Finanzen Ray Dalio warnt: 38 Billionen US-Dollar Schulden und "wirtschaftlicher Herzinfarkt" der USA
15.01.2026

38 Billionen US-Dollar Staatsschulden belasten die USA wie ein Damoklesschwert. Ray Dalio, Gründer des Hedgefonds Bridgewater, warnt vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreis-Rekordhoch: US-Importe und Zollpolitik treiben Preise für Industriemetalle
15.01.2026

Die globalen Rohstoffmärkte geraten zunehmend unter den Einfluss geopolitischer Entscheidungen und strategischer Lagerpolitik. Der...

DWN
Immobilien
Immobilien Studie: In Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen
15.01.2026

Die Wohnungssuche hat sich in vielen Regionen zum Albtraum entwickelt, Besserung ist nicht in Sicht. Nach einer Studie des Pestel-Instituts...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Geschäftsbericht: Weshalb Glaubwürdigkeit über den Geschäftserfolg entscheidet
15.01.2026

Geschäftsberichte gelten oft als lästige Pflicht. Doch hinter Tabellen und Kennzahlen entscheidet sich, ob Unternehmen glaubwürdig...

DWN
Technologie
Technologie Schranken für anzügliche KI-Bilder bei Musk-Chatbot Grok
15.01.2026

Elon Musks Chatbot Grok sorgte für internationale Empörung, weil Nutzer Frauen und Minderjährige in durchsichtigen Bikinis darstellen...