Politik

Westen fürchtet Wahlen in der Slowakei

Bei den Wahlen in der Slowakei am Samstag steht Ex-Premierminister Fico vor einem möglichen Comeback, der "keine einzige Patrone in die Ukraine schicken" will.
25.09.2023 14:52
Aktualisiert: 25.09.2023 14:52
Lesezeit: 2 min

Am Samstag wird in der Slowakei ein neues Parlament gewählt. Der Krieg in der benachbarten Ukraine hat das Land mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern gespalten. Für Unruhe bei den EU- und Nato-Partnern sorgt das mögliche Comeback von Ex-Premierminister Robert Fico.

Der 59-Jährige punktet im Wahlkampf mit seiner pro-russischen Haltung. Er kritisiert die Sanktionen gegen Russland und fordert eine Annäherung an Moskau, sobald der Krieg beendet ist. "Wir sind ein friedliches Land und werden keine einzige Patrone in die Ukraine schicken", rief Fico seinen Anhängern auf einer Wahlkampfveranstaltung zu. Auch einer baldigen EU-Mitgliedschaft der Ukraine erteilte er am Montag eine Absage.

Bislang steht die Slowakei fest an der Seite der Ukraine und hat das Nachbarland nicht zuletzt mit Waffenlieferungen unterstützt. In der jüngsten Ipsos-Umfrage lag die Smer-Partei von Fico mit 20,3 Prozent vor der liberalen Partei Progressive Slowakei (PS) mit 17,2 Prozent. Der PS-Parteivorsitzende Michal Simecka warnt, dass ein politischer Wechsel die Slowakei isolieren könnte. Er werde die Ukraine im Kampf gegen Russland weiter unterstützen.

Ein Sieg Ficos ist keine ausgemachte Sache. Von einer absoluten Mehrheit ist seine Partei weit entfernt und auch die Bildung einer Koalition dürfte schwierig werden. Acht Parteien - von den Liberalen bis zu den pro-russischen Nationalisten - könnten der Ipsos-Umfrage zufolge Sitze im Parlament gewinnen.

Noch vor wenigen Jahren galt die politische Karriere von Fico als beendet. Nach der Ermordung des Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten Martina Kušnírová, die Massenproteste in der Slowakei auslöste, trat Fico zurück. Nun verspricht er seinen Wählern, die nationalen Interessen zu verteidigen, die militärische Unterstützung für die Ukraine zu beenden und jegliche Sanktionen gegen Russland abzulehnen, die der Slowakei schaden könnten.

SORGE ÜBER MÖGLICHEN KURSWECHSEL

Nach dem Zusammenbruch der Mitte-rechts-Regierung ist seit Mai eine Übergangsregierung aus Technokraten und Beamten im Amt. In Brüssel und darüber hinaus wird befürchtet, dass Fico sich im Falle eines Wahlsieges mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban verbünden könnte. Das wiederum erhöht die Möglichkeit einer Konfrontation mit der EU über Rechtsstaatlichkeit, den Krieg in der Ukraine und Migrationsthemen.

Doch Brüssel hat ein Druckmittel: Es kann den Geldhahn mit Verweis auf die Rechtsstaatlichkeit zudrehen. Die Slowakei benötigt die Mittel jedoch dringend. Das Haushaltsdefizit dürfte in diesem Jahr mit 6,85 Prozent des Bruttoinlandsprodukts das höchste in der Eurozone sein.

Es bleibt offen, ob und wie Fico seine Aussagen aus dem Wahlkampf tatsächlich umsetzen würde. Sein Pragmatismus während früherer Amtszeiten, als er die Slowakei in den Euro führte und Auseinandersetzungen mit Partnern aus der EU und Nato weitgehend vermied, mildert einige Bedenken. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Uvex: Wie der Skibrillen-Hersteller von den Olympischen Winterspielen profitiert
13.02.2026

Bei den Olympischen Winterspielen 2026 ist Uvex auf den Pisten und im Eiskanal allgegenwärtig. Athleten wie Skispringer und...

DWN
Politik
Politik Kakaopreis unter Druck: Schwache Nachfrage und wachsende Lagerbestände belasten den Markt
13.02.2026

Der Kakaopreis ist auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen, weil steigende Produktion und schwächere Nachfrage den...

DWN
Politik
Politik Klimawandel: Umweltminister kritisiert US-Pläne zur Lockerung von Klimaregeln
13.02.2026

Die US-Umweltbehörde will eine zentrale Regel zur Regulierung von Treibhausgasen aufheben. Bundesumweltminister Schneider nennt das...

DWN
Politik
Politik Bürokratie-Debatte der EU: Von der Leyen kritisiert nationale Auflagen
13.02.2026

Der Streit über Bürokratie und Wettbewerbsfähigkeit in der EU verschärft sich, nachdem Ursula von der Leyen die Mitgliedstaaten in die...

DWN
Finanzen
Finanzen Pfandbriefbank-Aktie stürzt auf Rekordtief: Immobilienkrise belastet länger als erwartet
13.02.2026

Die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) findet keinen Boden. Trotz des teuren Rückzugs aus dem US-Markt zwingt die schleppende Erholung der...

DWN
Politik
Politik NATO-Einsatz über Island: Deutsche Eurofighter starten zur Arktis-Mission
13.02.2026

Deutschland verstärkt seine Präsenz im hohen Norden. Wie Verteidigungsminister Boris Pistorius auf der Münchner Sicherheitskonferenz...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftsstandort Deutschland: Wie Zukunftspessimismus die Wirtschaft bremst
13.02.2026

Ein düsterer Blick in die Zukunft und eine zunehmende gesellschaftliche Spaltung belasten den Standort Deutschland immer stärker. Laut...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau-Jobs in Gefahr: Deutscher Anlagenbau baut 22.000 Stellen ab
13.02.2026

Die anhaltende Konjunkturflaute hinterlässt tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt der deutschen Schlüsselindustrie. Im Jahr 2025 ist die Zahl...