Finanzen

Goldpreis-Rekord: Ist das endlich der lang ersehnte Ausbruch in einen neuen Megazyklus?

Gold wird vom Bullenmarkt mit nach oben gerissen und erreicht einen neuen Rekordpreis. Umfangreiche Zinssenkungen könnten den Goldpreis im Jahresverlauf weiter Richtung 3.000 Dollar katapultieren. Aber diese Phantasie ist bei weitem nicht der einzige treibende Faktor.
03.03.2024 16:00
Lesezeit: 3 min
Goldpreis-Rekord: Ist das endlich der lang ersehnte Ausbruch in einen neuen Megazyklus?
Der Goldpreis ist im Aufwind und könnte die Marke von 2000 Dollar bald endgültig hinter sich lassen. (Bild: iStock.com/Olivier Le Moal) Foto: Olivier Le Moal

Der Goldpreis erreichte am Freitag ein neues Rekordhoch. Zum Handelsschluss kostete eine Feinunze (rund 31,1 Gramm) im US-Futures-Handeln 2.095 US-Dollar, was 1.933 Euro entspricht. Noch nie war Gold zum Handelsschluss zu teuer. Im Tagesverlauf hatte der Goldpreis ein einziges Mal höher gelegen, und zwar Ende Dezember bei 2.135 Dollar.

Seit Mitte Februar geht es mit dem Goldpreis nach oben. Zuletzt hatte die Spekulation auf Zinssenkungen großer Notenbanken im Verlauf des Jahres für steigende Preise gesorgt. Da eine Anlage in Gold keine Rendite im Sinne von laufenden Erträge abwirft, sollten fallende Kapitalmarktzinsen tendenziell die Goldnachfrage erhöhen.

Geopolitische Nachfrage stützt Goldpreis

Das gelbe Edelmetall hatte sich indes im letzten Jahr trotz steigender Zinsen als erstaunlich stabil erwiesen. Normalerweise sorgen hohe Zinsen für einen fallenden Goldpreis, weil die Opportunitätskosten des Haltens von Gold sehr viel höher sind als bei niedrigen Zinsen. In diesem Zyklus hat sich diese Korrelation bisher nicht manifestiert – mögliche Gründe gibt es viele, darunter eine starke geopolitische Nachfrage durch Zentralbanken und teils auch Privatanleger.

Die Nachfrage der Zentralbanken war auch im vergangenen Jahr hoch und erreichte mit netto 1.037 Tonnen beinahe das im Jahr 2022 markierte Rekordvolumen von 1.082 Tonnen. Der Goldschmuck-Bedarf blieb 2023 hingegen konstant mit weltweit rund 2.100 Tonnen. Zuletzt war die hier die Nachfrage aus China wieder massiv angestiegen.

Auch die Investment-Nachfrage im Reich der Mitte ist stark. Chinesen haben im Januar große Mengen des Edelmetalls aus Hongkong importiert. Deutsche Anleger hingegen haben sich zuletzt von großen Mengen Gold getrennt.

Edelmetallhändler Dominik Sperzel von Heraeus erklärte den jüngsten Preisanstieg mit geopolitischen Spannungen nach den jüngsten Aussagen des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Kremlchef hat den Westen in seiner Rede zur Lage der Nation am Vortag vor dem Einsatz von Bodentruppen gewarnt. "Das Edelmetall wird damit seinem Ruf als sicherer Hafen gerecht“, so Sperzel.

Finanzmarkt erwartet baldige Zinssenkungen der Zentralbanken

Die PCE-Inflationsrate in den USA fiel im Januar mit plus 2,6 Prozent so niedrig aus wie zuletzt im Februar 2021. Die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) achtet in erster Linie auf den PCE-Indikator und peilt einen Zielwert von 2 Prozent an. Am Freitag haben schwache Konjunkturdaten aus den USA die Zinssenkungserwartungen zusätzlich verstärkt. So hat sich die Stimmung in der US-Industrie und auch beim Konsumklima im Februar unerwartet eingetrübt.

Die Fed hat ihre Kommunikation im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank (EZB) bereits in Richtung Zinssenkungen verändert. Aber Marktbeobachter erwarten, dass es auch in Europa bald zu geldpolitischen Lockerungen kommen wird.

Ist das endlich der Ausbruch?

Das Fachportal Goldreporter gibt folgenden Ausblick für die nächsten Wochen: „Von Gewinnmitnahmen in den Vorwochen ging es nun tendenziell Richtung FOMO (Fear Of Missing Out). Das heißt, mehr Goldspekulanten bekommen plötzlich Angst, etwas zu verpassen. Mit dem neuen Allzeithoch und dem Kurssprung am Freitag setzt sich der Goldpreis deutlicher von der wichtigen Schwelle von 2.000 US-Dollar nach oben ab. Die Aussichten auf die nächste ´Zündstufe´ in der Goldpreis-Entwicklung könnte nun noch mehr Händler zurück auf den Goldmarkt locken.“

Gold steckt seit fast vier Jahren in einer Bandbreite zwischen grob 1.700 und 2.000 Dollar fest. Nun konnte sich der Goldpreis drei Monate lang über 2.000 halten. Wenn diese Marke endlich dauerhaft gebrochen wird, ist viel möglich – gerade, weil der Goldpreis von kommenden Zinssenkungen zumindest nicht negativ beeinflusst werden dürfte und von seinem Status als sicherer Hafen im aktuellen geopolitischen Umfeld profitiert.

Der Goldpreis verläuft stets in längeren Zyklen, das muss Goldinvestoren bewusst sein. Die letzten beiden Megazyklen waren 2008 bis 2011 und 2019. Aktuell könnten wir wieder am Anfang eines neuen solchen Zyklus zu sein. Die nächste Zielzone läge dann bei um die 2.500 bis 3.000 Dollar.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie iFLYTEK AINOTE Air 2 bringt KI-gestützte Notizen in ein noch kompakteres E-Ink-Tablet

Für viele Menschen sind die besten Produktivitätstools diejenigen, die nicht versuchen, den gesamten Arbeitstag zu übernehmen. Sie...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elon Musks ehemaliger Mitbewohner: „Wir wussten, dass der Mars das Ziel war“
04.07.2026

Vor 25 Jahren hat er Elon Musk davon abgeraten, ein Raketenunternehmen zu gründen. Heute bezeichnet er den SpaceX-Gründer als den...

DWN
Politik
Politik Vor den US-Kongresswahlen ist Trump so unbeliebt wie nie zuvor – doch er hat einen Trumpf im Ärmel
04.07.2026

Donald Trump geht mit schlechten Umfragewerten in die US-Kongresswahl, mittlerweile ist er unbeliebter als Vorgänger Joe Biden. Doch kurz...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mexiko: Dank niedriger Löhne sind sie wettbewerbsfähig
04.07.2026

Im vergangenen Jahr wurden dort 4,09 Millionen Fahrzeuge produziert, womit das Land weltweit den siebten Platz einnimmt. Die Branche...

DWN
Finanzen
Finanzen Blitzer, Fahrverbot, Unfallschäden: Die wichtigsten Verkehrsrechtsurteile für Autofahrer in Deutschland
04.07.2026

Einen Moment unaufmerksam, ein Blitzer – und wenig später liegt der Bescheid im Briefkasten. 2025 haben mehrere Gerichte entschieden,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mini JCW im Test: Kleiner Flitzer mit großem Preis
04.07.2026

Der Mini JCW fährt sich sportlich, direkt und auffällig wie kaum ein anderes Auto seiner Größe. Doch der Fahrspaß hat seinen Preis,...

DWN
Panorama
Panorama 250 Jahre USA: Warum viele nicht mehr an den amerikanischen Traum glauben
04.07.2026

Die Vereinigten Staaten blicken auf 250 Jahre Geschichte zurück. Doch während das Land sein Jubiläum begeht, wächst die Skepsis über...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unternehmen setzen auf KI: Wer braucht schon Horden von Managern?
04.07.2026

Unternehmen bauen weltweit mittlere Führungsebenen ab und setzen stärker auf KI, Daten und flachere Strukturen. Was das konkret für die...

DWN
Panorama
Panorama Sechs tote Mitarbeiter in Stade – Schwiegermutter von SPD-Migrationsbeauftragtem fuhr Fluchtwagen
03.07.2026

In einer Jugendeinrichtung im niedersächsischen Stade sind sechs Mitarbeiter erschossen wurden. Nun werfen sowohl die Recherchen zur...