Politik

Messerattacken fast täglich: Hunderte Messerangriffe an deutschen Bahnhöfen

Deutschland hat ein Gewaltproblem: Von Januar 2023 bis Juni 2024 gab es 1012 Messer-Delikte an deutschen Bahnhöfen. Tendenz steigend! Innenministerin Faeser will jetzt endlich handeln und das Waffenrecht verschärfen. Oder bleibt das „reine“ Symbolpolitik? Und wer soll die Maßnahmen überwachen?
20.08.2024 07:23
Lesezeit: 2 min

An deutschen Bahnhöfen hat die Bundespolizei im ersten Halbjahr bislang 373 Delikte mit Messern gezählt. Im Jahr 2023 waren es insgesamt 639 solcher Taten, wie die Bild-Zeitung berichtete. Auch der Deutschen Presse-Agentur liegen die Zahlen der Bundespolizei vor.

Taten auch auf der Strecke

Hinzu kommen im ersten Halbjahr noch 7 Messer-Delikte an sogenannten Haltepunkten, also kleineren Stopps, die in der Statistik nicht als Bahnhöfe geführt werden. 2023 gab es dort 11 Taten. Deutlich häufiger als dort kam es auch zu Vorfällen auf der Strecke, wo die Bundespolizei zwischen Januar und Juni 84 Messer-Delikte zählte, nach 196 Delikten im gesamten Vorjahr. „Die Auswertungen zu dem Tatmittel Messer beinhalten, dass ein Messer mitgeführt oder eingesetzt wurde“, so die Bundespolizei. Nachträgliche Änderungen der Zahlen seien noch möglich.

Die meisten Messer-Taten gab es 2023 an den Bahnhöfen in Dortmund und Düsseldorf (je 33 Delikte), gefolgt von Frankfurt am Main (29). Im ersten Halbjahr 2024 lagen Hamburg (21), Hannover (19) und Köln (15) vorn. Große Bahnhöfe liegen also vorn, das Fahrgastaufkommen allein scheint aber nicht der bestimmende Faktor zu sein. Laut Deutscher Bahn ist Deutschlands meist frequentierter Bahnhof der Hamburger Hauptbahnhof mit knapp 550.000 Reisenden und Besuchern pro Tag, kurz vor dem Frankfurter Hauptbahnhof mit knapp 500.000 Reisenden und Besuchern täglich. Platz drei belegt der Hauptbahnhof München mit rund 400.000. Dahinter folgen der Berliner und dann der Kölner Hauptbahnhof.

Für die Sicherheit an Bahnhöfen der Deutschen Bahn und der S-Bahnen sind die Bahn und die Bundespolizei zuständig. In U-Bahnen und Bussen sind es hingegen die Betreiber und die jeweilige Länderpolizei. „Unsere Bahnhöfe sind Teil eines offenen Systems“, erklärte ein Bahn-Sprecher. „Im Bahnhof und im Bahnhofsumfeld werden all jene Konflikte ausgetragen, die auch auf Plätzen, in Parkanlagen, in öffentlichen Einrichtungen und auf Straßen überall in Deutschland stattfinden.“ Täglich nutzen rund 20 Millionen Reisende sowie Besucherinnen und Besucher die 5400 Bahnhöfe.

Faeser will das Waffenrecht verschärfen

Angesichts der Zunahme von Messerangriffen will Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) das Waffenrecht verschärfen. Im neuen Waffenrecht werde sie „den Umgang mit Messern im öffentlichen Raum weiter einschränken“, kündigte sie in der Bild am Sonntag an. In der Öffentlichkeit sollen Messer demnach nur noch bis zu einer Klingenlänge von sechs Zentimetern statt bisher zwölf Zentimetern mitgeführt werden dürfen. Für gefährliche Springmesser soll es ein generelles Umgangsverbot geben.

Andreas Roßkopf von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagte Bild: „Messerverbote prinzipiell an Bahnhöfen umzusetzen, ist eine sinnvolle Maßnahme. Tatsächlich müssten hier aber auch gesetzliche Änderungen vollzogen werden, sodass die Bundespolizei dies auch überwachen kann. Momentan sind keine anlasslosen Kontrollen möglich.“

Im vergangenen Sommer hatte die Innenministerkonferenz Faeser aufgefordert, eine bundeseinheitliche Regelung zu Waffenverboten in Zügen und an Bahnhöfen zu prüfen und gegebenenfalls auf eine entsprechende Änderung der Beförderungsbedingungen der Deutschen Bahn, insbesondere in Bezug auf Messer, hinzuwirken. Die entsprechende Bund-Länder-Arbeitsgruppe hat noch keine Ergebnisse vorgelegt.

In den Beförderungsbedingungen der Bahn heißt es allerdings schon heute: „Von der Mitnahme als Handgepäck oder Traglast sind Gegenstände und Stoffe ausgeschlossen, die geeignet sind, Mitreisende zu stören oder zu verletzen oder den Wagen zu beschädigen.“

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärte, die Bundespolizei erlasse bereits jetzt Verfügungen zum Verbot der Mitnahme gefährlicher Gegenstände. „Hierunter fallen auch Messer. Die Einhaltung solcher Allgemeinverfügungen wird von der Bundespolizei überwacht.“

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Nach der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Trump:Standard Chartered sieht XRP als potenziell renditestärkste Kryptowährung im Jahr 2026

Vor dem Hintergrund der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Donald Trump und einer deutlich verbesserten regulatorischen Lage in den USA...

DWN
Technologie
Technologie Lego Smart-Brick: Technologischer Meilenstein verändert den Spielwarenmarkt
08.01.2026

Lego befindet sich in einer Phase außergewöhnlicher Marktdynamik und strategischer Neuorientierung. Reicht technologische Innovation aus,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Erholt sich die deutsche Industrie?
08.01.2026

Die deutschen Industrieunternehmen überraschen im November mit einem kräftigen Auftragsschub. Besonders Metallerzeugnisse und der...

DWN
Finanzen
Finanzen Zalando-Aktie: Logistikzentrum Erfurt schließt, 2.700 Jobs betroffen
08.01.2026

Der Berliner Modekonzern Zalando zieht die Reißleine und schließt sein Logistikzentrum in Erfurt. 2.700 Beschäftigte verlieren ihren...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Abfindung verhandeln: Wie Sie das Optimale aus Ihrem Jobverlust herausholen
08.01.2026

Die deutsche Wirtschaft streicht Stellen. Um Jobs abzubauen, bieten Unternehmen Mitarbeitern oft hohe Abfindungen an, um die...

DWN
Politik
Politik Venezuelas Ölreserven: Warum Trumps Zugriff die Weltordnung erschüttern könnte
08.01.2026

Donald Trump beansprucht Venezuelas Ölreserven und erhebt damit einen Machtanspruch, der weit über Lateinamerika hinausreicht. Hinter der...

DWN
Politik
Politik Bürgergeld adé – Kabinett beschließt neue Grundsicherung
08.01.2026

Union und SPD haben sich auf das Ende des Bürgergeldes und eine neue Grundsicherungs-Reform geeinigt. Doch die Gesetzesänderung ist...

DWN
Politik
Politik Private Städte im Vormarsch: Tech-Elite baut Siedlungen außerhalb des Staates
08.01.2026

Tech-Unternehmer und Investoren entwickeln weltweit neue Städte und Sonderzonen mit eigenen Regeln. Geht es um effizientere Strukturen...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie hebt ab: Was hinter dem Aufwärtstrend des DAX-Werts steckt und welche Rolle Venezuela spielt
08.01.2026

Die Rheinmetall-Aktie ist am Donnerstag kräftig nach oben geklettert. Der DAX-Wert setzt damit seine Aufwärtsrally seit Beginn des neuen...