Unternehmen

Die Krise trifft die deutschen Autobauer

Gerade die Deutschen haben weniger Lust auf deutsche Autos. Die Branche muss deutliche Auftragsrückgänge verkraften. In der Branche macht sich Ernüchterung breit.
03.08.2023 20:45
Aktualisiert: 03.08.2023 20:45
Lesezeit: 2 min
Die Krise trifft die deutschen Autobauer
Die Autobranche sieht pessimistisch in die Zukunft. (Foto: iStock.com/Kwangmoozaa) Foto: Kwangmoozaa

Die deutschen Autohersteller bewerten ihren Auftragsbestand so niedrig wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Das entsprechende Barometer brach im Juli auf 19,5 Punkte ein, von 56,5 Zählern im Juni, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit Januar 2021. Die Hersteller beurteilen ihren Auftragsbestand damit „auffallend zurückhaltend“, so das Fazit des Instituts. Nach Daten des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) gingen bei den deutschen Herstellern von Januar bis Juli acht Prozent weniger Aufträge ein. Dabei ging die Inlandsnachfrage mit einem Minus von 25 Prozent im ersten Halbjahr viel stärker zurück als Bestellungen aus dem Ausland, die per Ende Juli um fünf Prozent zurückgingen.

„Allerdings ist ein Rückgang in der Auftragsbewertung auch nicht ganz überraschend, war die Branche doch mit einem Auftragsstau ins Jahr 2023 gestartet, der nun dank verbesserter Lieferketten abgebaut wird“, sagte die Fachreferentin am Ifo-Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien, Anita Wölfl. Den Unternehmen fehlte es zeitweise beispielsweise an Halbleitern, weshalb viele Bestellungen nicht oder nur verzögert abgearbeitet werden konnten.

Pessimistisch in die Zukunft

Die deutschen Autohersteller und ihre Zulieferer schätzen zu Beginn der zweiten Jahreshälfte ihre aktuelle Geschäftslage schlechter ein. Dieses Barometer sank im Juli auf 23,6 Punkte, nach 27,1 Zählern im Juni. „Bei den Autobauern und ihren Zulieferern schwächeln aktuell die Aufträge“, sagte Wölfl. „Angesichts der weiterhin bestehenden Unsicherheit auf den globalen Märkten bleiben auch die Erwartungen der Autoindustrie für die kommenden Monate auf einem niedrigen Niveau.“

Die deutsche Automobilindustrie rechnet wegen abflauender Lieferprobleme mit höheren Zuwächsen in diesem Jahr als bisher, blickt aber weiter pessimistisch in die Zukunft. Für den europäischen Automarkt werde nun mit einem Wachstum von neun Prozent auf knapp 12,3 Millionen Fahrzeuge gerechnet, erklärte der VDA kürzlich. Zuvor war der Verband von einem Verkaufsplus von sieben Prozent ausgegangen. „Auch wenn wir ein Produktionsplus sehen, ist dies kein Zeichen für Entspannung“, warnte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Produziert wurden bis Juli mit 2,5 Millionen Fahrzeugen 31 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, das waren elf Prozent weniger als das Niveau von 2019, vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Der Absatz blieb noch gut ein Fünftel unter dem Volumen von 2019.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – der Betrug, den Politik und Banken gemeinsam möglich machten
17.03.2026

Zehn Milliarden Euro Schaden, tausende Beschuldigte – und bis heute keine politische Verantwortung. Der Cum-Ex-Kronzeuge und Autor Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Straße von Hormus im Krisenmodus: Globale Lieferketten geraten unter Druck
17.03.2026

Die faktische Blockade der Straße von Hormus bringt zentrale Handelsströme ins Stocken und treibt Energie- sowie Transportkosten weltweit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Entwurf zur EnWG-Reform bringt Reiche unter Druck – was das Netzpaket-Aus konkret bedeutet
17.03.2026

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche plant, den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien mit neuen Bedingungen zu versehen. Sie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ende der Zitterpartie: EU und USA einigen sich auf neuen Zoll-Pakt
17.03.2026

Hinter den Kulissen von Brüssel und Washington wurde lange gepokert, doch jetzt steht der Kurs fest: Die EU-Parlamentspräsidentin Roberta...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lichtblick am Ende des Tunnels: Autoindustrie nimmt 2026 wieder Fahrt auf
17.03.2026

Die Schockwellen der ersten Gewinnwarnungen verrauchen langsam. Dank eines starken Schlussspurts der Audi-Gruppe zeigt das Barometer für...

DWN
Politik
Politik Sondervermögen Schulden: Milliarden werden zur Stopfung von Haushaltslöchern missbraucht
17.03.2026

Etikettenschwindel bei den Staatsfinanzen? Das Münchner Ifo-Institut wirft der Bundesregierung vor, neue Milliardenschulden massiv...

DWN
Politik
Politik Nach Iran und Venezuela: Trump erhöht massiv den Druck auf Kuba
17.03.2026

US-Präsident Donald Trump nimmt nach Teheran und Caracas nun offenbar das nächste Ziel in den Fokus: Kuba. Mit einer offen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Brennende Tanker, blockierte Routen: Wie gelangt das Golf-Öl jetzt noch zum Kunden?
17.03.2026

Die Schlagader der Weltwirtschaft ist fast zum Erliegen gekommen: Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs wagen nur noch wenige Schiffe die...