Unternehmen

Werbebudgets: Unternehmen müssen Kürzungen vornehmen

Die Energiekrise macht dem Handel und der Industrie zu schaffen. Durch die bedrohliche Situation müssen harte Maßnahmen getroffen werden. Dies macht sich bei den Werbeausgaben der Unternehmen bemerkbar.
02.02.2023 09:56
Aktualisiert: 02.02.2023 09:56
Lesezeit: 3 min

Vor einem Jahr sah die Welt für viele Unternehmen noch zuversichtlich aus. Man erholte sich Schritt für Schritt von den Folgen der Corona-Pandemie und war optimistisch. Alle Hinweise kündigten ein Jahr mit zunehmenden Werbeausgaben an. Dann kam der 24. Februar 2022 und der Kriegsausbruch in der Ukraine. Dieses Ereignis löste eine Kettenreaktion in Unternehmen aus. Durch die Sanktionen kam es zu Unklarheiten bezüglich der Energiesicherheit und die finanzielle Situation auf dem Weltmarkt ist seitdem auch alles andere als stabil. Entsprechend reagieren Hersteller in Bezug auf Investitionen in Werbung äußerst vorsichtig. Dies wird in neuen Zahlen und Statistiken deutlich.

Härtestes Jahr für Werbebranche seit 2008

Das vergangene Jahr stellt der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) zufolge mit einem Absatzminus von 1,8 Prozent das schlimmste Jahr für die deutsche Ernährungsindustrie dar. Grund sind gestiegene Preise bei Rohstoffen und Energie sowie anhaltende Lieferkettenprobleme. Schlechte Nachrichten gab es auch beim Wachstum im Ausland. Normalerweise kurbelt er die Ernährungsindustrie stark an. Auch hier musste man eine Abnahme um 5,5 Prozent verkraften.

Wenn es den Unternehmen nicht gut geht, leidet auch die Werbebranche. So ist es kein Zufall, dass 2022 für die Werbebranche das härteste Jahr seit der Finanzkrise 2008 war. Wenn sich die Kosten erhöhen, fällt Marketing und Werbung sehr schnell bei Unternehmen der Kürzung zum Opfer, mit drastischen Folgen für Marketing- und Mediengesellschaften, Werbemittelhersteller und Agenturen. Ihnen gingen durch die Kürzungen Einnahmen in Millionenhöhe durch die Lappen. Auch das Weihnachtsgeschäft, das immer als Motor für Werbung und Marketing gilt, konnte die Schieflage nicht mehr geraderücken. Im Vergleich zu 2021 nahm man 3,6 Milliarden Euro ein, was ein Minus von 7,1 Prozent darstellt.

Der gute Investitionsstart fand ein rapides Ende

Nielsen Media zufolge nahmen die Brutto-Werbeausgaben der Unternehmen in Deutschland 2022 um 3,4 Prozent ab und befanden sich bei insgesamt 36,7 Milliarden Euro. Im Vorjahr wurde branchenweit bei Unternehmen noch 38 Milliarden Euro für Werbung ausgegeben. In der Ernährungsbranche ist die Abnahme der Investitionen laut den Statistiken des Marktforschungsunternehmens besonders stark zu beobachten.

Für einen guten Jahresstart sorgte der Lebensmitteleinzelhandel mit seinen hervortuenden Werbeaktivitäten. Besonders aktiv waren dabei Aldi, Lidl und Kaufland. Inzwischen ist es normal geworden, dass die Lebensmittelhändler zum Jahresanfang mit preiswerten Rabattaktionen um die Gunst des Konsumenten buhlen. Kurze Zeit nach Beginn des Krieges in der Ukraine fand die gute Entwicklung jedoch ein schnelles Ende. Nach Angaben von Nielsen Media nahmen über das gesamte Jahr gesehen die Investitionen des Lebensmittelhandels in klassische Reklamemodelle in Zeitungen und Zeitschriften, im Hörfunk und TV, im Kino und auf Plakaten um 1,2 Prozent auf 2,57 Milliarden Euro ab.

Warenhäuser geben mehr für Werbung aus

Noch deutlicher kann man die Sparmaßnahmen für klassische Reklame bei der schnelllebigen Konsumgüterindustrie (FMCG) sehen. Die Hersteller gingen bei ihren Werbeinvestitionen im vergangenen Jahr um 9,7 Prozent auf 6,7 Milliarden. Nur durch die nachlassenden Investitionen aus Lebensmittelhandel und schnelllebiger Konsumgüterindustrie entgingen dem Werbemarkt circa 700 Millionen Euro.

Positiv fielen für den Werbemarkt die Ausgaben von Kauf- und Warenhäusern aus. Nach der Nielsen-Medien-Erhebung gehören hierzu auch Elektrofachmarktbetreiber (z.B. Media-Markt-Saturn). Die Branche gab für klassische Reklame 1,2 Prozent mehr aus, was insgesamt eine Jahressumme von 305 Millionen Euro macht.

Lebensmittelhandel wichtig für den Werbemarkt

Trotz der Kürzungen wird immer noch deutlich, wie wichtig der Lebensmittelhandel für die Werbung ist und warum er einen wichtigen Motor für den Werbemarkt darstellt. Im Nielsen-Werberanking 2022 befinden sich die Lebensmittelkonzerne Lidl, Aldi, Rewe und Edeka hinter Procter & Gamble und Ferrero auf vorderen Positionen.

Interessant ist der unterschiedliche Ausgabentrend. Aldi, Lidl und Penny kürzten ihre Investitionen in der klassischen Reklame. Edeka und Rewe erhöhten hingegen ihre Ausgaben in der klassischen Werbung um 13,1 und 3,7 Prozent. Dies könnte eventuell damit zusammenhängen, dass die hochwertig aufgestellten Supermärkte durch das abnehmende Konsuminteresse der Verbraucher großes Interesse an Kommunikation besitzen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Rentensplitting statt Witwenrente: Steht die Hinterbliebenenrente vor dem Aus?
13.08.2026

Im Rahmen der Rentenreform steht plötzlich auch die Witwenrente zur Diskussion. Ein Expertenvorschlag: Ein verpflichtendes Rentensplitting...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
13.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Experten warnen: Pleitewelle hält bis mindestens 2027 an
13.08.2026

Seit Monaten steigt die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern, obwohl jüngste...

DWN
Politik
Politik Neue "Eisseidenstraße" nach Europa: Warum Reedereien Chinas Abkürzung meiden
13.08.2026

China eröffnet eine regelmäßige Arktisroute, die Transporte zwischen Asien und Europa erheblich beschleunigen könnte. Doch europäische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Cernavoda: Rumänien schaltet AKW wegen Wassermangel ab
13.08.2026

Die Donau führt so wenig Wasser, dass Rumänien sein wichtigstes Atomkraftwerk komplett abschalten muss. Eine spektakuläre Rettungsaktion...

DWN
Politik
Politik KI-Steuer, steuerfreie Einkommen, Grundeinkommen? Zeit für einen Systemwechsel
13.08.2026

Wenn Erwerbsarbeit nicht mehr die Existenz sichert: Künstliche Intelligenz frisst Arbeitsplätze, Inflation und Steuern fressen Löhne,...

DWN
Technologie
Technologie KI: Beim Geld hört das Vertrauen auf
13.08.2026

KI-Agenten dürfen künftig vieles erledigen – nur beim eigenen Geld ziehen viele Menschen eine klare Grenze. Während das Vertrauen ins...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Befristungen treffen Berufseinsteiger besonders hart
13.08.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt wird bei Jobs auf Zeit zwar insgesamt stabiler. Doch ausgerechnet junge Menschen starten besonders häufig mit...