Unternehmen

Deutschlands einziger Silizium-Hersteller in akuter Schieflage

Der einzige deutsche Produzent von Rohsilizium ist in Schieflage geraten.
11.04.2023 16:00
Lesezeit: 2 min
Deutschlands einziger Silizium-Hersteller in akuter Schieflage
Eine Silizium-Kugel. Der einzige deutsche Rohsilizium-Produzent ist in Schieflage geraten. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Der einzige Hersteller von Rohsilizium in Deutschland, die RW Silicium GmbH im Landkreis Passau (auch „Rottwerk“ genannt), befindet sich in großen Schwierigkeiten. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, hat das Werk inzwischen drei der vier vorhandenen Öfen zur Herstellung von Rohsilizium stillgelegt.

Strompreis explodiert

Der Grund: angesichts der Explosion bei den Strompreisen sei ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlagen nicht mehr möglich, so das Unternehmen.

Der BR berichtet: „Die Hälfte der Herstellungskosten von Rohsilizium geht für den dafür benötigten Strom drauf. Und der sei mit Beginn der Ukrainekrise unbezahlbar geworden. Nach Firmenangaben ist der Energiebedarf des Silizium-Herstellers enorm: Der Stromverbrauch entspricht in etwa dem aller Privathaushalte der Großstadt Regensburg. Vor einigen Monaten lagen die Energiekosten für eine Tonne noch bei etwa 600 Euro. ‚Jetzt ist es knapp das Dreifache‘, so der Geschäftsführer. Das Rottwerk musste reagieren. Anfang des Jahres standen alle vier Öfen still. Die Belegschaft hatte keine Arbeit mehr. Am 1. März konnte zumindest eine Brennmaschine wieder hochgefahren werden.“

Wegen der ausufernden Strompreise, so das Unternehmen, sei man nicht mehr wettbewerbsfähig. Beispielsweise zahlten französische Konkurrenten weit weniger als die Hälfte der Stromkosten des Rottwerks, weil die französische Regierung die Preise gedeckelt hat. Ähnliches fordert der Silizium-Produzent auch von der Bundesregierung.

„Wir fordern - wie viele andere Industrien in der Branche - einen Industriestrompreis, wie er in vielen Ländern praktiziert wird. Mit dem man planbar produzieren kann. Sollte er nicht kommen, dann können wir hier am Standort tatsächlich nicht mehr produzieren“, zitiert der Bayerische Rundfunk den Geschäftsführer.

Silizium ist ein wichtiger Grundstoff für die Chemieindustrie und das verarbeitende Gewerbe und wird unter anderem in Solarzellen und Mikrochips eingebaut.

Die Explosion bei den Strompreisen wurde durch die Abwendung von fossilen Quellen zur Stromerzeugung und dem Ausstieg aus der Atomkraft ermöglicht. Schon seit Jahren gelten die Strompreise in Deutschland als die höchsten aller Industrieländer.

In Verbindung mit den von der Bundesregierung gegen preiswerte russische Energieträger wie Erdgas und Erdöl erlassenen Sanktionen hatte die Energiewende in den vergangenen Monaten zu rapiden Anstiegen bei den Strom- und Gaspreisen in Deutschland geführt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Kaffeepreis: Warum die billigste Bohne am Ende die teuerste ist
18.10.2026

Kaffee wird immer teurer. Doch wer jetzt zu günstigen Bohnen greift, könnte die nächste Preisexplosion selbst befeuern. Klimawandel,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Methanemissionen: Energiepreise – EU-Kommission will Klimaregeln verschieben
18.10.2026

In Brüssel werden Mittel gegen die ausufernden Energiepreise gesucht. Einen Weg sieht die Kommission darin, bestimmte Klimaregeln später...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbungsverfahren: Künstliche Intelligenz verändert die Auswahlkriterien
18.10.2026

Bewerber verfassen Bewerbungsunterlagen mit KI, Betriebe lassen die Maschine zumindest einen Teil der Vorauswahl machen. Das ändert die...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien kaufen: Der größte Fehler passiert lange vor dem ersten Aktienkauf
18.10.2026

Welche Aktie soll ich kaufen? Für viele Börsenanfänger ist das die wichtigste Frage überhaupt. Dabei entscheidet sich oft schon viel...

DWN
Technologie
Technologie Musks Flugauto: Tesla zeigt Sportwagen mit Raketendüsen
18.10.2026

Seit Jahren stellte Elon Musk ein Raketen-Auto in Aussicht - und der nun gezeigte Tesla Roadster kann dank Kaltgas-Düsen ein wenig...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zeekr greift BMW und Mercedes an: Ex-BMW-Manager rechnet mit Europas Autobauern ab
18.10.2026

In chinesischen Autofabriken verschwinden die Menschen, Roboter übernehmen ihre Arbeit. Während BMW, Mercedes und Audi unter Kostendruck...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Entsorgungswirtschaft warnt: mehr Brände durch Batterien
18.10.2026

Immer mehr Alltagsgegenstände enthalten fest verbaute Batterien, die nicht jeder überhaupt erkennt. Im Müllauto oder der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bald treffen die Giganten aufeinander: Die Wette auf Indien könnte lukrativer sein als die auf China
18.10.2026

Wenn nur zehn Prozent der Inder, die heute kein Auto besitzen, in den kommenden Jahrzehnten Eigentümer eines Neuwagens würden, sprächen...