Wirtschaft

Techpreise steigen: Günstige PCs und Smartphones vor dem Aus

Günstige Technik verschwindet schleichend aus dem Markt. Chipmangel, geopolitische Krisen und der KI-Boom treiben die Preise nach oben. Verbraucher und Unternehmen stehen vor einer neuen Kostenrealität.
06.04.2026 05:51
Lesezeit: 2 min

Techpreise steigen: Chipmangel und Geopolitik treiben Kosten nach oben

Steigende Preise erfassen zunehmend auch den Technologiesektor. Schon vor der Eskalation im Iran-Konflikt verteuerten sich Hardwareprodukte spürbar, vor allem aufgrund eines globalen Mangels an Speicherchips, der voraussichtlich noch länger anhalten wird. Zusätzlichen Druck erzeugen anhaltende Störungen in den Lieferketten. Die Folge: Die weltweiten PC-Auslieferungen dürften in diesem Jahr um 11,3 Prozent sinken. Im November lag die Prognose noch bei minus 2,4 Prozent. Das berichten unsere Kollegen der Business Post. Auch der Tablet-Markt gerät unter Druck. Das Marktforschungsunternehmen IDC erwartet, dass die Auslieferungen 2026 um 7,6 Prozent zurückgehen.

Die IDC-Zahlen wurden noch vor der Eskalation im Iran-Krieg erhoben. Das Unternehmen betont jedoch, dass der Konflikt eine weitere erhebliche Belastung für zahlreiche Branchen darstellt, insbesondere für Technologie und Hardware. "Die Liste an industrie- und geopolitischen Ereignissen wächst weiter. Entscheidungen zu treffen oder in manchen Bereichen überhaupt zu überleben, wird dadurch fast unmöglich", erklärt Ryan Reith, Gerätechef bei IDC. Er ergänzt, dass die entscheidende Frage inzwischen nicht mehr die Kostenhöhe sei, sondern die völlige Unsicherheit darüber, wann sich die Lage entspannen könnte.

Künstliche Intelligenz treibt Nachfrage und verschärft Chipmangel

Die starke Nachfrage nach Speicherchips hängt vor allem mit den massiven Investitionen in KI-Technologien zusammen. Branchenanalysten warnen, dass es keine kurzfristige Lösung für den Engpass gibt. Der Chipmangel könnte sich bis in die 2030er Jahre ziehen und weite Teile des globalen Technologiesektors belasten. Steigender Druck auf das Angebot führt fast zwangsläufig zu höheren Preisen. Genau das zeigt sich derzeit im Hardwaremarkt. Hersteller verkaufen zwar voraussichtlich weniger Geräte, erzielen jedoch höhere Einnahmen pro Verkauf. IDC rechnet damit, dass die PC-Umsätze um 1,6 Prozent auf 274 Milliarden Dollar steigen. Der Tablet-Markt könnte sogar um 3,9 Prozent auf 66,8 Milliarden Dollar wachsen. "Die Ära der günstigen PCs und Tablets ist vorerst vorbei. Steigende Durchschnittspreise und höhere Komponenten kosten verschieben die Marktverhältnisse deutlich", sagt Jitesh Ubrani, Analyst bei IDC.

Auch wenn sich die Preise möglicherweise vor 2030 leicht entspannen, dürfte das frühere Preisniveau kaum zurückkehren. Führende Speicherhersteller bauen ihre Kapazitäten zwar aus, doch bis ein Gleichgewicht erreicht ist, wird Zeit vergehen.

Techpreise steigen weiter: Stagflation und Strukturwandel drohen

Auch das Analysehaus Gartner erwartet einen deutlichen Rückgang bei den Verkaufszahlen. Die weltweiten PC-Auslieferungen dürften 2026 um 10,4 Prozent sinken, während Smartphone-Verkäufe im Vergleich zu 2025 um 8,4 Prozent zurückgehen könnten. Grund ist laut Gartner ein erwarteter Anstieg der Preise für DRAM- und SSD-Speicher um 130 Prozent bis Jahresende. Dadurch könnten sich PC-Preise um 17 Prozent und Smartphone-Preise um 13 Prozent erhöhen. Besonders betroffen ist das Einstiegssegment. Verbraucher investieren zunehmend in teurere Geräte, die länger genutzt werden sollen. Gartner geht davon aus, dass sich die Nutzungsdauer von PCs bis Ende 2026 um 15 Prozent im Unternehmensbereich und um 20 Prozent bei privaten Nutzern verlängert.

Das erhöht jedoch auch Risiken. Ältere Geräte sind anfälliger für Sicherheitsprobleme und erschweren das IT-Management. Langfristig könnte sich der Markt grundlegend verändern. Laut Gartner dürfte das Segment für PCs unter 500 Dollar bis 2028 vollständig verschwinden. Gleichzeitig sehen Analysten auch Chancen. Künstliche Intelligenz könnte künftig bis zu 60 Prozent der Störungen in Lieferketten automatisch beheben. Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen und Handelskonflikte steigt die Bedeutung automatisierter Analysen und Echtzeitdaten. Damit zeigt sich ein Paradox: KI treibt den Chipbedarf und damit die Kosten, könnte aber zugleich helfen, die strukturellen Probleme der Branche zu lösen.

Bedeutung für Deutschland: Höhere Techpreise belasten Wirtschaft und Verbraucher

Die Auswirkungen für den deutschen Markt sind erheblich. Steigende Techpreise treffen sowohl Unternehmen als auch Verbraucher. Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft könnten höhere IT-Kosten Investitionen bremsen. Gleichzeitig steigen für private Haushalte die Ausgaben für digitale Geräte, was die Konsumnachfrage beeinflussen könnte.

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