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Die E-Gesellschaft – Wenn Politik Mensch und Natur zunehmend unter Strom setzt

Lesezeit: 10 min
09.04.2023 08:00
Die gesamte Gesellschaft soll systematisch elektrifiziert werden. Im Namen des Fortschritts und im Zeichen des Klimawandels wird dies politisch und gesetzlich mit Vehemenz vorangetrieben. Doch die Risiken werden allzu gern klein geredet oder tabuisiert.
Die E-Gesellschaft – Wenn Politik Mensch und Natur zunehmend unter Strom setzt
Neben bereits bestehenden Fernleitungen für Strom werden neue Masten für die Erweiterung der Netze in der Nähe einer Umspannstation bei Schwerin errichtet. (Foto: dpa)
Foto: Jens Büttner

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Welch ein Wahnsinnsprojekt: Fast die gesamte Gesellschaft, ja ungefähr das ganze Land soll systematisch elektrifiziert werden. Im Namen des Fortschritts und im Zeichen des Kli­ma­wandels wird dies jetzt politisch und gesetzlich mit Vehemenz vorangetrieben. Und zwar ohne dass kritische Rückfragen ernsthaft zum Zuge kämen, ob das am Ende wirk­lich fortschrittlich und ökologisch sinnvoll, also eine für Mensch und Natur auf die Dauer verträgliche Gesamtmaßnahme sein kann.

Die Chancen dieses Projekts hören sich einerseits wahnsinnig gut an: weg von fossilen Brennstoffen, weg von all dem üblen CO2-Ausstoß! Doch die Risiken auf die andere Seite werden allzu gern kleingeredet oder tabuisiert. Insofern könnte sich das Vorha­ben, ein ganzes Land unter Strom zu setzen, als Wahnsinnsprojekt im negativen Sin­ne entpuppen. Als wären all der Energie­verbrauch und E-Smog zu vernachlässigende Größen!

Drei Problemdimensionen eröffnen sich angesichts der gigantischen E-Pläne. Erstens ist zu fragen, wie realistisch ihre Umsetzung überhaupt ist. Zweitens ist das Problem der biolo­gi­schen Verträglichkeit von immer mehr Elektrizität in der Welt für uns Menschen ernsthaft zu prüfen. Und drittens stellt sich die Frage nach den ökologischen Aspekten. Über all diese Dinge könnte ein ganzes Buch geschrieben werden – was ich allerdings nicht vorhabe.

Problem Nr. 1: Wie praktikabel und realistisch ist die Strom-Wende?

Was zunächst die sogenannte Wärmewende angeht, so zielt sie bekanntlich darauf ab, dass Heizungen mit fossilen Brennstoffen möglichst zügig und mit wenigen Ausnahmen gegen Wärmepumpen, Fern­wärmesysteme und andere ökologisch vorteilhafte Heizungsarten aus­getauscht werden. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf den verschiedenartigen Wärme­pum­pen, die unbeschränkt verfügbare Umgebungswärme aus Luft, Erdreich oder Wasser effizient nut­zen und dazu nur eine vergleichsweise geringe Menge an elektrischem Strom benötigen sol­len.

Dieser lässt sich wiederum etwas preiswerter als der übliche Haushaltsstrom ansetzen. All das mag zunächst recht attraktiv klingen – doch der Wärmepumpenstrom ist auf die übli­chen Haushaltsstrommengen immer noch draufzurechnen. Lässt sich dies landesweit im Großmaß­stab realisieren? Experten befürchten, dass der dafür nötige Ausbau des Strom­netzes mit der Installation von Solarfarmen kaum wird Schritt halten können. Und seit Jahren war­nen Fach­leute aus der Elektrotechnik vor dem Problem der Stromverteilung. Allein hier in Deutschland umfasst das Stromnetz rund 1,8 Millionen Kilometer. Wie sollen da mehrere Hundertausende Kilometer von neuen Leitungen bis 2030 verbaut werden?

Zu den Kritikern der aktuellen politischen Pläne zählt Michael Thielemann. Er vermittelt als ehemaliger Professor für Thermodynamik und Energie­technik einen „quantitativen Einblick in die Anforderungen der strombasierten Wärme­wen­de“. Mit dem geplanten Öl- und Gashei­zungs­verbot geht es nach seiner Überzeugung nicht nur um immense Kosten für Haus­eigen­tümer und Mieter sowie um den Mangel an Fach­kräf­ten und vielleicht auch Materialien. Viel­mehr sei es insbesondere die backup-Leistung, die installiert werden müsse, um bei Dun­kel­flaute eine zuverlässige Wärmever­sorgung mit elek­trisch betriebenen Wärmepumpen zu er­mög­lichen. Weil der Wärmesektor beim Leis­tungsbe­darf großen Schwankungen unter­liege, bedürfe es technischer Möglich­keiten für längere Energie-Speicherung, so dass auch an sehr kalten Tagen niemand frieren muss. Die aber ist laut Thielemann mit derzeit verfügbaren Techniken unrealistisch.

Bei einer groben Abschät­zung des Leistungsbedarfs für Wärme­pumpen im Falle vollständiger Dekarbo­ni­sie­rung der Gebäudeheizungen, und zwar noch ohne Berücksich­tigung von Nichtwohn­bauten wie Läden, Verwaltungsgebäuden und Schulen, sei mit einem Bedarf von etwa 150 Gigawatt an zuver­lässig verfügbarer elektrischer Leistung zu rechnen, die jedoch nur an wenigen Tagen im Jahr benötigt werde. Hierfür bräuchte es rund 300 zusätzliche Gaskraft­werke. Zumal die aber den Großteil des Jahres nutzlos blieben, stehe die Frage im Raum, wer in diese Technik investie­ren wolle. Hinzu komme, dass vor allem angesichts hoher Strompreise und der Umstellung auf rein regenerative Stromerzeugung hier­zulande Wärmepumpen nur recht begrenzt einsetzbar sind. Thiele­mann leugnet die Ge­fahren durch die Erderwärmung keines­wegs, hält aber die „Gefahren für unsere Zivilisation durch einen Zusammenbruch der Ener­gieversorgung“ für viel größer.

Riesiger Strombedarf entsteht ja obendrein durch die zunehmende Umstellung des Auto­ver­kehrs auf E-Autos. Wie realistisch ist angesichts dessen die geplante E-Transformation? Bis auf Weiteres fahren die neuen E-Autos mit Strom, der zu nicht geringen Anteilen aus Kohle ge­wonnen wird, da eine ausreichende Stromversorgung durch Windenergie und Solar-An­lagen bekanntlich noch längst nicht gesichert ist. Dabei haben übrigens Windräder und Solar­anlagen ihrerseits einen gewissen Strombedarf. Und man sollte hierzu bedenken, dass der Wind jedesmal einen Teil seiner natürlichen Energie einbüßt, wenn er ein Windrad passiert. Von daher verwundert es wenig, dass die mittlere Wind­geschwindigkeit hierzulande seit über zehn Jahren immer mehr zurückgeht. Kai Rebmann konstatiert: „Einerseits wird also Strom aus Windenergie erzeugt, andererseits wird dem Wind aber durch eben diesen Vorgang die notwendige Energie entzogen…“ Zu alledem geht beim Ein- und Ausspeichern von Wind­energie oft mehr als die Hälfte der ursprünglichen Menge verloren.

Auch wenn die Politik versichert, sie wolle bei der Gesetzgebung „technikneutral“ vorgehen, läuft in der Realität das Meiste faktisch doch auf eine radikale Umstellung auf E-Tech­nolo­gien hinaus. Damit aber zeichnet sich eine besorgniserregende Unver­hältnismäßigkeit ab, denn Deutschland kann mit einem Anteil von rund zwei Prozent an der weltweiten CO2-Emis­sionen das Klima kaum nennenswert beeinflussen. Gemessen daran wirkt die geradezu revolutionäre Transformation in die E-Gesellschaft überzogen, ideologisch und im Gesamt­effekt aporetisch.

Problem Nr. 2: Wie biologisch verträglich ist die Strom-Wende für den Menschen?

Ein ganzes Land immer mehr unter Strom zu setzen, ist eine Zumutung für die Menschen – auch und gerade wenn viele von dieser Zumutung wenig oder nichts ahnen. Unser Planet ist von Natur aus umgeben von einer elektromagnetischen Hülle, ja von einem Ozean elektro­mag­netischer Strahlung. In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist diese Hülle immer mehr durch künstliche Strahlung ergänzt und gestört worden. Die Auswirkungen entsprechender Technologien auf die Gesundheit des Menschen werden zwar von Wirtschaft und Industrie ungern zugegeben, lassen sich aber immer weniger leugnen. Man lese nur Arthur Firstenbergs Buch „Die Welt unter Strom. Eine Geschichte der Elektrizität und ihrer übersehenen Ge­sund­heitsgefährdung“ (2021), um genauere Eindrücke von der breiten Streuung der elektri­schen Risiken zu gewinnen.

Der inzwischen hochbetagt verstorbene Berliner Medizinprofessor und Arzt Karl Hecht hat in einem Aufsatz von 2017 unterstrichen, dass sich die Bioelektrizität des Menschen messen lässt, und von daher auf dem Hintergrund zahlreicher Studien kritisiert: „Die Verschmutzung des lebenswichtigen natürlichen elektromag­netischen Ozeans mit elektrischer Energie (Elek­tro­smog) ist heute ein gravierender Eingriff ungeahnten Ausmaßes in die Natur und in das Leben der Menschen, der leider generell ignoriert, bagatellisiert und sogar hypochondrisiert wird, wenn Betroffene Hilfe für ihr Leiden suchen.“

Betroffen sind tatsächlich insbesondere die sogenannten Elektrohypersensiblen, deren Empfindlichkeit auf nieder- oder / und hoch­fre­­quente Strahlung meist mit mancherlei Vorerkrankungen zu tun haben dürfte. Hierfür sei vor allem auf die Bücher „Ständig unter Strom“ von Silvio Hellemann (2010), „Elektrosen­sibel. Strahlenflüchtlinge in der funk­ver­netzten Gesellschaft“ (2018) von den Ärztinnen Christine Ascher­mann und Cornelia Waldmann-Selsam sowie „Die unerlaubte Krankheit“ von Renate Haidlauf (2022) hingewiesen. Betroffenen wird durch die zunehmende Elektri­fizierung der Lebenswelt das Leben insgesamt sehr schwer gemacht. Und die E-Gesellschaft wird notgedrungen immer noch weniger Verständnis für jene Geplagten haben.

Doch auch Menschen, die elektromagnetische Strahlung nicht bewusst oder schmerzhaft wahrnehmen können, sind gesundheitlich durch immer mehr Strom um sie herum gefährdet. Für nähere Darle­gun­gen zum Thema sei auf das in 6. Auflage vorliegende, über 1000 Seiten umfassende Buch „Stress durch Strom und Strahlung“ von dem verstorbenen Baubiologen Wolfgang Maes verwiesen. Hier mögen zwei aktuelle Beispiele genügen – und zwar aus dem Bereich der Photovoltaik-Technologie und der E-Mobilität.

Photovoltaik (PV) dürfte in absehbarer Zeit zur Pflicht auch für private Dächer werden. Diese Maß­nahme wird dazu beitragen müssen, den steigenden Strombedarf in der E-Gesellschaft einigermaßen decken zu können. Das Bedenklichste sind da laut Expertenauskunft jene Emis­sionen, die von den soge­nann­ten Wechselrichtern ausgehen: Die erzeugen ebenso wie die wechsel­strom­füh­renden Lei­tungen hohe magnetische, nicht abschirmbare Wechselfelder. Be­sänfti­gend wird hierzu gern ange­führt, dass ja die Wechselrichter meist im Keller installiert seien und daher die Schlafzimmer nicht tangieren würden. Was aber, wenn manche Menschen – aus welchen Gründen auch immer – ihren Schlafraum im Keller haben? Gerade bei Elektro­sensiblen ist das häufig so, weil dort unten am wenig­sten Funk­strahlung hinzugelangen pflegt – was bisher galt, solange man sich funkende Strom- und Wasserzähler noch verbitten konnte.

Das Problem der Wechselrichter, die Gleichstrom und Gleich­spannung der Solarge­neratoren in 50 Hz-Wechselstrom- und Wechselspannung um­wandeln, reicht aber unter Umständen deutlich über den Keller hinaus. Denn entweder handelt es sich um billigere Wechselrichter ohne Trafo; von denen trennen aber manche nicht sauber zwischen der Wechselspan­nungs- und der Gleichstromseite, was ein selbst durch Erdung des Rahmens nicht ganz zu beseiti­gendes elektrisches Wechselfeld auf den Solarmodulen zur Folge hat. Oder die Wechselrich­ter sind mit einem Hochfrequenz-Trafo versehen – dann haben sie zwar geringere magneti­sche Wechselfelder, dafür jedoch hochfrequente Felder, wie man sie ähnlich vom Mobilfunk kennt.

Die ließen sich relativ leicht abschirmen, wird hier gern abge­wiegelt; doch was Ener­gie-Exper­ten hier mit dem Wörtchen „relativ“ bezeichnen, davon wissen Bau­biologen ein Lied zu singen. Reflektierendes Material kann nämlich Probleme mitunter sogar verstärken, wenn es ungünstig angebracht wird oder andere Strahlen­quellen hin­zukommen. Aufhorchen lassen sollte insbesondere auch der von den Exper­ten einge­räumte Umstand, dass die von Wechselrichtern erzeugten Rück­wirkungen ins Strom­netz durch das „Zerhacken“ des Gleich­stroms und dessen Umfor­men in Wechsel­strom hochfrequente Oberwellen, also Störspan­nungen erzeugen können. Die seien durch den Einsatz von Filtern zu vermeiden, heißt es; doch werden sich solche Maßnahmen einschließlich der Beratungskosten vielleicht nicht alle Interessierten und Aufgeklärten leisten können.

Zu den E-Autos wurde um den Jahresbeginn ein Test bekannt, der exemplarisch illustrierte: Die Strahlung, der man ausgesetzt ist, wenn man in einem Tesla-Wagen sitzt, ist so hoch, als hielte man sich rund einen halben Meter neben einer angeschalteten Mikrowelle auf. Das ent­spricht immerhin der Strahlung eines Mobilfunktelefons direkt neben sich oder am Kopf – und das die ge­samte Fahrzeit über. Schon im Oktober 2017 hatte ein Beitrag der RTL-Fernseh­sen­dung „Ex­plosiv“ über ein wissenschaftliches Experiment berichtet, mit einem Arzt als Fahrer eines elektronisch bestausgestatteten Pkws und überwacht durch Professor Wolfgang Schöll­horn vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Mainz.

Bei dem gründlich durchge­führten Versuch kam es zu einer überraschend großflächigen Aktivierung über unge­fähr alle Hirnareale hinweg, insbesondere unter WLAN-Strahlung. Die zunehmende E-Smog-Belas­tung des untersuchten Gehirns löste Symptome aus, die normalerweise nur unter hohem Stress vorkommen und sich dann auch aufs Herz auswirken können. Stärkere Abgeschla­gen­heit, Mü­digkeit und mangelnde Konzentrationsfähigkeit gelten als Folgen solcher Zustände. Bei einem späteren Versuch zeigte sich, dass das im Auto durch allerlei Strahlung erzeugte mag­ne­tische Wechselfeld um ein Mehrfaches über der Grenze lag, ab der Krebsgefahr aufkommt.

Krebsgefahr wird von manchen internationalen Studien auch bei der bald allgegenwärtigen Mobilfunk-Strahlung angenommen. Diese hochfrequenten, künstlich gepulsten elektro­magne­tischen Felder werden freilich im Interesse von Industrie und Wirtschaft, aber auch zahllosen Verbrauchern offiziell für harmlos und unschädlich erklärt. Doch 2021 verpflichtete das US-Bundesgericht die zuständige amerikanische Regulierungs­behör­de Federal Com­mu­ni­cation Commis­sion (FCC), endlich darzulegen, warum sie wis­sen­schaft­li­che Nachweise für Schädi­gungen durch drahtlose Strahlung seit vielen Jahren igno­riert habe. Und in Großbritannien wurde eine Klage in Sachen 5G-Mobil­funk zu­gelas­sen: Sie richtete sich gegen die Re­gierung, weil die Öffentlichkeit nicht ange­messen über die Risi­ken gesundheits­schädlicher Auswir­kungen von 5G und über indi­viduelle Schutz­mög­lich­kei­ten in­formiert worden sei – ja auch weil keine angemessenen und aus­reichenden Gründe für die unter­lassene Ermittlung ge­sund­heitsschädlicher Risi­ken die­ser Techno­logie vorgebracht worden seien.

Ein Abgeordneten-Briefing des Wissen­schaft­lichen Diensts des Europäischen Parlaments hatte im Jahr zuvor mit Blick auf die 5G-Technologie festgehalten: „Zusammen mit der Art und Dauer der Ex­posi­tion scheinen Eigenschaften des 5G-Signals wie das Pulsieren die biologischen und ge­sund­heitlichen Auswirkungen der Exposition zu verstärken, ein­schließlich der DNA-Schä­den, die als Ursache für Krebs angesehen wer­den.“ Mittlerweile belegen annähernd 1000 von 1600 wissenschaftlichen Studien im Mobil­funkbereich biolo­gische Wirkun­gen und Schädigungsef­fekte unterhalb der längst veralteten Grenzwerte. Die Meinungen bleiben gespalten – was aber bedeutet, dass es jedenfalls nicht risikolos ist, die E-Gesellschaft jetzt flächendeckend und auch im Innenbereich von Wohnungen und Kellern mit künstlich gepulster elektromag­neti­scher Strah­lung zu versehen. Für weitere Informationen zu diesem umstrittenen Gebiet sei auf das neu­este Buch von Professor Wilfried Kühling verwiesen, das in Kürze erscheint: „Bewer­tungs­dilemma Mobilfunk“ (2023).

Problem Nr. 3: Wie ökologisch verträglich ist Strom-Wende für die Natur?

Dass unter nieder- und hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auch Tiere und Pflanzen leiden können, ist über Jahre hin verschiedentlich beobachtet worden. Besonders eindrücklich sind dazu die jetzt in einem Fotoband dokumentierten Studien der Ärztin Cornelia Wald­mann-Selsam: Offenbar sind Bäume in der Nähe von Mobilfunksendern sichtlich betroffen, und zwar mitunter genau halbseitig, sofern sie zur Hälfte nicht im Funkschatten von Gebäu­den stehen. Mobilfunkstrahlung hat als Krankheitsursache und Therapiehindernis unter ande­rem der Schweizer Tierarzt Christian Métraux ausgemacht. Vom Meerschweinchen über Kat­zen und Hunde bis hin zu Pferden hat er einschlägige Beispiele gesammelt und erklärt: „Es reagieren nicht immer alle Tiere positiv auf die Entfernung einer DECT- oder WLAN-Anlage, aber die Häufigkeit des Zusammenhangs ist auffallend.“

Aber auch der Planet als ganzer – unsere „Mutter Erde“ – ist betroffen. So warnt Karl Hecht mit Blick auf die digitale Transformation mitsamt ihrem gigantischen Energieverbrauch und Funk­strahlen-Exzess drastisch: „Die Diktatur der Digitalisierung be­findet sich in einer Ent­wick­lung, dass sie der Menschheit auf unserem Planeten das Ende be­reitet.“ Und wenn all die ge­plante Umstellung von fossilen Brennstoffen auf elektrischen Strom der CO2-Minderung in der Atmosphäre und dem Verhindern einer weiteren Klima-Erwärmung dienen soll, dann höre man dazu den skeptischen Doppel-Professor Hecht: „Die thermi­schen Wirkungen dieses Systems bewir­ken ein sanftes Vergrillen des Lebens auf der Erde. Mensch, Tiere, Pflanzen. Es ist eine Er­wärmung der Hülle der mit 5G-Funknetzen be­stückten Erde zu erwarten.“

Ökologisch bedenklich: Die Digitalisierung und die Wärmewende dürften sich zunehmend als Stromfresser entpup­pen. Der TV-Meteorologe Sven Plöger warnt: „Während wir in anderen Berei­chen engagiert Wege diskutieren, um den Stromverbrauch zu senken, wächst der Ver­brauch der Digitaltechnologien still um jährlich 9 Prozent.“ Und Jürgen Merks erklärt: Wenn sich die Rechnerleistung pro Kilo­watt­stunde alle anderthalb Jahre verdoppele, gleichzeitig aber immer mehr Geräte produziert und genutzt würden und dabei deren verbaute Prozessor­leis­tung stark ansteige, verpuffe das Ein­spar­po­tenzial.

Allein das Internet habe zehnpro­zenti­gen Anteil am welt­weiten Stromver­brauch und liege damit auf Platz drei im interna­tio­nalen Län­der­ranking. Umgerechnet laufen für den Betrieb des Internets bereits an die 40 Großkraft­werke. Nament­lich die für die „stille Revolu­tion“ erforder­lichen Super­com­puter-An­lagen namens cloud ver­brau­chen gigan­tische Energie­mengen. Der Bund für Umwelt- und Natur­schutz Deutschland (BUND) warnt, die geplante Ver­netzung von Pro­dukten könne zu er­hebli­chen Mehrver­bräuchen von Energie und Res­sourcen führen – europa­weit sei an bis zu 70 Terawattstunden pro Jahr zu denken. Nicht zuletzt der Mobilfunk und seine thermischen Pro­zesse sind dabei zu bedenken. So warnte der deutsche Stromversorger E.on Ende 2019, durch den 5G-Mobil­funk werde der ohne­hin stark wachsende Energiebedarf von Rechen­zentren bis 2025 um 3,8 Mil­liarden Kilo­watt­stunden steigen.

Ökologische Probleme entstehen zudem bei der Entsorgung und Wiederverwertung von PV-Anlagen. Bislang gibt es nur wenige Unternehmen, die Solarmodule recyceln, so dass auch die übrigen Wertstoffe wie Silizium, Tellur, Indium oder Seltene Erden meist noch nicht wie­derver­wertet werden können. Bei millionenfach verbauter PV auf den Dächern fällt es nicht schwer, sich die Folgen für die Umwelt auszumalen, sofern auch nur ein Bruchteil nicht fach­gerecht entsorgt wird. Dabei sind all die fälligen Eingriffe in die Natur zur Gewinnung Sel­tener Erden und weiterer in Solarmodulen verbauter Rohstoffe noch gar nicht berück­sich­tigt.

Digitale Stromzähler sollen bekanntlich Strom sparen helfen. Doch wider Erwarten reduzieren die soge­nannten Smart Meter den Stromverbrauch mitnichten, wie heuer das Institut für öko­lo­gische Wirtschaftsforschung (IÖW) dargelegt hat. Im Gegenteil verbrauchen intelligente Zähler im Betrieb für Datensammlung, -verarbeitung und -transfer selber Strom. Bei einer sekündlichen Erfassung, die auch den Verbrauch einzelner Geräte erkennbar macht, summiert sich die Kli­mawirkung eines Smart Meter auf etwa 17 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Jahr, was etwa 40 Waschladungen mit einer herkömmlichen Waschmaschine entspricht.

Um Energie zu speichern, werden zu alledem unzählige Batterien benötigt, zu deren Her­stel­lung kritische Metalle wie und Kupfer, Kobalt und Mangan erforderlich sind deren Gewin­nung oftmals unter menschenunwürdigen und umweltverschmutzenden Bedingungen statt­findet. Auch die E-Mobilität sehen manche Forscher entsprechend kritisch. So erklärt etwa James Agresti als Präsident von Just Facts: „In Wirklichkeit können Elektroautos die Um­welt stärker belasten als herkömmliche Autos.“ Kurz und gar nicht gut: Die E-Gesellschaft ist ein ambitioniertes, jedoch höchst zweifelhaftes Ziel. Wann wird die Politik beginnen, hier ange­messen hinzuschauen, umzudenken und um­zulenken?

Vom Verfasser liegt eine neue Broschüre zum Thema vor: „Im Namen des sogenannten Fortschritts. Zur zunehmenden Einschränkung bürgerlicher Schutz- und Freiheitsrechte“ (pad-Verlag 2023).

Dr. theol. habil. Werner Thiede ist außerplanmäßiger Professor für Systematische Theologie an der Universität Er­lan­gen-Nürnberg, Pfarrer i.R. und Publizist (www.werner-thiede.de). Zuletzt erschien von ihm „Unsterblichkeit der Seele? Interdisziplinäre Annäherungen an eine Menschheitsfrage“ (2. Auflage, Berlin 2022); im Druck befindet sich das Büchlein „Himmlisch wohnen. Auferstanden zu neuem Leben“ (Leipzig 2023).

Gastbeiträge spiegeln nicht notwendigerweise die Sicht der Redaktion wider.

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