Unternehmen

Luxus-Kaufhaus Galeries Lafayette dicht - wie geht es weiter in Berlins Mitte?

Schluss mit Champagner und teuren Handtaschen: Der einzige deutsche Standort der französischen Kaufhauskette in Berlin hat geschlossen. Wie es mit der Immobilie weitergeht, wird hitzig diskutiert. Auch, ob die Friedrichstraße überhaupt eine Shopping-Meile ist. Historisch war es eher die Straße der Kaschemmen und Varietés. Der frühere Senatsbaudirektor hat das stets ignoriert.
03.08.2024 07:41
Lesezeit: 4 min
Luxus-Kaufhaus Galeries Lafayette dicht - wie geht es weiter in Berlins Mitte?
Eingang im Untergeschoss vom Luxuskaufhaus Galeries Lafayette an der Friedrichstraße in Berlin-Mitte. Die französische Kaufhauskette Galeries Lafayette hat ihre Berliner Filiale im Quartier 207 Ende Juli geschlossen. (Foto: dpa) Foto: Bernd von Jutrczenka

Über den Regalen und Vitrinen glänzen noch die Logos der Luxusmarken, deren Produkte hier einst standen: Ralph Lauren, Chanel, Lacoste. Doch kaufen kann man sie nicht mehr. Kurz vor der Schließung des französischen Warenhauses Galeries Lafayette auf der Friedrichstraße steht der größte Teil der Fläche bereits leer.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Untergeschoss, der Feinkost- und Lebensmittelabteilung. Die teuren Champagner und Weine, die gut duftenden Teesorten: Fast alles weg. Lediglich in der Fischabteilung ist die Auslage noch gut gefüllt. An den Restauranttischen verzehren Gäste die letzten Doraden-Gerichte, die hier serviert werden.

Touristenmagnet auf der Friedrichstraße

Fast 29 Jahre alt ist die Galeries Lafayette in ihrem imposanten Glasbau geworden, wenn sie am 31. Juli zum letzten Mal die Türen öffnen wird. Dann ist Schluss. Von einem Traditionskaufhaus lässt sich wohl noch nicht sprechen. Das KaDeWe in der Tauentzienstraße in Berlin-Charlottenburg gibt es immerhin seit fast 120 Jahren. Doch ein Touristenmagnet und zentraler Anlaufpunkt auf der Friedrichstraße war die Galeries allemal.

„Die politische und die emotionale Relevanz liegt deutlich über der Marktrelevanz“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen. „Schließlich war die Galeries Lafayette auch immer eine besondere Quelle französischer Lebensart und Kultur in Berlin.“

Hunderte standen zur Eröffnung Schlange

Die Kaufhauskette zog im Februar 1996 in den vom französischen Stararchitekten Jean Nouvel entworfenen Glaspalast. In den 90er Jahren sei das auch ein Aufbruchsignal für die Hauptstadt gewesen, betont Busch-Petersen. "Damals blickte kaum jemand nach Berlin, und dann setzt da die Galeries Lafayette ihre erste Auslandsdependance überhaupt hin."

Hunderte Menschen standen bei der Eröffnung Schlange. Es war der erste und bis heute einzige Standort der französischen Warenhauskette in Deutschland. Auf 8000 Quadratmetern lockten exklusive Mode und Spitzengastronomie aus dem Nachbarland.

Doch wie andere Kaufhausketten geriet die Galeries in den vergangenen Jahren wirtschaftlich ins Schlingern. Die Schließung sei «eine Folge der sich veränderten Konsumgewohnheiten in Deutschland und der erheblichen Veränderungen auf dem Einzelhandelsmarkt der Stadt», teilte das Unternehmen im Oktober 2023 mit, als es das Ende verkündete.

Von den einst 190 Beschäftigten sollen am letzten Arbeitstag am 31. Juli noch 150 tätig sein, teilte ein Sprecher mit. Mit den Arbeitnehmervertretungen sei ein Interessenausgleich und Sozialplan vereinbart worden, der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „bestmöglich“ unterstützen soll.

Galeries Lafayette auch in Frankreich mit Problemen

Die Warenhauskette geriet auch in ihrem Heimatland zeitweise in schwieriges Fahrwasser. Neben dem Hauptgeschäft im Zentrum von Paris, den Galeries Lafayette Haussmann, wo die Warenhauskette 1894 ihren Ursprung nahm, gibt es in Frankreich 56 weitere Lafayette-Kaufhäuser, von denen 30 als Franchise-Unternehmen betrieben werden.

Wegen finanzieller Probleme waren 26 dieser Franchise-Kaufhäuser in mittelgroßen Städten zuletzt von der Schließung bedroht. Im März gab es grünes Licht für einen Rettungsplan, mit dem die Groupe Lafayette dem Franchise-Nehmer und Eigentümer dieser Häuser 70 Prozent seiner Millionenschulden erließ, im Gegenzug zu zugesagten Investitionen in die Häuser.

Bürgermeister gegen Schließungspläne

Die Bürgermeister betroffener Städte waren Sturm gelaufen gegen die Schließungspläne, da die Warenhäuser ähnlich wie etwa die Kaufhof-Filialen in Deutschland eine prägende Rolle im Stadtbild und für den örtlichen Handel haben. Wie in Deutschland mussten auch in Frankreich in der letzten Zeit etliche Bekleidungsketten Insolvenz anmelden, mit dem Problem von Leerständen gerade in mittelgroßen Zentren. Die Immobiliengesellschaft der Galeries Lafayette investiert unterdessen in die Struktur und Architektur der Kaufhäuser in größeren Städten wie Marseille oder Paris. Das Ziel ist, die in die Jahre gekommenen Kaufhäuser zu echten Freizeitzielen zu machen.

Hitzige Diskussion um Nachnutzung

Wie es in Berlin mit dem Standort weitergeht, ist hingegen ungewiss. Seit fast einem Jahr wird vor allem ein Vorschlag heiß diskutiert: Kultursenator Joe Chialo (CDU) will die Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) in die Friedrichstraße bringen. Für die Institution, die an ihren beiden Standorten in Mitte und Kreuzberg dringenden Sanierungsbedarf hat, wird seit Jahren ein neuer Platz gesucht.

Das Projekt sei nicht einfach nur „nice to have“, sagte Chialo kürzlich. „Ich erachte das für die Zukunft Berlins als eines der wichtigsten Projekte, die wir haben.“ Schließlich rede man über die Kulturinstitution mit den meisten Besuchern in der Stadt. Allerdings sind noch viele Fragen völlig unklar – etwa, wie das Projekt überhaupt finanziert werden soll. Im Doppelhaushalt 2024/2025 sind zumindest keine entsprechenden Mittel vorgesehen.

Gebäudeeigentümer: Verfolgen mehrere Optionen zur Nachnutzung

Ein erstes Kaufpreisangebot für den Gebäudekomplex hatte Chialo 2023 auf 589 Millionen Euro beziffert. Die Summe setze sich aus dem Grundstückswert, dem Gebäudewert und der Finanzierung zusammen. Mittlerweile liege man in den Verhandlungen mit dem Gebäudeeigentümer aber „auf jeden Fall drunter“, sagte er – ohne Details zu nennen.

Auch Büroräume sind in dem Gebäude theoretisch denkbar. Welche Variante und ob sich überhaupt eine durchsetzen wird, ist noch völlig offen. «Wir verfolgen verschiedene Optionen, von denen eine die Nutzung als Bibliothek ist», teilte ein Sprecher der Eigentümergesellschaft auf Anfrage lediglich mit. Zur kurzfristigen Weiternutzung des Standorts äußerte er sich nicht.

Klar ist: Der Auszug von Lafayette macht auch den umliegenden Händlern auf der Friedrichstraße zu schaffen. Die Vorsitzende des Dussmann-Stiftungsrates, Catherine von Fürstenberg-Dussmann, sagte im Mai: „Unser Kulturkaufhaus und die Galeries Lafayette waren am Anfang die Anker in dieser Straße. Bald sind wir der einzige Anker.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Forbes-Liste der reichsten Menschen: Elon Musk kann erster Billionär der Welt werden
15.03.2026

In der aktuellen Forbes-Liste der reichsten Menschen liegt Tesla-Chef Elon Musk quasi uneinholbar in Front. Bei einem erfolgreichen...

DWN
Politik
Politik Steuerrecht: Ehegattensplitting vorm Aus? Mehr Arbeitszeit für Frauen nicht lukrativ
15.03.2026

Für viele Frauen lohnt es sich finanziell nicht, in den Job zurückzukehren oder ihre Teilzeit auszubauen, das Ehegattensplitting entpuppt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industrial Accelerator Act: EU-Kommission stärkt Industriepolitik – Anteil am BIP soll auf 20 Prozent steigen
15.03.2026

Die Europäische Kommission will mit dem Industrial Accelerator Act die Industriepolitik der EU neu ausrichten und die Produktion in Europa...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Prognose 2026: Bremst das Baukreditgeschäft alles aus?
15.03.2026

Nach einem hoffnungsvollen 2025 wird die Preisentwicklung für Immobilien laut Greis-Kaufpreisindex im laufenden Jahr 2026 wieder...

DWN
Finanzen
Finanzen Mazda 6e im Vergleich: Wie wettbewerbsfähig ist das Elektromodell?
15.03.2026

Die neue Mazda 6e entsteht auf chinesischer Plattform und markiert einen strategischen Neustart für die Baureihe Mazda6. Kann das...

DWN
Technologie
Technologie Immer mehr US-Forschende zieht es nach Deutschland
15.03.2026

Aus politischen Gründen geht das Weiße Haus gegen Elite-Unis vor. Für Wissenschaftler und Studierende aus den USA wird Deutschland daher...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI trifft auf SaaS: Steht die Softwarebranche vor einem Strukturwandel?
15.03.2026

Künstliche Intelligenz verändert die wirtschaftliche Logik der Softwarebranche und setzt das klassische SaaS-Modell unter Druck. Steht...

DWN
Finanzen
Finanzen Iran-Krieg heizt Energiepreise an: Investoren suchen Absicherung
15.03.2026

Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise nach oben und zwingt Investoren weltweit, ihre Strategien angesichts steigender Öl- und Gaspreise...