Immobilien

Deutsche Bank: Ende der Baurezession in Sicht

Laut Deutsche Bank Research-Prognosen sollte die Zahl der Fertigstellungen im Wohnungsbau im Jahr 2024 nur leicht fallen - trotz des jüngsten Nachfrageeinbruchs. Die Baurezession soll dann im Laufe des Jahres zu Ende gehen. Erfreuliche Nachrichten für die krisengeschüttelte Branche.
24.01.2024 08:30
Lesezeit: 2 min
Deutsche Bank: Ende der Baurezession in Sicht
Es gibt vorläufige Anzeichen für eine Stabilisierung des Bausektors. (Foto: dpa)

Nachdem das Geschäftsklima im Dezember laut dem Ifo-Institut auf einen Tiefpunkt sank, gibt es überraschende und durchaus willkommene Nachrichten: In der zweiten Jahreshälfte 2024 dürfte die Baurezession zu Ende gehen und der Bausektor sollte anfangen sich zu stabilisieren nach einem realen Investitionsrückgang von acht Prozent über vier Jahre.

Das sind die Prognosen von Experten der Deutschen Bank Research in ihrem „Ausblick 2024“ mit besonderem Bezug auf Bauinvestitionen in Deutschland im Jahr 2024. Jochen Möbert, Volkswirt und Immobilienexperte bei Deutsche Bank Research, kommentierte dass das Research-Team zunächst von einem weiteren starken Rückgang in dem Bau-Sektor ausging, und daher überrascht war, dass die Daten vielversprechend aussehen.

Möbert erläuterte: „Im Jahr 2023 sinkt die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen auf rund 260.000 (Daten werden im Mai 2024 veröffentlicht), nach 354.000 im Jahr 2022 und 380.000 im Jahr 2021. Wir prognostizieren, dass die Zahl der fertiggestellten Wohnungen im Jahr 2023 nur noch 214.500 und im Jahr 2024 211.900 betragen wird.“ Dabei handele es sich um eine modellgestützte Prognose, die die historische Elastizität der Genehmigungen in Bezug auf die Hypothekenzinsen und das Verhältnis zwischen Genehmigungen und Fertigstellungen berücksichtige, fügte er hinzu.

Das Deutsche Bank Research Team geht davon aus, dass sich die Hypothekenzinsen bis Ende des Jahres bei 3,8 Prozent seitwärts bewegen werden.

Hintergrund: 2023 ein Krisenjahr für die Baubranche

Das Jahr 2023 war ein besonders schwieriges für die Baubranche und für Projektentwickler, unter anderem wegen erheblich angestiegenen Baukosten und Kreditzinsen nach aggressiven Zinserhöhungszyklus der EZB. Das Neugeschäft der Baubranche ging spürbar zurück. Viele Bauverbände blickten Anfang 2024 mit Sorge in das Jahr – vor allem wegen deutlich eingebrochener Auftragseingänge im Wohnungsbau-Sektor.

Der Zentralverband des Baugewerbes - Interessenvertretung mittelständischer Bauunternehmen - erwartet im Jahr 2024 einen Umsatzeinbruch von minus 13 Prozent im Bauhauptgewerbe. Der Verband fordert einen grundlegenden Wandel in der Wohnungsbaupolitik mit besseren Förderungs- und Abschreibungsbedingungen für Hausbauer und einfacheren Bauvorgaben für die Branche.

Deutsche Bank Ausblick: Stabilisierung des Sektors im Jahr 2024

Die Prognose 2024 wird gestützt durch eine Robustheitsprüfung, so Möbert: „Im Jahr 2013 wurden 214.800 Wohnungen gebaut. Damals betrug die Auftragsreichweite 2,9 Monate und die Kapazitätsauslastung 72,9 Prozent. Im November 2023 betrugen diese Variablen 3,7 Monate und 71,0 Prozent. Unsere Prognosen dürften also selbst bei einer weiteren Verschlechterung der Auftragslage ein guter Richtwert sein.“

Sollte die Bank-Vorhersage für die fertiggestellten Wohnungen zutreffen, würde der Auftragsbestand im Wohnungsbau über das Jahr 2024 leicht zulegen. Im Jahr 2023 gab es eine Seitwärtsbewegung.

Starker Anstieg in Tiefbau-Anträgen

Bereits im zweiten Halbjahr 2023 haben sich die Aufträge und Genehmigungen im gewerblichen Bereich etwas verbessert. „Im Tiefbau führte die Energiewende sogar zu einem sprunghaften Anstieg der Großaufträge. Vor allem der Bau der Energieinfrastruktur, die Windenergie von der Ostsee nach Süddeutschland transportieren soll (Südlink), ließ die Aufträge in die Höhe schnellen", sagte der Immobilienexperte.

Diese Faktoren würden dazu beitragen, die Baukonjunktur im Jahr 2024 zu stabilisieren.

Bauinvestitionen im Tiefbau würden voraussichtlich um 1,0 Prozent zunehmen, doch dagegen würde der Wohnungsbau und der Wirtschaftsbau um 2,8 Prozent beziehungsweise 1,8 Prozent zurückgehen, sodass sich für die gesamten Bauinvestitionen ein Minus von 2,5 Prozent ergeben würde. Die Bank wies darauf hin, dass dies jedoch hauptsächlich auf einen negativen Wachstumsüberhang im Jahr 2023 und eine weitere Schrumpfung im ersten Halbjahr 2024 zurückzuführen sei. Danach sollte der Bausektor anfangen, sich zu stabilisieren.

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Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

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