Politik

Ein starker Anführer und frische Gesichter: Das neue SPD-Kabinett

Die SPD ließ sich Zeit: Erst wenige Stunden vor der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags präsentierte sie das SPD-Kabinett. Darin vertreten: Zwei Ministerinnen unter 40 Jahren.
05.05.2025 09:17
Lesezeit: 3 min
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Frische Namen hatte das SPD-Kabinett angekündigt – und genau das liefert die neue SPD-Regierung unter dem designierten Kanzler Friedrich Merz (CDU). Der zukünftige Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil setzt ein klares Zeichen: Bis auf Boris Pistorius als Verteidigungsminister wurde das gesamte Team ausgetauscht. Die personelle Aufstellung der SPD-Minister für die kommenden vier Jahre im Überblick:

Finanzminister und Vizekanzler: Lars Klingbeil

Lars Klingbeil hat sich innerhalb kurzer Zeit im SPD-Kabinett als führende Kraft etabliert. Als Generalsekretär verhalf er Olaf Scholz 2021 ins Kanzleramt, später wurde der Niedersachse SPD-Vorsitzender. Nach dem Wahldesaster 2024 übernahm er zusätzlich den Fraktionsvorsitz – nun wird er als Vizekanzler die SPD-Regierung prägen. Seine Leidenschaft gilt der Außenpolitik, sein familiärer Hintergrund als Sohn eines Soldaten aus Munster prägte ihn. Jetzt jedoch verantwortet Klingbeil das Finanzministerium. Der 47-Jährige, fest verankert im konservativen Flügel der SPD, könnte sich mit dieser Rolle für die Kanzlerkandidatur 2029 empfehlen – auch wenn seine Machtambitionen innerparteilich nicht unumstritten sind.

Ministerin für Arbeit und Soziales: Bärbel Bas

Authentisch, klar, nahbar: Als Bundestagspräsidentin sammelte Bärbel Bas in dreieinhalb Jahren viel Anerkennung. Zuvor war die Duisburgerin eher unbekannt. Seit 2009 sitzt sie im Bundestag, mit Fokus unter anderem auf Gesundheitspolitik. Ihre zugängliche Art hat wohl auch mit ihrer Herkunft zu tun: Die 56-Jährige wuchs als zweitältestes von sechs Kindern unter einfachen Bedingungen auf. Spielen, so erinnert sich Bas, musste sie draußen – das Kinderzimmer war zu klein. Nun übernimmt sie im SPD-Kabinett das wichtige Sozialressort.

Verteidigungsminister: Boris Pistorius

Boris Pistorius bleibt gesetzt – der SPD-Minister gilt als beliebtester Politiker im Land. Im November 2023 forderte er "Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime" – ein Signal für einen Kurswechsel. Seitdem die Verteidigungsausgaben nicht mehr der Schuldenbremse unterliegen, hat der 65-jährige Jurist mehr finanziellen Spielraum. Pistorius stammt aus Osnabrück, arbeitete in Landesbehörden und war ab 2006 Oberbürgermeister ("das schönste Amt der Welt"). Nach zehn Jahren als Innenminister in Niedersachsen übernahm er 2023 das Verteidigungsministerium. Seitdem genießt er das Vertrauen von Truppe und Partnern gleichermaßen.

Justizministerin: Stefanie Hubig

Stefanie Hubig (56) ist seit 2016 Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz und seit 2024 Koordinatorin der SPD-geführten Länder in der Kultusministerkonferenz. Doch bundesweit ist sie durch ihre Arbeit im SPD-Kabinett bekannt: Ab 2000 stieg sie im Justizministerium zur Referatsleiterin auf, wechselte 2008 nach Mainz und übernahm 2009 die Strafrechtsabteilung. 2014 wurde sie Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war ihr Parteifreund Heiko Maas. Gemeinsam gerieten sie in Konflikt mit Generalbundesanwalt Harald Range – im Zentrum: die später eingestellten Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org.

Bauministerin: Verena Hubertz

Verena Hubertz ist der Shootingstar im SPD-Kabinett. Erst 2021 wurde die heute 37-Jährige in den Bundestag gewählt und stieg sofort zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden auf – mit Zuständigkeiten für Wirtschaft, Energie, Bauen und Wohnen. In der Ampel-Koalition war sie oft in zentrale Verhandlungen eingebunden. Lautstarke Auftritte meidet die Triererin. Die Betriebswirtin bringt ein ungewöhnliches Profil in die SPD-Regierung ein: 2013 gründete sie das Start-up Kitchen Stories, das in Videos zeigt, wie einfach Kochen sein kann – ein frischer Ansatz auch für politische Kommunikation.

Minister für Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider

Carsten Schneider war in der Ampel-Zeit Ostbeauftragter und Staatsminister – eine prägende Stimme für die ostdeutschen Bundesländer. Der Erfurter sitzt seit 1998 im Bundestag und gilt als haushaltspolitisch erfahren. Auch als Vizefraktionschef und Parlamentarischer Geschäftsführer war er aktiv. Der 49-jährige Bankkaufmann ist im SPD-Kabinett vielseitig einsetzbar und bekannt für pragmatische Lösungen. Mit Vizekanzler Klingbeil verbindet ihn mehr als nur Politik – beide verbrachten einen Rennrad-Urlaub zusammen, was ihre enge Zusammenarbeit im Kabinett stärken dürfte.

Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan

Reem Alabali-Radovan hat in der SPD-Regierung einen rasanten Aufstieg hingelegt. Die 35-Jährige war zuletzt Integrationsbeauftragte der Ampel. Nun übernimmt sie ein Ministerium im SPD-Kabinett. Geboren wurde sie 1990 in Moskau, kam mit sechs Jahren nach Mecklenburg-Vorpommern. Ihre Familie floh vor dem irakischen Regime. Als Beauftragte kämpfte sie gegen Racial Profiling und trat für Gleichberechtigung ein. Alabali-Radovan ist mit Profiboxer Denis Radovan verheiratet, 2023 kam ihre Tochter zur Welt. Trotz Mutterschaft machte sie kaum Pause – ein klares Signal für Engagement und Durchsetzungskraft im neuen SPD-Kabinett.

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