Politik

Historisches Treffen in Peking: Saudi-Arabien und Iran starten Kooperation

Saudi-Arabien und der Iran normalisieren ihre Beziehungen – unter chinesischen Vorzeichen.
06.04.2023 09:00
Aktualisiert: 06.04.2023 09:51
Lesezeit: 3 min
Historisches Treffen in Peking: Saudi-Arabien und Iran starten Kooperation
Historisches Treffen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran in Peking. (Foto: dpa) Foto: Uncredited

Die geopolitischen Fronten im Nahen Osten sind in Bewegung geraten. Unter Vermittlung Chinas haben Saudi-Arabien und der Iran eine Normalisierung ihrer Beziehungen eingeleitet. An diesem Donnerstag findet in Peking ein Treffen der Außenminister beider Länder statt. Saudi-Arabien hatte die Beziehungen zum Iran 2016 gekappt, nachdem die Botschaft des Königreichs in Teheran während eines Streits zwischen den beiden Ländern über die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien gestürmt worden war.

Die Begegnung zwischen dem saudischen Prinz Faisal bin Farhan al Saud und seinem iranischen Amtskollegen Hossein Amirabdollahian stellt das erste formelle Treffen zwischen den Regierungen beider Staaten seit sieben Jahren dar. Ein zentrales Ziel des Treffens in Peking ist die Wiedereröffnung von Botschaften im jeweils anderen Land und die Nominierung eines Botschafters.

Entspannungspolitik

Beide Außenminister unterzeichneten eine entsprechende Vereinbarung. Innerhalb von zwei Monaten sollen demnach die Botschaften und Konsulate wieder eröffnet werden. Amirabdollahin erkärte auf Twitter, das Treffen mit seinem saudischen Amtskollegen sei „positiv“ gewesen. Der Schwerpunkt des Gesprächs habe auf „Stabilität, nachhaltiger Sicherheit und regionaler Entwicklung“ gelegen.

Im Zuge ihrer Annäherung wollen Saudi-Arabien und Iran auch wieder Flüge zwischen beiden Ländern anbieten. Die Außenminister unterzeichneten nach dem Treffen eine entsprechende Erklärung. Ein Zeitrahmen für die Wiederaufnahme der Flugverbindungen ging daraus nicht hervor. Auch wollen beide Staaten Visa-Vergaben für die Bürger des jeweils anderen Landes erleichtern, auch für Pilgerreisen von Iranern nach Mekka. Auch zu diesem Vorhaben wurden keine Details genannt. Reisen in die für Muslime heilige Stadt waren auch für iranische Staatsbürger bereits vorher möglich.

Beide Außenminister luden einander außerdem zu gegenseitigen Besuchen ein, um weitere Gespräche zu führen. Iranischen Angaben zufolge hatte Saudi-Arabiens König Salman Irans Präsidenten Ebrahim Raisi bereits im März zu einem Staatsbesuch eingeladen.

Beide Länder kündigten in ihrer gemeinsamen Erklärung zudem an, Handelsbeziehungen aufnehmen zu wollen. Riad und Teheran planen demnach außerdem Kooperationen unter anderem in Sicherheitsfragen und bei Investitionen.

USA verlieren im Nahen Osten an Einfluss

Die enorme geopolitische Bedeutung der Annäherung spiegelt sich in Aussagen eines iranischen Beamten wider. „Die Ära der Einmischung der Vereinigten Staaten in dieser Region ist vorbei. (…) Die Staaten der Region sind in der Lage, Sicherheit und Stabilität im Mittleren Osten ohne die Einmischung Washingtons zu bewahren“, zitiert Reuters den Beamten.

Auch wenn diese Darstellung übertrieben ist, weil die USA nach wie vor ein sehr bedeutsamer wirtschaftlicher und politischer Akteur in der Region bleiben werden, stellt die unter Vermittlung der Chinesen erreichte Annäherung doch eine politische Zeitenwende dar und bietet die Chance auf dauerhaften Frieden, weil zwei der erbittertsten Widersacher nun an einem Tisch sitzen.

Eine von der saudischen Zeitung Ascharq al Awasat zitierte Quelle aus dem Regierungsapparat sagte, der Ort des Treffens (Peking) spiegele die Bedeutung wieder, welche die chinesische Regierung für das Zustandekommen des Friedensprozess habe.

Pekings Rolle bei der Normalisierung der Beziehungen dürfte China in der Region und möglicherweise weltweit als diplomatische Kraft aufwerten. In den vergangenen Jahrzehnten waren die USA der entscheidende Mittler in der Region. Die USA verfügen bis heute über die mit Abstand größten militärischen Kapazitäten in Nahost und haben auch in Saudi-Arabien mehrere tausend Soldaten stationiert.

Indem Peking seinen Einfluss in der traditionell von Washington dominierten und äußerst rohstoffreichen Region ausbaut könnte es Amerika mittelfristig veranlassen, Kapazitäten aus dem westlichen Pazifik abzuziehen, welche dort als Gegengewicht zum erstarkenden China positioniert wurden.

Der Entspannungsprozess könnte dazu führen, dass mehrere regionale Konflikte schrittweise gelöst werden. Beispielsweise standen sich Saudi-Arabien und der Iran im Stellvertreterkrieg im Jemen gegenüber. Auch im Stellvertreterkrieg in Syrien sowie in den innenpolitischen Auseinandersetzungen im Libanon unterstützen beiden Seiten verschiedene Fraktionen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Geschäftsgründung ohne Kredit: Wenn Banken nicht an die Idee glauben
06.07.2026

Ein eigenes Café klingt nach Freiheit, Stil und Selbstbestimmung. Für Anella Veebel bedeutet es vor allem frühe Morgen, hohe Mieten und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Duale Ausbildung in der Krise: Deutschland verliert Azubis, andere Länder nicht
06.07.2026

In Deutschland gibt es heute rund ein Fünftel weniger Auszubildende als 2004. In Österreich fällt das Minus halb so stark aus, die...

DWN
Politik
Politik Umstrittene EEG-Reform: Grüne wollen Reiche in Ausschuss zitieren
06.07.2026

Wegen Verzögerungen bei der geplanten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wollen die Grünen Wirtschaftsministerin...

DWN
Politik
Politik Ukraine Drohnenkrieg: Warum Moskau plötzlich verwundbar wirkt
06.07.2026

Lange galt Russland als Gegner mit endlosem Atem, riesigen Ressourcen und strategischer Tiefe. Doch die Ukraine verlagert den Krieg...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Škoda Indien: „In China überleben nur die Stärksten“
06.07.2026

China galt lange als Pflichtmarkt für jeden Autobauer, der global mitspielen wollte. Doch Škoda zieht sich zurück und setzt stattdessen...

DWN
Politik
Politik Nato-Gipfel: Zahlreiche Festnahmen in der Türkei
06.07.2026

Die Behörden haben kurz vor dem Nato-Gipfel, der am 7. und 8. Juli stattfindet, ihre Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Razzien treffen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau: Reifenhersteller Conti verkauft Kunststofftechnik - Gewerkschaft warnt
06.07.2026

Schon seit längerem plant der Reifenhersteller Continental den Verkauf seiner Kunststofftechniksparte. Nun ist ein Käufer gefunden....

DWN
Finanzen
Finanzen Fiskalischer Spitzenreiter: Wie Deutschland seinen Bürgern am meisten abknöpft
06.07.2026

Eine Analyse zur Steuerbelastung in Europa zeigt für das Jahr 2026 eine bittere Wahrheit für deutsche Steuerzahler: Die Bundesrepublik...