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Seltene-Erden-ETFs: Welche Fonds sich jetzt lohnen

KI, Rüstung, Energiewende: Seltene-Erden-ETFs gewähren Zugang zu einem boomenden Rohstoffsegment. Das gescheiterte Rohstoffabkommen zwischen den USA und der Ukraine zeigt, wie aufgeladen der Markt ist. Welche Fonds davon profitieren – und welche Faktoren bei der Auswahl entscheidend sind.
05.04.2025 11:08
Lesezeit: 5 min

Rohstoffmärkte im geopolitischen Fadenkreuz

Der gescheiterte Versuch der USA, ein langfristiges Rohstoffabkommen mit der Ukraine auf den Weg zu bringen, zeigt exemplarisch, wie verletzlich globale Lieferketten bei strategischen Rohstoffen geworden sind. Seltene Metalle sind längst nicht mehr nur technologische Schlüsselkomponenten – sie haben sich zu geopolitischen Hebeln entwickelt.

Ein Blick auf China verdeutlicht die geopolitische Brisanz strategischer Rohstoffe: Das Land kontrolliert rund 60 Prozent der weltweiten Produktion seltener Erden – und bis zu 85 Prozent der Verarbeitungskapazitäten. Peking hat wiederholt erkennen lassen, dass dieser Vorsprung nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch genutzt werden soll.

Die potenzielle Nutzung von Exportbeschränkungen durch China unterstreicht die zentrale Rolle, die Seltene Erden in Rüstung, Digitalisierung und Energiewende spielen – und damit auch ihre Bedeutung als Investitionsobjekt.

Das sind Seltene Erden

Die Bezeichnung ist eigentlich irreführend: Seltene Erden sind nicht „selten“, sondern in der Erdkruste durchaus häufig vertreten – allerdings nur in niedriger Konzentration und meist in schwer zugänglichen Lagerstätten. Technisch korrekt handelt es sich um 17 Metalle: 15 sogenannte Lanthanoide sowie die Metalle Scandium und Yttrium.

Bekannter sind viele dieser Elemente unter ihren typischen Einsatzgebieten – etwa Neodym in Hochleistungsmagneten für E-Motoren und Windräder, Europium in Flachbildschirmen oder Lanthan in Hybridbatterien. Auch wenn ihre Namen den wenigsten geläufig sind, stecken sie in fast jeder modernen Technologie. Die Lanthanoide bilden eine eigene Serie innerhalb des Periodensystems, die durch ähnliche chemische Eigenschaften geprägt ist, insbesondere im Hinblick auf ihre magnetischen, katalytischen und optischen Fähigkeiten.

Scandium und Yttrium werden aufgrund vergleichbarer physikalischer Eigenschaften den Seltenen Erden zugerechnet, obwohl sie chemisch nicht zu den Lanthanoiden gehören. Ihre besondere Relevanz ergibt sich aus ihren physikalischen Eigenschaften – vor allem magnetischen und leuchtenden Effekten –, die für moderne Technologien unerlässlich sind.

Zum Einsatz kommen sie etwa in Elektromotoren für E-Autos, Windkraftanlagen, LED- und Displaytechnik, Glasfasern, Katalysatoren sowie in der Rüstungsindustrie. Die Dominanz Chinas bei Förderung und Verarbeitung erschwert westlichen Unternehmen den direkten Marktzugang – was Fondsstrategien auf Basis börsennotierter Produzenten attraktiver macht.

Chancen und Risiken von Seltene Erden-ETFs

Anleger können über sogenannte Themen-ETFs strukturiert in diesen Nischenmarkt investieren. Dabei handelt es sich um Börsenfonds, die gezielt Unternehmen aus bestimmten Branchen oder Sektoren abbilden. Im Fall der Seltenen Erden umfasst dies meist Konzerne, die mit dem Abbau, der Verarbeitung oder dem Handel dieser Metalle befasst sind.

Sogenannte Rare Earth-ETFs versprechen strukturelle Wachstumschancen, sind jedoch auch mit erhöhten Risiken verbunden. Allerdings dürfte die Nachfrage nach den Metallen im Zuge von Digitalisierung, Elektrifizierung und geopolitischer Aufrüstung weiter steigen. Gleichzeitig bleibt der Markt aufgrund seiner Enge, politischen Einflussfaktoren und hohen Rohstoffpreisvolatilität schwer kalkulierbar – die Kursentwicklung der letzten Jahre verdeutlicht das.

Insbesondere der Preis für Lithium ist seit dem Allzeithoch von rund 85.000 US-Dollar pro Tonne im November 2022 auf unter 15.000 US-Dollar gefallen – ein Rückgang von über 80 Prozent. Auch die Preise von drei der vier wichtigsten Seltenen Erden für die Batterieherstellung – Neodym, Praseodym und Dysprosium – sind 2023 um über 40 Prozent gesunken. Ursache dafür war einerseits eine konjunkturell bedingte Nachfrageflaute, andererseits aber auch ein starker Angebotsausbau, insbesondere durch China.

Nachfolgend drei ausgewählte ETFs im Profil – mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Chancenprofilen.

VanEck Rare Earth and Strategic Metals UCITS ETF

Der VanEck Rare Earth and Strategic Metals UCITS ETF (ISIN: IE0002PG6CA6) zählt zu den wenigen ETFs mit Fokus auf Seltene Erden. Er wurde im September 2021 aufgelegt und bildet den MVIS Global Rare Earth/Strategic Metals Index ab. Voraussetzung für die Indexaufnahme ist, dass Unternehmen mindestens 50 Prozent ihres Umsatzes mit Seltenen Erden oder strategischen Metallen erzielen.

Das Fondsvolumen liegt bei rund 101,2 Millionen US-Dollar (Stand: 26. März 2025), die Gesamtkostenquote (TER) beträgt 0,59 Prozent. Regional ist der ETF breit gestreut, mit Schwerpunkten in Australien (29 Prozent), den USA (28 Prozent) und China (22 Pozent).

Zu den größten Positionen zählen der US-Lithiumproduzent Albemarle, der ebenfalls in den USA ansässige Seltenerd-Spezialist MP Materials, das australische Unternehmen Lynas Rare Earths sowie die China Northern Rare Earth Group, einer der weltweit größten Produzenten von Rare Earth-Metallen mit Sitz in der Mongolei.

Nach einer verhaltenen Jahresperformance 2024 von rund drei Prozent legte der ETF im laufenden Jahr bis zum 25. März 2025 um 7,31 Prozent zu – getrieben von wachsendem Interesse an strategischen Rohstoffen im Zuge geopolitischer und energiepolitischer Umbrüche.

Global X Disruptive Materials UCITS ETF

Einen breiter gefassten Ansatz verfolgt der Global X Disruptive Materials UCITS ETF (ISIN: IE000FP52WM7). Der im September 2022 aufgelegte Fonds investiert in 44 Unternehmen, die nicht nur Seltene Erden, sondern auch andere strategisch wichtige Metalle wie Kobalt, Zink, Kupfer oder Platin fördern.

Die Replikation erfolgt physisch, die Gesamtkostenquote beträgt 0,50 Prozent. Mit einem Fondsvolumen von rund 5,82 Millionen US-Dollar (Stand: 26. März w2025) befindet er sich noch in der Aufbauphase.

Zu den größten Positionen zählen der britische Bergbaukonzern Anglo American, das chilenische Kupferunternehmen Antofagasta sowie Arcadium Lithium, ein international tätiger Spezialist für Lithiumabbau. Chinesische Konzerne machen rund ein Drittel des Fonds aus – ein Indikator für potenzielle geopolitische Risiken. Die Ländergewichtung ist insgesamt global ausbalanciert.

Nach einem weitgehend stagnierenden Jahr 2024 verzeichnete der ETF zum Jahresauftakt 2025 eine spürbare Erholung. Bis zum 24. März stieg der Fonds um 10,90 Prozent. Die Entwicklung dürfte mit einer gestiegenen Risikobereitschaft institutioneller Investoren und dem Fokus auf kritische Vorleistungsindustrien zusammenhängen.

iShares Essential Metals Producers UCITS ETF

Eine weitere Alternative ist der iShares Essential Metals Producers UCITS ETF (ISIN: IE000ROSD5J6) der BlackRock-Tochter iShares. Der im Oktober 2023 aufgelegte Fonds bildet den S&P Global Essential Metals Producers Index ab und investiert in Unternehmen, die Rohstoffe für die Energiewende liefern. Das Fondsvolumen liegt bei rund 20,68 Millionen US-Dollar, die Gesamtkostenquote (TER) beträgt 0,55 Prozent (Stand: 26. März 2025).

Zu den größten Positionen zählen der US-Kupferriese Freeport-McMoRan, der Lithiumproduzent Albemarle, das peruanisch-mexikanische Bergbauunternehmen Southern Copper sowie Pilbara Minerals aus Australien, ein führender Anbieter von Lithium-Rohstoffen. Anders als beim VanEck-ETF liegt der Schwerpunkt nicht auf Seltenen Erden, sondern auf einer breiteren Palette strategischer Metalle. Der Fonds richtet sich damit an Investoren, die gezielt innerhalb des Rohstoffsektors diversifizieren möchten.

Seit seiner Auflegung im Oktober 2023 konnte der ETF bis zum 24. März 2025 um 9,01 Prozent zulegen. Die moderate Wertentwicklung spiegelt die zurückhaltende Marktstimmung im Rohstoffsektor 2024 wider, wobei jüngste Kapitalzuflüsse auf ein wachsendes Interesse institutioneller Investoren hindeuten.

Seltene Erden: Taktische Beimischung oder strategische Allokation?

Seltene Erden sind essenzieller Bestandteil einer Vielzahl zukunftsträchtiger Technologien, darunter Elektromobilität, Windkraft, Glasfasernetze und Halbleiter. Ihre Relevanz nimmt jedoch nicht nur aufgrund des zivilen Strukturwandels zu, sondern auch durch militärische Anwendungen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der jüngst gescheiterte Versuch der USA, ein Rohstoffabkommen mit der Ukraine zu schließen.

Anleger, die über Rare Earth-ETFs Zugang zu diesem Markt finden, sollten sich bewusst sein, dass die Markttiefe begrenzt ist, die Volatilität hoch und die politische Einflussnahme auf Angebot und Preise erheblich sein kann. In Anbetracht dieser Faktoren ist es von entscheidend, den richtigen Anlagehorizont zu bestimmen.

Für langfristig orientierte Investoren kann eine taktische Beimischung sinnvoll sein, um von der strukturellen Nachfrage zu profitieren, ohne sich zu stark von geopolitischen Risiken abhängig zu machen. Eine präzise Analyse der zugrunde liegenden Indizes, der Produktstruktur und der regionalen Gewichtung der enthaltenen Unternehmen ist dabei essentiell. Nur so kann eine fundierte Einschätzung erfolgen, ob der ETF zur individuellen Anlagestrategie passt – sei es als kurzfristiger Taktgeber oder als langfristiger Baustein im Depot.

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Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

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Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
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