Unternehmen

Rettung doch noch möglich? Galeria verhandelt mit zwei Bietern und kämpft „um jede Filiale“

Ist eine Rettung der insolventen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof doch noch möglich? Vier Investoren haben offenbar Interesse am Kauf, mit zwei soll final verhandelt werden. Der vorläufige Insolvenzverwalter von Galeria gibt weitere Details bekannt - und den ambitionierten Zeitplan.
27.03.2024 07:42
Lesezeit: 3 min
Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Es sind wichtige Tage für Galeria Karstadt Kaufhof, und auch für den vorläufigen Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus. Im Kampf um die Rettung des Unternehmens ist er bei der Suche nach einem neuen Eigentümer einen Schritt vorangekommen. „Es gibt Menschen, die in Galeria investieren wollen - nicht nur einen, sondern mehrere. Und das sind ja auch absolut gute Nachrichten“, sagt er. Dies zeige, dass das Warenhaus aller Unkenrufe zum Trotz eine Zukunft habe.

Der Verkauf von Galeria ist längst noch nicht abgeschlossen, das Verfahren nicht mal eröffnet. Dennoch ist Denkhaus in dem Gespräch etwas Erleichterung und auch Genugtuung anzumerken. Am Wochenende ist die Frist zur Abgabe verbindlicher Kaufangebote abgelaufen. Vier sind laut Denkhaus eingegangen, mit zwei Interessenten will er nach Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss nun final verhandeln. Zusammen mit Galeria-Chef Olivier van den Bossche nennt Denkhaus einige Details zum Stand des Verkaufsprozesses.

Wer sind die Kaufinteressenten?

Die Namen der möglichen Investoren nennen Denkhaus und van den Bossche nicht. Nur so viel: Beide Interessenten hätten große Erfahrungen im deutschen Einzelhandel und verfügten über die erforderlichen finanziellen Mittel. Damit sei es möglich, „Galeria als Ganzes fortzuführen“, so Denkhaus.

Ihm zufolge handelt es sich um Unternehmen mit deutschem Hintergrund und internationalen Finanzierungspartnern, aber nicht um Finanzinvestoren. Zwei Fragen seien bei der Auswahl ausschlaggebend gewesen: Haben die Interessenten die Finanzkraft, Galeria zu stabilisieren und in eine gute Zukunft zu führen? Und: Ist die Transaktionssicherheit des Angebotes im April gegeben? Dies sei bei beiden übrig gebliebenen Bietern der Fall.

Ringen um Rettung der Filialen

Offen ist nach wie vor, wie viele der aktuell 92 Galeria-Filialen bestehen bleiben. Denkhaus und van den Bossche halten an der roten Linie fest: Das Ziel lautet 60 plus X. „Wir versuchen, das bestmögliche Filialnetz zu erhalten und kämpfen wirklich um jede Filiale“, beteuert Denkhaus. Eine wichtige Rolle dabei spielen die Mietverhandlungen. Im Zentrum stehen die Filialen in Signa-Immobilien, wo Galeria nach eigenen Angaben bis zu 35 Prozent des Umsatzes als Miete zahlt.

Denkhaus sieht die Verhandlungen auf einem guten Weg. Er strebt je nach Filiale eine Umsatzmiete von sieben bis elf Prozent an, in den Flagship-Stores vielleicht etwas mehr. „Es macht keinen Sinn, eine Filiale mit mehr als 30 Prozent Mietbelastung fortzuführen, dafür finden wir auch keinen“, so Denkhaus. Zuletzt hatte er bereits angekündigt, dass Standorte geschlossen werden müssen, wenn es kein Entgegenkommen gebe.

Das Geschäft in den Filialen läuft derweil normal weiter. Kunden können sich darauf einstellen, dass die Herbst-Kollektionen auch bei Galeria den Weg in die Regale finden. Die Saisonwaren seien schon bestellt, sagt van den Bossche. Trotz der Insolvenz gebe es keine Probleme mit Lieferanten. Dabei habe es geholfen, den Lieferanten „eine Bestätigung geben zu können, dass 60 plus X Filialen erhalten bleiben sollen“.

Auch wenn ein Großteil der Filialen bleiben sollte, müssten viele der insgesamt 12 800 Galeria-Beschäftigten um ihren Job bangen. Denkhaus hält sich bedeckt: Das sei abhängig von den Gesprächen mit den Vermietern und davon, wie viele Standorte übrig bleiben.

Wie geht es jetzt weiter?

Etwas deutlicher wird Denkhaus im Hinblick auf die Unternehmenszentrale in Essen. Hier werde es leider einen Arbeitsabbau geben müssen“. Galeria müsse mittelständisch aufgestellt sein, in Essen gebe es teilweise jedoch „immer noch Konzernstrukturen“. Die Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat laufen demnach, das gilt auch für die Suche nach einem neuen Firmensitz. „Mir wäre persönlich am liebsten, dass wir so nah wie möglich bei unseren Kunden in einer Filiale sind“, sagt van den Bossche.

„Unser Zeitplan ist ziemlich ambitioniert“, sagt der Galeria-Chef. Eine wichtige Hürde auf dem Weg zur Rettung will das Unternehmen in der kommenden Woche nehmen. Denkhaus hat nach eigenen Angaben ein Gutachten beim Amtsgericht Essen eingereicht, wo die Warenhauskette im Januar den Insolvenzantrag gestellt hat. Sind die Antragsgründe gegeben und die Kosten des Verfahrens gedeckt, kann das zuständige Gericht das Insolvenzverfahren Anfang April eröffnen. Die Gläubiger können dann ihre Forderungen gegenüber Galeria anmelden.

Wenn das Gericht ihn zum Insolvenzverwalter bestellt, übernimmt Denkhaus vorerst die Geschäfte. Neben den Gesprächen mit Vermietern führt er die Verhandlungen mit den beiden Kaufinteressenten. Die bieten für das restrukturierte Unternehmen. Wie dieses konkret ausgestaltet ist, wird im Insolvenzplan stehen, den Denkhaus erstellen wird. Der Jurist will noch im April den wesentlichen Teil der Mietverträge und -nachträge unterzeichnen - sowie den Verkauf mit dem Investor beim Notar beurkunden. „Das ist das goldene Tor, durch das wir schreiten müssen“, sagt er. Ein Verkauf ist aber nur dann möglich, wenn die Gläubigerversammlung im Mai dem Insolvenzplan zustimmt. (dpa)

Mehr zum Thema
article:fokus_txt

 

X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Finanzen
Finanzen Harvard steigt in Bitcoin ein und widerlegt die eigenen Professoren
29.08.2025

Harvard und Brown halten Millionen in Bitcoin-Fonds. Damit bricht die Kryptowährung endgültig in die Welt der etablierten Finanzeliten...

DWN
Panorama
Panorama Arbeitslosenzahl in Deutschland steigt auf drei Millionen – schuld ist nicht nur das Sommerloch
29.08.2025

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland erreicht im Sommer ein Niveau wie seit Jahren nicht mehr. Saisonale Faktoren und wirtschaftliche...

DWN
Panorama
Panorama F-16-Absturz in Polen: Pilot stirbt bei Flugschau-Vorbereitung
29.08.2025

In Polen stürzt ein F-16-Kampfjet während der Flugschau-Vorbereitung ab – der Pilot stirbt. Der Vorfall wirft sicherheitspolitische...

DWN
Technologie
Technologie DKB-Störung: Kunden bundesweit vom Online-Banking und der App abgeschnitten
29.08.2025

Die Deutsche Kreditbank kämpft aktuell mit einer massiven Störung. Weder Login noch Überweisungen funktionieren zuverlässig – Kunden...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Reallöhne in Deutschland steigen im zweiten Quartal weiter an
29.08.2025

Die Reallöhne in Deutschland entwickeln sich positiv und versprechen für viele Beschäftigte eine Entlastung. Doch nicht alle Branchen...

DWN
Politik
Politik Benzinpreise in Russland steigen auf Rekordniveau: Ukrainische Drohnenangriffe verschärfen die Krise
29.08.2025

Russland steckt mitten in der schwersten Benzinkrise seit Jahren: Raffinerien brennen, Tankstellen rationieren, und die Benzinpreise in...

DWN
Finanzen
Finanzen Wenn Sie Nvidia verpasst haben: Warum die AMD-Aktie jetzt im Fokus steht
29.08.2025

Die AMD-Aktie steht im Schatten von Nvidia, könnte aber Anlegern, die auf den nächsten großen Wachstumswert setzen wollen, spannende...

DWN
Politik
Politik Von Mietpreisbremse bis Margenbegrenzung: Österreichs Sozialist Babler agiert wie Populist Vučić
29.08.2025

Österreichs Vizekanzler Babler setzt auf strikte Mietpreisregulierung – ähnlich wie Vučić auf Preisdeckel für Händler. Doch...