Finanzen

Goldpreis aktuell: Wie die Goldpreis-Entwicklung aussieht und was für Anleger jetzt wichtig ist

Der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen beeindruckende Bewegungen gezeigt. Trotz eines schwierigen Marktumfelds klettert der Goldpreis aktuell Stück für Stück nach oben - und nimmt sein Allzeithoch in US-Dollar wieder in den Blick. In Euro ergab sich bereits ein Goldpreis-Rekordhoch. Doch wie geht es weiter und wie beeinflussen die aktuellen US-Wirtschaftsdaten den Goldkurs?
16.01.2025 12:30
Aktualisiert: 16.01.2025 12:30
Lesezeit: 4 min
Goldpreis aktuell: Wie die Goldpreis-Entwicklung aussieht und was für Anleger jetzt wichtig ist
Goldbarren in unterschiedlicher Größe bei einem Goldhändler: Warum der Goldpreis aktuell steigt, ist bemerkenswert (Foto: dpa). Foto: Sven Hoppe

Goldpreis aktuell: Zwischen Rally und Widerstand

Trotz eines schwierigen Marktumfelds bleibt der Goldpreis aktuell relativ stabil - und legt in kleinen Schritten zu. Für eine Feinunze bezahlten Gold-Investoren am 16. Januar zeitweise wieder mehr als 2.700 US-Dollar. Der Wert des gelben Edelmetalls kletterte im Januar bereits 2 Prozent, in Euro sogar über 4 Prozent. Bei über 2.708 Dollar markierte Gold ein 5-Wochen-Hoch und zeigt sich damit derzeit besonders bullish - obwohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie ein starker US-Dollar, steigende Anleiherenditen und robuste Arbeitsmarktdaten eigentlich gegen das Edelmetall sprechen.

Dass die US-Inflationsdaten aktuell nicht so schlecht ausgefallen sind, wie befürchtet, belastet den hingegen die Euphorie rund um den Goldkurs etwas. Die Inflation in den USA hat sich zum Jahresende verstärkt, allerdings weniger deutlich als erwartet. Im Dezember stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,9 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Im November hatte die Inflationsrate noch bei 2,7 Prozent gelegen.

Traditionell gesehen gilt Gold als Inflations-Hedge-Mittel, also als Schutz gegen eine hohe Inflation, da auch in Zeiten steigender Verbraucherpreise das wichtigste Edelmetall seinen Wert beibehält. Wenn die Inflation gerade hoch ist oder wie aktuell in den USA sogar steigt, sollten Sie als Anleger die Goldgewichtung im Portfolio zumindest beibehalten. Behalten sie aber die Entwicklung immer im Blick, um im Notfall darauf reagieren zu können.

Stärke des Goldkurses trotz widriger Umstände

Der Anstieg des Goldwerts in den ersten Wochen des neuen Jahres ist dennoch bemerkenswert, da sich die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen auf ein neues 52-Wochenhoch bei 4,78 Prozent gesteigert hat. Noch Mitte Oktober 2024 lag diese Rendite bei 3,62 Prozent. Ein solcher Anstieg hätte in der Vergangenheit zu einem deutlichen Druck auf den Goldpreis geführt. Auch der US-Dollar zeigt eine ungeahnte Stärke: Der US-Dollar-Index (DXY) steht kurz davor, die Marke von 110 US-Dollar zu überschreiten – den höchsten Stand seit Anfang 2022.

Dennoch bleibt der Goldkurs stabil und zeigt sogar relative Stärke, was den Edelmetallmarkt derzeit besonders robust wirken lässt.

Banken und ihre Positionen: Einfluss auf den Goldmarkt

Die jüngsten Daten des Bank Participation Reports der US-Börsenaufsicht CFTC vom 7. Januar 2025 zeigen, dass amerikanische Banken ihre Short-Positionen im Goldmarkt wieder ausgebaut haben. Insgesamt meldeten 28 Institute eine Netto-Short-Position von 152.545 Kontrakten – ein Anstieg um 6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei fünf großen US-Banken, deren Netto-Short-Position um 13 Prozent auf 111.147 Kontrakte wuchs, was etwa 345 Tonnen Gold entspricht.

Seit 2008 lag der Monatsdurchschnitt der Short-Positionen bei etwa 198 Tonnen, wodurch die aktuelle Entwicklung deutlich darüber liegt. Banken agieren oft als Market Maker und sichern ihre Geschäfte ab, indem sie bei steigenden Goldpreisen Short-Positionen aufbauen, um finanzielle Risiken zu minimieren. Interessant bleibt, ob dieser Trend sich in den kommenden Wochen verstärkt oder ob äußeren Einflüsse wie die chinesische Nachfrage die Dynamik ändern.

Goldpreis in Euro auf Rekordhoch: Chinas Einfluss steigt

Auf Euro-Basis erreichte der Goldpreis am Freitag (10. Januar 2025) ein neues Allzeithoch von 2.649,81 Euro pro Feinunze. Der Grund für diesen Anstieg liegt unter anderem in der starken Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar.

In China wird Gold erneut mit einem deutlichen Aufschlag gehandelt. Am Donnerstag notierte der Goldpreis an der Shanghai Gold Exchange bei 2.732 US-Dollar pro Unze – 70 US-Dollar über dem westlichen Kurs. Dieser Aufschlag zeigt, dass die chinesische Nachfrage den internationalen Goldpreis wieder stärker beeinflusst. Bereits im ersten Halbjahr 2024 hatte China durch Arbitrage-Geschäfte und hohe Nachfrage den Goldmarkt dominiert. Nach einer zwischenzeitlichen Beruhigung könnten sich diese Entwicklungen nun wiederholen.

Chinesen kaufen traditionell gerne Gold. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit neigen Chinesen dazu, ihr Kapital in Gold zu investieren, um den Wert ihres Vermögens zu schützen. Gold gilt in schwierigen Zeiten als sicherer Hafen und zieht vermehrt Investoren an, solange das Marktumfeld riskant bleibt - lesen Sie dazu den DWN-Artikel Goldrausch in China: Wie die junge Generation die Goldnachfrage mit anheizt.

Die Rolle der COMEX: Gold-Lagerbestände und Handelsvolumen

Die Handelsaktivitäten an der US-Warenterminbörse COMEX nahmen zuletzt deutlich zu. Innerhalb einer Woche stieg das Open Interest – also die Summe aller offenen Gold-Futures-Kontrakte – um 9 Prozent auf 499.688 Kontrakte. Auch bei den Gold-Optionen zeigte sich ein Anstieg des Open Interest um 12 Prozent auf 880.971 Optionen. Das Put/Call-Verhältnis sank dabei von 0,55 auf 0,53, was auf einen steigenden Optimismus der Marktteilnehmer hinweist.

Die Lagerbestände der COMEX liegen derzeit bei 22,4 Millionen Unzen, was einer leichten Zunahme gegenüber der Vorwoche entspricht. Jedoch sank die theoretische Golddeckung des Futures-Handels von 46,5 Prozent auf 44,8 Prozent. Das bedeutet, dass ein großer Teil der gehandelten Kontrakte nicht durch physisches Gold gedeckt ist. Diese Diskrepanz könnte in Zeiten erhöhter Nachfrage eine Rolle spielen.

Wie geht es mit dem Goldpreis aktuell weiter?

Technisch betrachtet könnten die nächsten Wochen entscheidend sein. Der Bereich zwischen 2.720 und 2.730 US-Dollar gilt als wichtige Widerstandszone. Ein Ausbruch über diese Marke könnte den Weg zu neuen Gold-Allzeithochs (in US-Dollar) ebnen. Auf der anderen Seite könnte ein erneuter Rückgang unter die 2.600 US-Dollar-Marke kurzfristige Verluste nach sich ziehen.

Chinas Nachfrage und die Aufschläge in Shanghai dürften weiterhin entscheidende Faktoren für die Goldpreis-Entwicklung sein. Auch die geopolitischen Spannungen und die Geldpolitik der Zentralbanken könnten plötzliche Bewegungen im Goldmarkt auslösen.

Tipps für Gold-Anleger: Wie sollten Sie sich nun positionieren?

Gold bleibt eine wichtige Anlageklasse für Investoren, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Die aktuelle Goldkurs-Entwicklung zeigt, dass das Edelmetall seine Rolle als Wertaufbewahrungsmittel und sicherer Investorenhafen trotz starker Gegenwinde bestätigt.

  1. Langfristige Perspektive bewahren: Anleger sollten sich bewusst sein, dass Gold vor allem langfristig als Absicherung dient. Kurzfristige Schwankungen bieten Gelegenheiten, sollten aber nicht zu Panikreaktionen führen.

  2. Depot breit aufstellen: Gold ist als Beimischung in einem diversifizierten Portfolio sinnvoll. Experten empfehlen einen Anteil von 5 bis 10 Prozent am Gesamtvermögen.

  3. Physisches Gold oder ETFs: Physisches Gold wie Münzen und Barren bietet den Vorteil, dass es keine Gegenparteirisiken gibt. Wer flexibel handeln möchte, kann jedoch auch in Gold-ETFs investieren.

  4. Den Markt beobachten: Die Entwicklung der Zentralbankpolitik, insbesondere in den USA und China, sowie geopolitische Ereignisse könnten den Goldkurs weiterhin beeinflussen. Es ist ratsam, aktuelle Gold-News im Auge zu behalten.

Goldpreis weiter mit Kurspotential

Die Goldpreis-Entwicklung zeigt auch im Januar 2025 eine beeindruckende Dynamik. Trotz widriger Rahmenbedingungen behauptet sich das Edelmetall auf einem hohen Niveau und erreicht in vielen Währungen neue Rekordhöhen. Anleger sollten die Entwicklungen genau verfolgen und Gold weiterhin als wichtigen Bestandteil ihrer Anlagestrategie betrachten.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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