Finanzen

Wall Street kapituliert vor Krypto: Coinbase knackt den S&P 500

Bitcoin steigt, Coinbase stürmt in den S&P 500 – und die Wall Street macht plötzlich auf Krypto. Doch ist das der Durchbruch oder nur der nächste Hype vor dem Fall?
28.05.2025 18:09
Lesezeit: 2 min

Coinbase im S&P 500: Wall Street öffnet sich für Krypto

Kürzlich sorgte die Aufnahme der US-Kryptobörse Coinbase in den renommierten Aktienindex S&P 500 für Schlagzeilen. Es ist das erste Krypto-Unternehmen überhaupt, das in den Index aufgenommen wurde. Die Aktie legte in den vergangenen vier Wochen um fast 50 Prozent zu – auf Jahressicht allerdings steht sie kaum im Plus. Grund dafür ist die enge Korrelation mit dem volatilen Kryptomarkt.

Coinbase gilt als größte Kryptowährungsbörse in den Vereinigten Staaten. Die jüngsten Quartalszahlen des Unternehmens fielen vielversprechend aus: Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Einnahmen um 24 Prozent. Zudem will Coinbase mit der Übernahme des Derivate-Anbieters Deribit – Kaufpreis: 2,9 Milliarden Dollar – den Markt für Finanzderivate erschließen.

Branchenanalysten bewerten die Indexaufnahme von Coinbase als potenziell richtungsweisend für weitere Krypto-Firmen. Sollte sich Coinbase im S&P 500 behaupten, könnte dies anderen Krypto-Akteuren den Weg ebnen – andernfalls drohten negative Signalwirkungen, so Bloomberg.

Ein Grund für den Kursanstieg liegt auch in der Aufnahme selbst: Fonds, die den Index nachbilden, sind verpflichtet, die Aktie zu kaufen.

Bitcoin als Portfoliobeimischung – mit Vorsicht zu genießen

Auch klassische Wall-Street-Adressen setzen inzwischen auf Bitcoin und integrieren ihn in ihre Portfolios – jedoch meist mit einem geringen Anteil von ein bis wenigen Prozent. Dies sollte keinesfalls als Empfehlung verstanden werden, seine gesamten Ersparnisse in die Kryptowährung zu stecken. Diversifikation bleibt essenziell, gerade bei hochspekulativen Anlageformen wie Kryptowährungen. Hilfreich ist sicherlich die Einschätzung des Anlagestrategen Philipp Vorndran, der kürzlich bemerkte: „Ich habe noch niemanden getroffen, der den inneren oder fairen Wert von Bitcoin berechnen kann.“

Signalwirkung für deutsche Finanzmärkte und Anleger

Dass ein Krypto-Unternehmen erstmals in den Leitindex der US-Wirtschaft aufgenommen wird, dürfte auch in Frankfurt, Berlin und München nicht unbemerkt bleiben. Für institutionelle Investoren und Vermögensverwalter in Deutschland ist das ein starkes Signal der Marktreife von Teilen der Kryptoindustrie. Es dürfte den Druck auf Banken und Investmenthäuser erhöhen, eigene Krypto-Produkte auf- oder auszubauen.



Die Aufnahme von Coinbase in den S&P 500 erzeugt außerdem Legitimationsdruck auf die BaFin und das Bundesfinanzministerium: Wenn die USA Krypto in den Mainstream lassen, kann sich Europa langfristig nicht verweigern. Vor allem im Hinblick auf MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation) muss Berlin entscheiden, ob es die Chancen oder nur die Risiken sieht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen Fiskalischer Spitzenreiter: Wie Deutschland seinen Bürgern am meisten abknöpft
06.07.2026

Eine Analyse zur Steuerbelastung in Europa zeigt für das Jahr 2026 eine bittere Wahrheit für deutsche Steuerzahler: Die Bundesrepublik...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererhöhungen 2027: Steuer auf Spirituosen steigt um 20 Prozent - Zuckersteuer kommt auch
06.07.2026

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen zum 1. Januar 2027 höher besteuert werden. "Was krank macht, wird teurer" - Finanzminister...

DWN
Politik
Politik Haushalt 2027: Klingbeil plant 200 Milliarden Euro neue Schulden für Deutschland
06.07.2026

Mehr Milliarden vor allem für Verteidigung, höhere Schulden - das prägt den Haushaltsentwurf von Finanzminister Klingbeil für...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Inflation: Warum der KI-Boom Ihr Erspartes entwerten könnte
06.07.2026

Künstliche Intelligenz soll die Wirtschaft produktiver machen, Prozesse beschleunigen und Wohlstand schaffen. Doch bevor dieser Effekt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische ChatGPT-Alternative: Warum ein 79-jähriger Unternehmer Big Tech herausfordert
06.07.2026

Ein dänischer Unternehmer und ein selbst ernannter KI-Guru wollen zeigen, dass Europa nicht länger auf amerikanische Tech-Giganten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Billiganbieter: Temu, Shein und Co. steigern Marktanteil auf Rekordwert
06.07.2026

Die Verbraucher in Deutschland geben online immer mehr Geld bei Shoppingplattformen wie Temu oder Shein aus. Während die asiatischen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau bei Porsche: Konzern streicht weitere 4.000 Jobs
06.07.2026

Wegen der Absatzkrise fallen beim Sportwagenhersteller Porsche bereits mehr als 4.000 Stellen weg. Diese Zahl könnte einem Bericht zufolge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Geschäftsgründung ohne Kredit: Wenn Banken nicht an die Idee glauben
06.07.2026

Ein eigenes Café klingt nach Freiheit, Stil und Selbstbestimmung. Für Anella Veebel bedeutet es vor allem frühe Morgen, hohe Mieten und...