Wirtschaft

Automobilindustrie: Mehr Recyceltes in Autos? EU-Umweltminister diskutieren über neue Vorgaben

Wie können Autos ressourcenschonender gebaut und am Lebensende genutzt werden? Grundlage für die Debatte ist ein Vorschlag der EU-Kommission für neue Vorgaben bei der Konstruktion von Fahrzeugen. „Kreislaufwirtschaft ist auch für die Automobilbranche ein entscheidender Faktor, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und krisenfester zu werden“, meint Bundesumweltministerin Steffi Lemke.
17.12.2024 12:58
Aktualisiert: 17.12.2024 13:02
Lesezeit: 2 min
Automobilindustrie: Mehr Recyceltes in Autos? EU-Umweltminister diskutieren über neue Vorgaben
Die Fahrzeugherstellung gehört zu den ressourcenintensiven Wirtschaftszweigen. (Foto: dpa) Foto: Hendrik Schmidt

Wie können Autos ressourcenschonender gebaut und am Lebensende genutzt werden? Darüber diskutieren die Umweltministerinnen und -minister der EU in Brüssel. Grundlage für die Debatte ist ein Vorschlag der EU-Kommission für neue Vorgaben bei der Konstruktion von Fahrzeugen, um die Kreislauffähigkeit zu erhöhen. So werden etwa Anforderungen für die Wiederverwendbarkeit, Recyclingfähigkeit und Verwertbarkeit von Rohstoffen vorgeschlagen. Auch sollen nach Willen der Kommission Autos künftig so konzipiert werden, dass Teile leicht entfernt und ersetzt werden können.

Diskussion noch am Anfang

Die Diskussion zu möglichen neuen Vorgaben dürfte sich noch eine Weile ziehen. Es wird erwartet, dass sich die EU-Länder in den kommenden Monaten auf eine gemeinsame Position einigen. Dann muss auf dieser Grundlage in Verhandlungen mit dem Europaparlament ein Kompromiss gefunden werden, bevor neue Regeln in Kraft treten können.

„Kreislaufwirtschaft ist auch für die Automobilbranche ein entscheidender Faktor, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und krisenfester zu werden“, sagte Bundesumweltministerin Steffi Lemke. Wenn bei der Fahrzeugherstellung Bauteile häufiger wiederverwendet und mehr Recyclingmaterialien in Neuwagen verbaut würden, spare dies Neumaterial, schone Ressourcen und senke die Kosten, so die Grünen-Politikerin. In der Diskussion mit ihren EU-Amtskollegen setze sie sich für einen Mindestanteil von recycelten Kunststoffen ein. Kunststoffe spielten in der Autoproduktion eine zentrale Rolle.

Deutsche Umwelthilfe: Vorschlag geht nicht weit genug

Von der Deutschen Umwelthilfe hieß es, die Automobilindustrie habe im Bereich der Kreislaufwirtschaft akuten Nachholbedarf. Es brauche ambitionierte und verbindliche Vorgaben, damit in Zukunft deutlich weniger Ressourcen verbraucht und mehr im Kreislauf geführt werden, sagte Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. „Im Entwurf fehlen jedoch Maßnahmen gegen den Trend zu immer größeren Fahrzeugen, zur Begrenzung des CO₂-Ausstoßes in der Produktion, Vorgaben für eine gute Reparierbarkeit sowie Anreize zur Nutzung gebrauchter Ersatzteile“, kritisierte sie.

Autos bauen verbraucht viele Ressourcen

Die Fahrzeugherstellung gehört zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftszweigen. Nach Angaben der EU-Kommission entfallen auf die europäische Automobilindustrie zum Beispiel 19 Prozent der Nachfrage in der EU-Stahlindustrie (mehr als 7 Millionen Tonnen pro Jahr), 10 Prozent des Gesamtverbrauchs von Kunststoffen (6 Millionen Tonnen pro Jahr) sowie ein großer Anteil der Nachfrage nach Aluminium (42 Prozent für sämtliche Fahrzeuge, etwa 2 Millionen Tonnen pro Jahr).

Mit der Umstellung, der zunehmenden Integration von Elektronik in Fahrzeuge werde zudem die Nachfrage nach Kupfer und kritischen Rohstoffen steigen, heißt es von der Kommission. Bei vielen Rohstoffen ist die EU derzeit abhängig von Importen aus Drittländern.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüßt den Kommissionsvorschlag – sieht aber auch einiges kritisch. So müsste etwa die Zielvorgabe für den Anteil an recyceltem Kunststoff an das technisch Machbare angepasst werden. „Gleichermaßen müssen Vorgaben zur verpflichtenden Entfernung von Bauteilen technisch durchführbar, angemessen und verhältnismäßig ausgestaltet sein“, sagte ein Sprecher.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Immobilienmakler für Kitzbühel – Hotel und Gewerbeimmobilien verkaufen mit Experten

Der Verkauf von Hotels und Gewerbeimmobilien in Kitzbühel stellt besondere Anforderungen an Eigentümer und Makler. Ein erfahrener...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen MG4 Urban im Test: Fast "Das Auto", nur aus China
20.08.2026

Als SAIC Motor das Modell MG4 vorstellte, wurde es sofort zu einem der begehrtesten in China gebauten Elektroautos. Autojournalisten...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
20.08.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Gewinnmitnahmen nach Zweimonatshoch
20.08.2026

Der Goldpreis hat binnen kurzer Zeit deutlich an Wert gewonnen, doch am Donnerstag legt das gelbe Edelmetall eine Verschnaufpause ein....

DWN
Finanzen
Finanzen JD Sports-Aktie stürzt ab: Gewinnwarnung und Filialabbau belasten – Branche leidet mit
20.08.2026

JD Sports senkt sein Gewinnziel und enttäuscht vor allem in Nordamerika. Gleichzeitig verschwinden immer mehr deutsche Filialen. Der...

DWN
Technologie
Technologie Weltmarkt für E-Lkw wächst rasant – Infrastruktur bleibt Engpass
20.08.2026

Eine halbe Million verkaufte E-Lkw und E-Busse markieren einen neuen Meilenstein für die Verkehrswende. Während China den Weltmarkt...

DWN
Finanzen
Finanzen Criteo-Aktie: Übernahmewette für Mutige oder unkalkulierbares Risiko?
20.08.2026

Die Criteo-Aktie führt vor Augen, welche Chancen Sondersituationen für Anleger bieten können. Doch gerade bei vermeintlich klaren Deals...

DWN
Finanzen
Finanzen Adieu Frankreich, adieu Deutschland: Wohin Europas Reiche ziehen
20.08.2026

Politische Unsicherheit, hohe Steuern: Das sind die wichtigsten Gründe, warum Reiche die zwei stärksten Länder Europas verlassen. Wohin...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ferrari Luce: Erst verspottet, jetzt reißen sich Käufer um den Elektro-Ferrari
20.08.2026

Der Ferrari Luce provozierte Fans, verunsicherte Anleger und ließ Zweifel an Ferraris Elektrostrategie wachsen. Nun ist das Verkaufsziel...