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Bürokratiebelastung im Mittelstand: Wie Vorschriften die Wettbewerbsfähigkeit bedrohen

Bis zu 60.000 Euro jährlich kosten Bürokratiepflichten KMU, so eine DIHK-Studie. Hygienevorschriften, Kassenrichtlinien, Planungsanträge – Bürokratie bindet im Mittelstand wertvolle Ressourcen. Warum kleinere Unternehmen stärker betroffen sind als große – und wie Verbände Abhilfe schaffen wollen, erfahren Sie hier.
01.12.2024 16:00
Lesezeit: 3 min
Bürokratiebelastung im Mittelstand: Wie Vorschriften die Wettbewerbsfähigkeit bedrohen
Insbesondere kleine mittelständische Unternehmen kämpfen mit zunehmend komplexen Anforderungen und steigenden Bürokratiekosten. (Foto: iStock.com/thomas-bethge) Foto: thomas-bethge

Der Mittelstand als Rückgrat der deutschen Wirtschaft wird nach wie vor durch überbordende Bürokratie ausgebremst. Hygienevorschriften, Kassenrichtlinien, Planungsanträge – die Flut an administrativen Pflichten und Vorschriften bindet zunehmend wertvolle Ressourcen, die für strategische Aufgaben und Innovationen fehlen.

Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) belaufen sich die jährlichen Bürokratiekosten in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Durchschnitt auf 12.000 bis 60.000 Euro. Vor allem kleine Mittelständler haben mit den immer komplexer werdenden Anforderungen und den höheren Kosten zu kämpfen.

Bürokratiebelastung im Mittelstand: 2,5 Prozent Umsatzverlust im Gastgewerbe durch Bürokratie

Im deutschen Gastgewerbe ist die Belastung durch Bürokratie besonders hoch: Bis zu 2,5 Prozent des Jahresumsatzes müssen Unternehmer hier aufwenden, um den administrativen Anforderungen gerecht zu werden. Laut DIHK-Analyse sind dies 125 branchenspezifische Auflagen – von Hygienevorschriften bis zur Kassenrichtlinie.

Diese Vorschriften verursachen nicht nur Kosten, sondern auch erhebliche Mehrarbeit. Im Schnitt arbeiten gastgewerbliche Unternehmerinnen und Unternehmer 14 Stunden pro Woche zusätzlich, um die staatlichen Auflagen zu erfüllen. Zeit, die für die Verbesserung des Gästeerlebnisses oder die Weiterbildung der Mitarbeitenden fehlt.

Handwerkspräsident Dittrich: „Die Bürokratie würgt uns ab“

Allein die Reinigungsarbeiten in einer Bäckerei sind bis ins letzte Detail geregelt und müssen dokumentiert werden. „Dazu sind Reinigungspläne für alle Bereiche zu erstellen, diese enthalten, was sie wann, womit und wie zu reinigen haben“, beklagt Eberhard Vielhaber, Bäckermeister und Inhaber eines mittelständischen Bäckereiunternehmens in Iserlohn, im ARD-Morgenmagazin.

Auch Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), äußert sich in derselben Sendung kritisch: „Die Bürokratie würgt uns ab. Das Handwerk kämpft seit Jahren für weniger Bürokratie, doch es kommt immer noch mehr hinzu.“

12.000 bis 60.000 Euro Bürokratiekosten pro Jahr

Hinzu kommt die finanzielle Belastung durch Bürokratie für KMU. Wie die Erhebungen des DIHK zeigen, fallen jährlich im Schnitt zwischen 12.000 und 60.000 Euro allein für administrative Pflichten an. Die Summe ergibt sich aus der Verwaltung von Dokumentationen, der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und der Beauftragung externer Berater. Besonders betroffen sind kleinere Unternehmen, die ohnehin mit begrenzten Ressourcen arbeiten.

Neben dem DIHK fordert auch der Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) Maßnahmen zur Senkung dieser Kosten. Der Verband spricht sich beispielsweise für die Abschaffung redundanter Berichtspflichten aus und plädiert für die Reduzierung der Statistikpflichten. Eine Lösung sieht der VdU in der Übermittlung anonymisierter Finanzdaten an die statistischen Ämter, basierend auf bereits vorhandenen Informationen. Zusätzlich fordert der Verband die Abschaffung der Vorfälligkeit von Sozialversicherungsbeiträgen.

Bürokratie und Fachkräftemangel: Eine gefährliche Kombination

Die Bürokratiebelastung hat jedoch nicht nur finanzielle Folgen: Immer mehr Unternehmer haben immer weniger Zeit für ihre Kernaufgaben. Dem DIHK zufolge leiden vor allem Branchen wie das Baugewerbe und die Gastronomie unter den regulatorischen Anforderungen. Für strategische Themen wie Digitalisierung und Innovation würden daher oft die Kapazitäten fehlen, was langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands gefährde.

Neben der hohen Bürokratiebelastung steht der Mittelstand vor einer weiteren Herausforderung: dem Fachkräftemangel. Laut DIHK-Umfrage geben 62 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie erhebliche Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen. Bürokratie verstärke dieses Problem, indem sie nicht nur Ressourcen binde, sondern auch die Attraktivität der Unternehmen mindere, so die Studie. Unternehmen, die von Bürokratie erdrückt werden, könnten sich daher nur schwer als dynamische Arbeitgeber positionieren – ein entscheidender Nachteil im Wettbewerb um Talente gegenüber Großkonzernen.

Digitalisierung als Rettungsanker?

Die Lösung für viele dieser Probleme könnte in der Digitalisierung liegen. Digitale Verwaltungssysteme und automatisierte Prozesse können viele Aufgaben effizienter machen. Beispiele wie zentrale Meldesysteme, digitale Personalakten oder automatische Gehaltsabrechnungen zeigen, wie Unternehmen Zeit und Ressourcen sparen könnten. „Ein zentraler digitaler Zugang für Verwaltungsaufgaben würde gerade KMU erheblich entlasten“, heißt es im Positionspapier des VDU.

Der VdU plädiert zudem für ein „One in, one out“-Prinzip, bei dem jede neue Vorschrift eine alte ersetzen muss, um die Gesamtbelastung nicht weiter zu erhöhen. Zu den zentralen Forderungen gehört auch die Abschaffung der Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge. Bleiben diese Maßnahmen aus, droht der Mittelstand, weiter an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren, warnt der Verband.

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Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
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