Finanzen

Tarifverhandlungen 2024 könnten Preisanstieg befeuern - Inflationsspirale droht

Die anstehenden Tarifverhandlungen in den großen Industrien bedrohen die Preisstabilität in Deutschland: Eine IW-Studie sieht das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) in Gefahr.
18.04.2024 11:36
Aktualisiert: 18.04.2024 11:36
Lesezeit: 2 min
Tarifverhandlungen 2024 könnten Preisanstieg befeuern - Inflationsspirale droht
Die Gewerkschaft Verdi i ist im Tarifstreit an mehreren Verhandlungen beteiligt gewesen und hat mehrfach zu Warnstreiks ausgerufen (Foto: dpa). Foto: Robert Michael

Die anstehenden Tarifverhandlungen in Schlüsselbranchen wie der Chemie-, Bau- und Bankenbranche könnten zu einem erneuten Anstieg der Inflation führen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervor. „Beharren die Gewerkschaften auf ihre hohen Forderungen, könnte dies auch die Inflation wieder hochtreiben,“ warnt die Studie.

Bundesweit sind die Tariflöhne seit dem Ende der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise sowie der Eurokrise um fast 38 Prozent gestiegen – ein Trend. Dieser macht sich im produzierenden Gewerbe mit einem Anstieg von über 40,6 Prozent besonders stark bemerkbar. Im Dienstleistungssektor sind die Löhne um 37,5 Prozent gestiegen.

Dies steht in starkem Kontrast zu einem Produktivitätszuwachs von lediglich elf Prozent im gleichen Zeitraum. „Die Löhne koppeln sich immer mehr von der Produktivität ab“, erklärt die Studie des IW.

„Gewerkschaften sollen Maß halten“

Die aktuelle Entwicklung zwingt laut IW die Unternehmen, die gestiegenen Kosten durch höhere Preise auf die Verbraucher abzuwälzen, was wiederum die Kaufkraft mindert.

„Die Krisen der letzten Jahre haben dazu beigetragen, dass die Kosten explodiert sind. Hohe Energiekosten, fehlende Fachkräfte, eine schwache Konjunktur belasten die Unternehmen immens,“ erklärt Hagen Lesch, Tarifexperte des IW.

Überzogene Lohnabschlüsse könnten laut Lesch die Inflation weiter anheizen und die Geldpolitik beeinflussen: Für die Europäische Zentralbank (EZB) würde es dann immer schwieriger, ihr Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen. In einem solchen Fall müsste die Zentralbank länger an ihrem restriktiven Kurs festhalten. „Das würde das Wachstum weiter bremsen und ist ein Szenario, das niemand wollen kann. Die Gewerkschaften sind deshalb gut beraten, Maß zu halten,“ betont der Experte, um eine stabile wirtschaftliche Entwicklung nicht zu gefährden.

Involvierte Gewerkschaften

In der IW-Studie geht es um Tarifverhandlungen 2024 in mehreren Schlüsselbranchen der Volkswirtschaft. Dabei wird die Gewerkschaft Verdi (Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft) erwähnt. Sie deckt die Verhandlungen für eine breite Palette von Dienstleistungsberufen ab.

Die Branchen, in denen 2024 Tarifverhandlungen stattfinden, sind der Verkehrssektor, das Bauhauptgewerbe, die chemische Industrie, die Metall- und Elektroindustrie und das Bankgewerbe​​. Dabei sind mehrere Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) aktiv involviert gewesen. Zu diesen gehören die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), IG Metall, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi).

Diese Gewerkschaften vertreten eine breite Palette von Branchen und setzen sich für die Interessen einer Vielzahl von Beschäftigten ein. Dabei verfolgen sie unterschiedliche spezifische Ziele und Forderungen in den Verhandlungen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Farhad Salmanian

Zum Autor:

Farhad Salmanian arbeitet bei den DWN als Online-Redakteur. Er widmet sich den Ressorts Politik und Wirtschaft Deutschlands sowie der EU. Er war bereits unter anderem für die Sender BBC und Radio Free Europe tätig und bringt mehrsprachige Rundfunkexpertise sowie vertiefte Kenntnisse in Analyse, Medienbeobachtung und Recherche mit.

DWN
Panorama
Panorama Zehn Gramm zu wenig kosten Bäcker 15.000 Euro
26.08.2026

Zehn Gramm zu wenig können teuer werden: Ein Kunde beschwert sich über ein halbes Brot und setzt eine kostspielige Kette in Gang. Nun...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Während Nike in China schwächelt, wächst die freche Kopie
26.08.2026

Die chinesische Kopie von Nike Jordan ist im Heimatmarkt riesig geworden, während Nike an Boden verloren hat. Das passt zu einem Trend,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Nvidia beendet vor Zahlenvorlage siebentägige Verlustserie
25.08.2026

Spannung an den US-Börsen: Wie Tech-Riesen und Konjunkturdaten die Wall Street bewegen.

DWN
Politik
Politik Was soll künstliche Intelligenz, wenn sich die EU nicht einmal auf den Saftkarton einigen kann?
25.08.2026

Europa will bei künstlicher Intelligenz mit den USA und China konkurrieren. Doch im eigenen Binnenmarkt scheitern Unternehmen noch immer...

DWN
Politik
Politik Milliardenloch bei der Arbeitslosenversicherung: Kommen höhere Beiträge?
25.08.2026

Im Juli gab es über drei Millionen Menschen, die arbeitslos gemeldet sind. Damit liegt die Arbeitslosenquote bei 6,4 Prozent. Tendenz...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bei VW wächst der Druck auf Blume
25.08.2026

Bei Volkswagen wächst die Unruhe: Tausende Jobs und vier Werke stehen auf dem Spiel, doch die Belegschaft fühlt sich vom Vorstand im...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Aktien: Investoren suchen jetzt Gewinner in China und kaufen diese Werte
25.08.2026

Mit dem chinesischen Aktienmarkt sind mehrere Risiken verbunden. Doch zwei Schwergewichte unter den Investoren sehen in Chinas...

DWN
Finanzen
Finanzen Eli Lilly, Novo Nordisk & Co.: Superpillen werden die Wirtschaft verändern - doch wer verdient daran?
25.08.2026

Medikamente zur Gewichtsregulierung gelten als einer der größten Wachstumsmärkte der kommenden Jahrzehnte. GLP-1-Präparate könnten...