Politik

Wagenknecht-Partei: Umfragehoch des BSW entfacht Koalitionsdebatte

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) verzeichnet laut einer aktuellen Umfrage in Thüringen 21 Prozent Zustimmung und könnte somit entscheidend bei der Regierungsbildung mitwirken. Welche Reaktionen zeigen die anderen Parteien? Und was bedeutet das für die Bundespolitik?
19.06.2024 17:05
Lesezeit: 2 min
Wagenknecht-Partei: Umfragehoch des BSW entfacht Koalitionsdebatte
Sahra Wagenknecht und ihre Partei Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) könnte entscheidend bei der Regierungsbildung in Thüringen mitwirken (Foto: dpa). Foto: Soeren Stache

Aktuelle Umfrageergebnisse aus Thüringen verstärken die Diskussionen über mögliche Koalitionen mit der Wagenknecht-Partei (BSW). Der Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, ließ am Dienstag nach der Ost-Ministerpräsidentenkonferenz in Wittenberg offen, ob seine SPD eine Koalition mit der BSW in Thüringen eingehen würde. "Wir schließen eine Koalition mit der AfD aus. Ansonsten streben wir an, so stark wie möglich zu werden und in Thüringen eine regierungsfähige Mehrheit zu erreichen", sagte er auf einer Pressekonferenz, an der auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) teilnahm. Schneider stammt selbst aus Thüringen.

Scholz betonte lediglich, dass ein Bündnis mit der Wagenknecht-Partei auf Bundesebene für ihn nicht infrage komme. "Die Politik, die für den Bund vorgeschlagen wird, ist das Gegenteil von dem, was richtig ist. Sie führt zurück, isoliert unser Land, destabilisiert die Wirtschaft und gefährdet unsere Sicherheit." Zu Koalitionen mit der BSW auf Landesebene äußerte er sich nicht direkt.

AfD und Wagenknecht-Partei in Thüringen gemeinsam fast bei 50 Prozent

Laut einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des MDR liegt die AfD mit 28 Prozent klar vorn und käme zusammen mit der BSW (21 Prozent) fast auf 50 Prozent der Stimmen. CDU (23), SPD (7) und Linke (11) erreichen zusammen nur 41 Prozent, während Grüne und FDP nicht im Landtag vertreten wären.

Da alle anderen Parteien einschließlich der Wagenknecht-Partei ein Bündnis mit der AfD ausgeschlossen haben, wäre bei diesem Ergebnis derzeit nur eine Regierungsbildung mit der BSW möglich. Auch die CDU hat ein solches Bündnis nicht ausgeschlossen.

Das neue Umfrageergebnis wurde kurz vor dem Treffen der Ost-Ministerpräsidenten mit Scholz bekannt. Mit diesem Ergebnis wären "zwei extreme Parteien in der absoluten Mehrheit", sagte der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, Reiner Haseloff (CDU). Es müssten nun "klare Zeichen" gesetzt werden, um dies zu verhindern. Darüber herrschte beim Treffen mit Scholz parteiübergreifende Einigkeit.

Haseloff: Kanzler ist "nicht das Problem"

Haseloff hatte bereits vor den Beratungen die Ergebnisse der Europawahl als "Supergau" bezeichnet und ein deutliches Umsteuern, vor allem in der Migrationspolitik, gefordert. Den Kanzler nahm er jedoch in der gemeinsamen Pressekonferenz in Schutz. "Der Bundeskanzler als Person ist in diesem Zusammenhang nicht das Problem." Er verwies darauf, dass Scholz auch auf die Koalitionspartner FDP und Grüne Rücksicht nehmen müsse.

Bei der Europawahl wurde die AfD trotz interner Querelen und Spionagevorwürfen in allen fünf ostdeutschen Flächenländern stärkste Kraft. Für die Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen am 1. September sowie in Brandenburg am 22. September werden ähnliche Ergebnisse erwartet.

Ostdeutsche Regierungschefs fordern Kurskorrekturen

Die ostdeutschen Regierungschefs verlangen von der Bundesregierung nun Kurskorrekturen, unter anderem bei der geplanten Krankenhausreform. Der bisherige Entwurf bedrohe die Planungshoheit der Länder in dünn besiedelten Gebieten, kritisieren sie. Sie fordern Ausnahmeregelungen, um besonders Kliniken im ländlichen Raum zu erhalten.

Scholz sagte zu, die Anliegen der Länder im weiteren Prozess zu berücksichtigen. Man werde die verbleibenden Fragen gemeinsam lösen, im Osten Deutschlands seien bereits umfangreiche Strukturreformen erfolgt, so Scholz. Es gehe daher nicht um Standorte, sondern darum, maximale Effizienz im Gesundheitswesen zu erreichen, und man habe sich auf eine gute Zusammenarbeit verständigt.

Auch in anderen Gesundheitsfragen plädieren die ostdeutschen Länder für Veränderungen. Wegen des drohenden Ärztemangels fordern sie bei der Vergabe von Studienplätzen mehr Freiheiten für die Länder, um mehr Absolventen nach dem Medizinstudium vor Ort zu halten. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) betonte, dass das Thema Gesundheit im ländlichen Raum bei den Wahlen zuletzt entscheidend war. Bis 2030 gehen viele Ärzte im Osten in den Ruhestand.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Cartier Tank oder Santos – welche ist zeitloser?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Design-Kenner sehen in der klar reduzierten Tank das zeitlosere Statement, während die vielseitigere...

DWN
Politik
Politik Tiefe Gräben beim Staatsvertrauen: Wie die Bürger das politische System bewerten
24.09.2026

Während eine breite Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland nach wie vor auf die Qualität der Demokratie vertraut, offenbart eine neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Audi China-Modelle: Diese Elektroautos will Audi in Deutschland stoppen
24.09.2026

Audi entwickelt Elektroautos eigens für China, doch plötzlich stehen sie bei Händlern in Deutschland. Was wie ein Erfolg der eigenen...

DWN
Politik
Politik EuGH-Urteil zu Energiepreisen: Grundsatzentscheidung stärkt Rechte der Verbraucher und widerspricht dem BGH
24.09.2026

Jahrelang zu hohe Beträge für Wärme gezahlt? Nach einer Grundsatzentscheidung des Europäischen Gerichtshofs verjähren...

DWN
Technologie
Technologie Rückgang bei Industrierobotern: Deutschland droht im weltweiten Wettlauf den Anschluss zu verlieren
24.09.2026

Trotz seiner führenden Rolle bei der industriellen Automatisierung in Europa gerät der Standort Deutschland im globalen Vergleich ins...

DWN
Politik
Politik Atempause beim Tanken vorbei? Spritpreise steigen wieder an
24.09.2026

Autofahrer müssen nach einer kurzen Verschnaufpause an den Zapfsäulen wieder mit höheren Ausgaben rechnen. Obwohl Benzin und Diesel im...

DWN
Technologie
Technologie Experten schlagen Alarm: Forderungen nach grundlegendem Umdenken bei KI-Konzernen
24.09.2026

Angesichts potenziell unkontrollierbarer Gefahren durch Künstliche Intelligenz dringen Fachleute auf neue Regeln für die führenden...

DWN
Politik
Politik Subventionen für Europas Industrie: Deutschland und Frankreich uneins bei EU-Förderregeln
24.09.2026

Um der teuren Energie sowie dem Druck aus China und den USA zu trotzen, fordert die europäische Industrie staatliche Hilfen. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen Gute Noten mit Schwachstellen: Deutsche Banken bestehen Krisencheck
24.09.2026

Ein umfassender Belastungstest der Aufsichtsbehörden bescheinigt den kleineren und mittleren Finanzinstituten in Deutschland eine...