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Bosch setzt auf China-Geschäft, weil der Westen schwächelt

Trotz aller Krisen konnte Bosch 2022 Umsatz und Gewinn steigern. Wegen der schwachen Konjunktur in Europa und den USA setzt das Unternehmen nun ganz auf China.
03.02.2023 12:27
Aktualisiert: 03.02.2023 12:27
Lesezeit: 2 min
Bosch setzt auf China-Geschäft, weil der Westen schwächelt
In der Kältekammer werden Wärmepumpen von Bosch geprüft. Das Unternehmen setzt 2023 ganz auf China. (Foto: dpa) Foto: Marijan Murat

Die erwartete Konjunkturerholung in China wird in diesem Jahr nach Einschätzung des Technologiekonzerns Bosch entscheidend für eine positive Geschäftsentwicklung. Eine Prognose für 2023 sei schwierig, sagte Bosch-Chef Stefan Hartung am Donnerstagabend in Stuttgart. Einerseits werde sich die Konjunktur in Europa und den USA wegen der Zinserhöhungen der Zentralbanken im Kampf gegen die Inflation deutlich abschwächen. Andererseits erwarte Bosch eine Erholung in China nach dem Ende der Null-Covid-Politik und einem Abflauen der Corona-Infektionen. "Wir beobachten, ob die Nachfrage wiederkommt. Sie war im letzten Jahr enorm gedämpft", sagte Hartung. Er habe die Entwicklung in China als Kompassnadel ständig im Blick.

"In unseren wichtigen Branchen spüren wir eine Abschwächung der Konjunktur", ergänzte Finanzchef Markus Forschner. Die Knappheit bei Halbleitern und Rohstoffen werde die Autoproduktion weiter bremsen, so dass Bosch weltweit mit einer Fahrzeug-Produktion von 86 Millionen rechne nach 85 Millionen 2022. Der Umsatz des weltweit größten Autozulieferers soll in diesem Jahr steigen, die Ertragskraft sich verbessern. Genauer könne die Prognose nicht ausfallen.

HÖHERE PREISE TREIBEN WACHSTUM

Im vergangenen Jahr steigerte der Stiftungskonzern trotz Konjunkturschwäche, Kostenanstieg und Halbleitermangel Umsatz und Gewinn kräftig. Dazu hätten Preiserhöhungen beigetragen, doch auch die Nachfrage sei gestiegen, erklärte Hartung. Der Erlös erhöhte sich wechselkursbereinigt um zehn Prozent auf 88,4 Milliarden Euro. Der operative Gewinn des Konzerns, der auch mit Heiz- und Gebäudetechnik, Maschinen und Anlagen, Computerchips und Waschmaschinen sein Geld verdient, kletterte 2022 um eine halbe Milliarde auf 3,7 Milliarden Euro. Die Rendite verbesserte sich dank eines starken vierten Quartals auf 4,2 von 4,0 Prozent.

Belastet hätten neben gestiegenen Kosten hohe Vorleistungen zur Umstellung der Autozuliefersparte Mobility Solutions auf Elektromobilität. Die Hauptsparte steigerte den Umsatz wechselkursbereinigt um zwölf Prozent auf 52,6 Milliarden Euro. Zur Rendite wollten die Bosch-Manager auf Basis der vorläufigen Zahlen keine Angaben machen. Die Marge hatte 2021 nur 0,7 Prozent betragen nach Verlust im ersten Pandemiejahr 2020. Im vergangenen Jahr war sie Hartung zufolge positiv, aber deutlich unter dem langfristigen konzernweiten Ziel von sieben Prozent. Vor der Corona-Krise strebte Bosch noch acht Prozent an.

BESSERE BALANCE

Diese Zielrendite sieht Hartung frühestens 2024 in Reichweite. "In wirtschaftlich rauer See wollen wir Balance halten – zwischen der Sicherung unserer Ertrags- und Finanzkraft einerseits sowie Investitionen und möglichen Zukäufen andererseits", sagte Finanzchef Forschner. Die Beteiligung am Gartengerätehersteller Husqvarna soll über die angekündigten rund 12 Prozent aber nicht hinausgehen.

Bosch plane, sein über 60 Länder verteiltes Geschäft stärker als bisher international auszubauen, darunter in Ägypten, Indien, Mexiko, den USA und Vietnam. In Regionen, die bisher zu schwach seien, werde mehr investiert - so etwa in Mexiko eine Milliarde Euro bis Ende des Jahrzehnts. China bleibe als Markt, auf dem Bosch ein Fünftel seines Umsatzes erzielt und 55.000 der mittlerweile 420.300 Beschäftigten arbeiten, wichtig.

Seit sich die Abhängigkeit von Russland bei der Gasversorgung durch den Ukraine-Krieg als schwerer Fehler erwies, wird die Fixierung der Wirtschaft auf China von Politikern in Frage gestellt. Bosch sieht es wie die meisten Unternehmen anders. "Wir werden unseren Footprint nicht reduzieren", betonte Hartung. "Die chinesische Dynamik nutzen, das europäische Know-how stärken – wir stehen gut da, weil wir beides tun." Angesichts der Tendenz, die Globalisierung zurückzudrehen, warnte er vor Blockbildung in der Weltwirtschaft. Das gefährde Innovationskraft und Wohlstand. "Vor allem der Klimaschutz braucht internationale Zusammenarbeit." (Reuters)

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