Immobilien

Immobilienmarkt-Preisrückgänge beendet, Markt in einer „Findungsphase“

Laut einer der führenden Wohn- und Gewerbeimmobilienportalen ist die Phase der anhaltenden Preisrückgänge auf dem deutschen Immobilienmarkt beendet: In 11 der 15 größten Städten steigen die Preise wieder. Was sagen Experten über den Markt und ist das Zeitfenster für den Immobilienkauf derzeit günstig?
02.10.2024 06:00
Aktualisiert: 02.01.2030 06:00
Lesezeit: 3 min
Immobilienmarkt-Preisrückgänge beendet, Markt in einer „Findungsphase“
Der deutsche Immobilienmarkt erholt sich nach dem Zinsschock. (Foto: dpa) Foto: elxeneize

Die Phase der durchgängigen deutlichen Preisrückgänge auf dem Immobilienmarkt scheint endgültig beendet. Der Markt hat den Zinsschock verarbeitet, befindet sich jedoch in einer „Findungsphase“, in der Angebotspreise sich noch einpendeln müssen.

Und Käufer sollten aufhorchen: Es gibt Verhandlungsspielraum bei den Preisen – insbesondere bei sanierungsbedürftigen Objekten.

Das sind einige der wichtigen Punkte der neuesten Ausgabe des Immowelt-Preiskompass für das dritte Quartal 2024. In diesem Zeitraum erhöhte sich der Durchschnittspreis einer Bestandswohnung deutschlandweit um 0,8 Prozent. Wenig überraschend gab es den größten Bedarf an Wohnraum in den Metropolen – in 11 der 15 größten deutschen Städte sind die Preise im dritten Quartal in der Spitze um 3,7 Prozent gestiegen im Vergleich zum vorherigen Quartal.

Laut Immowelt Geschäftsführer Piet Derriks müssen sich die Angebotspreise noch einpendeln. Derriks kommentierte: „Die Preisrückgänge der letzten zwei Jahre wiegen aus Käufersicht die höheren Zinsen nicht auf.“ Die tendenziell sinkenden Zinsen hätten den deutschen Immobilienmarkt jedoch bereits deutlich gefestigt und weitere leichte Zinssenkungen würden zu noch mehr Preisstabilisierung führen.

Quelle: Immowelt

Hintergrund: Die Haupt-Marktthemen

Der energetische Zustand von Bestandsimmobilien und der zunehmende Wohnraummangel gehören zu den zentralen Herausforderungen des deutschen Wohnimmobilienmarktes 2024. Das Thema Energieeffizienz spielt auch eine immer wichtiger werdende Rolle für die Entwicklung von Immobilienpreisen.

Günstiges Zeitfenster für den Kauf: Verhandlungsspielraum bei Preisen

Viele Marktinteressenten fragen sich, ob jetzt ein guter Zeitpunkt ist, um den Sprung in den Markt zu wagen. Derriks zufolge werden Preise sich noch mehr stabilisieren, sollten die Zinssätze weiter leicht sinken. „Das Zeitfenster für den Immobilienkauf ist derzeit günstig,“ sagte er. „Kaufinteressenten finden ein großes Angebot auf dem Markt und verfügen zudem über Verhandlungsspielraum beim Preis – insbesondere bei sanierungsbedürftigen Objekten.“

Energieeffizienz: Zentral für den Wohnimmobilienmarkt in den nächsten Jahren

Till-Fabian Zalewski, CEO von Engel & Völkers, sagte letzte Woche ein besonders wichtiger Bereich bei der Immobilien-Preisentwickelung sei aktuell das Thema Energieeffizienz. Objekte der Energieeffizienzklassen B bis A+ verzeichneten konstante Preissteigerungen, während bei Immobilien mit einer Energieeffizienzklasse C oder niedriger deutliche Preisrückgänge registriert wurden - bei Eigentumswohnungen um mehr als sieben Prozent, bei Einfamilienhäusern über drei Prozent. Eigentümer standen in der Folge oftmals vor der Entscheidung, entweder kostspielige Sanierungen vorzunehmen, etwa durch den Austausch des Energieträgers, oder einen Verkauf in Betracht zu ziehen, bevor die Preise weiter sinken.

„Eine stärkere Segmentierung zwischen sanierungsbedürftigen und energieeffizienten Immobilien sowie zwischen Wachstums- und schwächeren Regionen zeichnet sich ab. Beide Faktoren sind zentrale Stellschrauben für die Entwicklung des deutschen Wohnimmobilienmarktes der nächsten Jahre und erfordern zukunftsorientierte Lösungen", kommentierte Zalewski.

Über den gesamten Immobilienmarkt sagte Engel & Völkers alle Zeichen standen auf Erholung - erstmals seit zwei Jahren.

Auch der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) sagte vor Kurzem der knapp zweijährige Rückgang der Immobilienpreise in Deutschland sei zumindest vorerst gestoppt: Nach Verband-Daten waren sowohl Wohn- als auch Gewerbeimmobilien im zweiten Quartal ein wenig teurer als noch in den ersten drei Monaten des Jahres. Laut dem vdp sei es dennoch zu früh, eine Trendumkehr auszurufen. Der Markt bleibe weiterhin uneinheitlich - besonders in den Großstädten.

Einige der wichtigsten Ergebnisse des jüngsten Immowelt-Preiskompass sind:

  • Die Angebotspreise für Bestandswohnungen erhöhten sich in den letzten drei Monaten deutschlandweit um +0,8 Prozent
  • Die Phase der durchgängigen Preisrückgänge ist beendet: In 11 der 15 größten Städte steigen die Immobilienpreise
  • Der Markt ist in Findungsphase: Preisdämpfer in München (-0,1 Prozent) und Köln (-0,8 Prozent) während Berlin stabil bleibt (0,0 Prozent)
  • Auf und ab im Ruhrgebiet – nach Rückgängen im zweiten Quartal steigen die Preise wieder in Dortmund (+3,7 Prozent), Duisburg (+1,6 Prozent) und Essen (+1,3 Prozent)

In der Immowelt-Recherche wurde analysiert, wie sich die Angebotspreise von Bestandswohnungen in Deutschland und den 15 größten deutschen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern verändert haben. Grundlage für die Analyse sind die auf dem Immowelt-Portal inserierte Wohnungen, die mit bewährten statistischen Methoden ausgewertet werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Während der Markt panikartig verkauft, setzt das "kluge Geld" fieberhaft Bitcoin-Druckmaschinen ein?

Der Markt hat kürzlich eine scharfe Korrektur durchlaufen, wobei sich Panik wie eine Seuche ausbreitete, als Verkäufer ihre...

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Finanzen
Finanzen Rückenwind für die BASF-Aktie: Konjunkturhoffnung, Analysteneinstufung und BASF-Aktienrückkaufprogramm
10.02.2026

Die BASF-Aktie startet stark ins Börsenjahr 2026: Konjunkturhoffnungen, ein laufendes Aktienrückkaufprogramm und steigende Kurse treffen...

DWN
Technologie
Technologie Hypersonica: Münchner Start-up testet Hyperschallrakete HS1
10.02.2026

Ein Münchner Start-up sorgt mit einer eigenen Hyperschallrakete für Aufsehen in Europa. Der erste Testflug der HS1 verlief erfolgreich...

DWN
Panorama
Panorama Allensbach-Umfrage: Mehrheit bewertet USA als Risiko für den Weltfrieden – Russland bleibt zentrales Sicherheitsrisiko
10.02.2026

Eine aktuelle Allensbach-Umfrage zeigt einen spürbaren Wandel im sicherheitspolitischen Denken der Deutschen. Vertrauen bröckelt, alte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Endgültiges Aus für ACC-Batteriefabrik in Kaiserslautern – die Folgen
10.02.2026

Die geplante ACC-Batteriefabrik in Kaiserslautern galt als Zukunftsprojekt für die deutsche Industrie. Doch nun zieht Automotive Cell...

DWN
Finanzen
Finanzen Teamviewer-Aktie rutscht ab: Teamviewer blickt zurückhaltend aufs neue Jahr – schwieriges Marktumfeld
10.02.2026

Die Teamviewer-Aktie steht nach einem deutlichen Kursrutsch erneut im Fokus der Anleger. Vorsichtige Ziele für 2026, ein schwieriges...

DWN
Finanzen
Finanzen AMS Osram-Aktie gefragt: Stellenabbau nach besseren Zahlen bei AMS Osram
10.02.2026

AMS Osram überrascht mit besseren Geschäftszahlen, doch gleichzeitig kündigt der Konzern einen massiven Stellenabbau an. Anleger...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Atlas-Insolvenzverfahren: Baumaschinenhersteller Atlas aus Ganderkesee meldet Sanierung an
10.02.2026

Der traditionsreiche Baumaschinenhersteller Atlas aus Ganderkesee steht vor einer ungewissen Zukunft. Mit dem Atlas-Insolvenzverfahren will...

DWN
Finanzen
Finanzen Talanx-Aktie im Fokus: Versicherungskonzern Talanx mit Rekordgewinn trotz des Kalifornien-Feuers
10.02.2026

Rekordgewinne trotz Naturkatastrophen: Der Versicherungskonzern Talanx überrascht mit starken Zahlen. Während Waldbrände Milliarden...