Politik

Wahlbetrug bei EU-Wahl: Präparierte Stimmzettel in Bayern aufgetaucht!

Handelt es sich um einen Wahlfälschungsversuch? In der Stadt Bad Reichenhall ist es zu Unregelmäßigkeiten bei Briefwahlunterlagen für die Europawahl gekommen. Ein unbekannter Täter soll Stimmzettel vorab angekreuzt haben.
23.05.2024 15:19
Lesezeit: 2 min

Im oberbayerischen Bad Reichenhall (Berchtesgadener Land) ist es zu gravierenden Unregelmäßigkeiten bei Briefwahlunterlagen für die Europawahl am 9. Juni gekommen. Stimmzettel wurden vorab angekreuzt. Es gehe um mehrere Fälle, bestätigte die Staatsanwaltschaft in Traunstein. Ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt sei eingeleitet worden.

In Bad Reichenhall wurde ein schwerwiegender Fall von Wahlmanipulation aufgedeckt. Eine Bürgerin fand präparierte Stimmzettel vor. Der Frau, die im Rathaus per Briefwahl abstimmen wollte, war aufgefallen, dass sich auf ihren Unterlagen bereits ein Kreuz für eine bestimmte Partei befand. Um welche Partei es sich handelte, wurde zunächst nicht bekannt.

Daraufhin wurde im Rathaus festgestellt, dass in mindestens vier weiteren Fällen Stimmzettel manipuliert waren. Da nicht auszuschließen ist, dass noch mehr Stimmzettel betroffen sind, hat die Stadt alle Briefwähler gebeten, ihren Stimmzettel auf mögliche Eintragungen zu prüfen.

Kripo Traunstein ermittelt

Die betroffenen Stimmzettel wurden ersetzt, und alle weiteren auszugebenden Stimmzettel werden nun vor ihrer Ausgabe auf Unversehrtheit hin überprüft. Der Wahlleiter und der Oberbürgermeister haben daraufhin Strafanzeige bei der Kriminalpolizei gestellt, die bereits Ermittlungen aufgenommen hat. Diese werden unter der Federführung der Staatsanwaltschaft Traunstein vom Staatsschutzkommissariat der Kriminalpolizei in Traunstein geführt. Der Vorfall wurde zudem an die Rechtsaufsicht und die Landeswahlleitung gemeldet.

Oberbürgermeister Christoph Lung betonte die Bedeutung der polizeilichen Ermittlungen: „Gerade in Zeiten, in denen von mehreren Seiten versucht wird, die Legitimation von demokratischen Wahlen zu untergraben, ist ein solcher Eingriff in den Wahlablauf wahrlich kein Kavaliersdelikt und gehört auf das schärfste bestraft. Wir tragen alles in unserer Macht Stehende dazu bei, den Vorfall aufzuklären und eine ordnungsgemäße Wahl sicherzustellen. Wir schaffen mit dieser Pressemitteilung Transparenz und wollen die Bürger sensibilisieren, ohne allerdings Täterwissen zu verraten.“

Wähler sollen Stimmzettel überprüfen

Da nicht auszuschließen ist, dass weitere ausgegebene Stimmzettel betroffen sind, werden alle Briefwähler gebeten, ihren Stimmzettel vollständig zu entfalten und daraufhin zu überprüfen, dass keine vorherigen Eintragungen erfolgt sind. Sollten weitere Stimmzettel bereits Kennzeichnungen eines Wahlvorschlags enthalten, bittet das Wahlamt der Stadt Bad Reichenhall unter Tel. 775-240 um entsprechenden Hinweis. Die betroffenen Stimmzettel werden dann ausgetauscht, um die freie und geheime Ausübung des Stimmrechts zu gewährleisten.

Mehrere Maßnahmen wurden ergriffen, um sicherzustellen, dass die Briefwahl und die Urnenwahl am 9. Juni ohne weitere Beeinträchtigungen ordnungsgemäß ablaufen können.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

DWN
Finanzen
Finanzen Investmentchancen: Korea, Luxus, Wasser – wo jetzt Rendite lockt
20.09.2026

Die Börsen stehen nahe ihren Rekorden, doch einige Anleger suchen ihre Chancen ausgerechnet dort, wo es zuletzt besonders wehgetan hat....

DWN
Panorama
Panorama KI-Kunst: Kreative Revolution oder seelenlose Kopie?
20.09.2026

Zurzeit gibt es viel Kritik an KI-generierter Kunst. Die Argumente klingen vertraut: „seelenlos“, „bloße Reproduktion des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten im Alter: Was Senioren wirklich im Job hält
20.09.2026

Ältere Beschäftigte werden auf dem Arbeitsmarkt plötzlich dringend gebraucht. Doch wer Senioren länger im Job halten will, kommt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arktis-Korridor: Wird Russlands Nordroute zur Gefahr für europäische Häfen?
20.09.2026

Der Chef von Rosatom sagt: Russland müsste etwa 100 Milliarden Euro investieren, wenn es die Arktisroute in einen echten Logistikkorridor...

DWN
Politik
Politik Merz unter Druck: Öffnet sich für Söder das Kanzleramt?
20.09.2026

Markus Söder hat Kanzlerambitionen mehrfach ausgeschlossen. Doch nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt und wachsendem Druck auf Friedrich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiskrieg in der Autoindustrie: Warum Rabatte die Zukunft gefährden
20.09.2026

Europas Autobauer liefern sich einen Preiskampf ausgerechnet in einer Phase, in der sie Milliarden für ihre technologische Zukunft...

DWN
Immobilien
Immobilien Schlafen überm Edeka: Wie das Baurecht Wohnen im Gewerbegebiet blockiert
20.09.2026

Obwohl bundesweit 1,4 Millionen Wohnungen fehlen und Millionen Quadratmeter Gewerbefläche leer stehen, verbietet die Baunutzungsverordnung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rhein Group: Draghi versammelt Europas Machtelite
19.09.2026

Mario Draghi hat Europas wirtschaftliche Schwächen analysiert. Jetzt will er handeln: Mit der Rhein Group versammelt der frühere...