Finanzen

Privatvermögen: Deutschland gehört den Babyboomern im Westen - der reichsten Generation aller Zeiten

Die Babyboomer werden oft nur unter dem problematischen Aspekt ihrer Rente betrachtet. Doch die reichste Generation Deutschlands ist die wichtigste Wirtschaftskraft hierzulande – und wird bald bedeutende Vermögen vor allem in Westdeutschland vererben. Welche Unterschiede es beim Vermögensaufbau zwischen den Generationen im internationalen Vergleich gibt. Und warum die Babyboomer aus dem Westen über die Zukunft der Bundesrepublik entscheiden.
02.08.2025 14:23
Aktualisiert: 01.01.2030 11:21
Lesezeit: 5 min

Wirtschaftskraft und Konsummotor: Babyboomer – reich, loyal und digital

Babyboomer – also die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1946 und 1964 sind die reichste Generation aller Zeiten – und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Industriestaaten der westlichen Welt. Zu diesem Schluss kommt der jährliche „Global Wealth Report“ des deutschen Versicherers Allianz, der 2024 erschienen ist.

Weltweit gibt es schätzungsweise 1,5 Milliarden Babyboomer. In Deutschland umfasst die sogenannte „Generation der Babyboomer“, die Jahrgänge zwischen 1956 und 1970, und somit etwa 12,4 Millionen Menschen, was etwa 15 Prozent der deutschen Bevölkerung entspricht. Zusammen mit der Nachkriegsgeneration ab 1946 werden bis 2036 alleine in Deutschland etwa 20 Millionen Babyboomer in Rente gegangen sein. Der Report gibt Einblicke in die weltweite Entwicklung der Privatvermögen und beleuchtet Aspekte, die für den zukünftigen Vermögensaufbau der Bürger von Bedeutung sein werden.

Allianz Global Wealth Report 2024: Babyboomer sind die reichste Generation aller Zeiten

Der Vergleich der verschiedenen Generationen zeichnet ein sehr spannendes Bild. Denn den Allianz-Analysten zufolge sind die Babyboomer nominal die reichste Generation in der Geschichte. Dafür gebe es drei Gründe: starkes globales Wirtschaftswachstum, günstige Kaufkonditionen am Immobilienmarkt und massiv steigende Kapitalmärkte praktisch in der gesamten Vermögensaufbauphase der Babyboomer.

Nachfolgende Generationen hingegen hatten mit globalen Krisen zu kämpfen, die ihre durchschnittlichen Vermögenssteigerungsraten negativ beeinflussten, wie die globale Finanzkrise oder die hochinflationären Jahre nach der Corona-Pandemie und während des Ukrainekrieges.

Vermögensranking: Im internationalen Vergleich liegt Deutschland auf Platz 18

Insgesamt liegen die Deutschen 2024 mit einem Nettovermögen von 69.060 Euro pro Kopf auf Platz 18 der reichsten Bürger der Welt. Die weltweit reichsten Menschen leben in den USA (260.320 Euro), der Schweiz (255.440 Euro), Dänemark (172.200 Euro), Singapur (171.930 Euro) und Taiwan (148.750 Euro).

Auch die Bürger anderer europäischer Länder wie Belgien, Niederlande, Italien, Großbritannien oder Frankreich sind teils deutlich vermögender als die Deutschen. Dies ist kein überraschendes Ergebnis. Obwohl die Bundesrepublik seit Jahrzehnten zu den größten Volkswirtschaften der Welt zählt, hinken ihre Bürger beim Nettovermögensaufbau hinterher. Im Jahr 2023 belegten die Deutschen Platz 19 des Rankings.

Vermögensaufbau: Deutsche Bargeldliebhaber werden abgehängt

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Zum Beispiel besitzen die Deutschen deutlich seltener Immobilien als die Einwohner anderer Staaten. Immobilieneigentum erfährt über die Jahre meist einen Wertzuwachs und führt damit auch zu einer Steigerung des Vermögens. Darüber hinaus sind Bundesbürger häufig risikoavers und besitzen seltener Aktien oder Anteile an Investmentfonds. Da sie sich nicht am Produktivkapital der Welt beteiligen, sondern größtenteils in Form von Bargeld oder Bankeinlagen sparen, steigt auch ihr Vermögen nicht mit dem globalen Wirtschaftswachstum.

Schlechte gesetzliche Rahmenbedingungen für Anleger in Deutschland

Der Zinseszinseffekt führt dazu, dass die Vermögen von Sparern und Wertpapieranlegern über die Jahre immer weiter auseinanderdriften – zu Ungunsten der deutschen Bargeldliebhaber. Da die Skepsis gegenüber den Kapitalmärkten nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Politik durchdrungen hat, sind auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Anleger in Deutschland bisher nicht sonderlich attraktiv. Das soll sich zukünftig durch diverse Programme der Bundesregierung wie die Aktienrente oder ein staatlich gefördertes Altersvorsorge-Depot ändern.

Vermögensentwicklung: Können die Babyboomer überholt werden?

Die Allianz-Experten haben die Vermögensentwicklung der Babyboomer in Deutschland mit den nachfolgenden Generationen verglichen: Dafür haben Sie das Anlegeverhalten der verschiedenen Generationen in einer Simulation beispielhaft dargestellt und daraus berechnet, zu welchen Renditen Sparen und Investieren, je nach Wirtschaftslage der jeweiligen Zeit, geführt hätten:

Eine Person, die 1960 in Deutschland geboren wurde und ein typisch deutsches Spar- und Anlageverhalten an den Tag gelegt hat, hätte bei einer Ansparphase von 40 Jahren ab dem 20. Lebensjahr eine Rendite von insgesamt 614 Prozent oder jährlich 6,1 Prozent erreicht. Dieser Vermögenszuwachs setzt sich beispielsweise aus Zinsen oder der Wertsteigerung von Aktien, Fonds oder Immobilien zusammen. Hätte die Person beispielsweise 250 Euro pro Monat gespart und investiert, hätte sie in 40 Jahren genau 120.000 Euro eingezahlt, daraus aber ein Vermögen von über 490.000 Euro gemacht – errechnet die Simulation der Allianz-Experten.

Weniger Rendite für nachfolgende Generationen

Die nachfolgenden Generationen hingegen müssen mit einer deutlich geringeren Gesamtrendite rechnen. Wenn man sich die jährlichen Renditen ansieht und feststellt, dass davon noch die Inflation von 2 Prozent abgezogen werden muss, merkt man, dass es eng wird mit dem Vermögensaufbau:

Ein 1974 geborenes Mitglied der Generation X kann in 40 Jahren mit einer Rendite von 3,8 Prozent pro Jahr rechnen. Noch schlechter sieht es für einen 1984 geborenen Millennial aus, der eine Wertsteigerung seines Vermögens von nur 3,1 Prozent pro Jahr erzielen kann. Auch die Generation Z kommt nicht an die Babyboomer heran, wobei eine 2004 geborene Person mit 3,6 Prozent Jahresrendite immer noch besser abschneidet als ein Millennial.

Fazit: Anstatt der über 490.000 Euro, die ein deutscher Babyboomer bei einer Sparrate von 250 Euro pro Monat und einer Ansparsumme von 120.000 Euro erzielt, landen die Nachfolgegenerationen nur zwischen 235.000 und 277.000 Euro.

Tipp: Ansparverhalten an die neuen Realitäten anpassen

Doch insbesondere die zwischen 1997 und 2012 geborene Generation Z könne „alle anderen vor ihnen liegenden Generationen übertrumpfen“, vorausgesetzt, sie passe „ihr Ansparverhalten an die neuen Realitäten an“, analysieren die Allianz-Finanzexperten. Dazu gehöre nicht nur eine Steigerung der Sparrate, sondern auch ein grundlegend anderes Investmentverhalten.

Um die Babyboomer abzuhängen, müssten jüngere Menschen einen größeren Anteil ihres Vermögens in Wertanlagen mit höheren Renditen wie Aktien oder ETFs anlegen. Schwierig könnte es zukünftig mit Immobilieninvestments werden, heißt es von den Allianz-Experten, da sich sowohl der Klimawandel selbst als auch die Dekarbonisierung des Immobilienbestands negativ auf die Renditen auswirke. Zudem müsste viel investiert werden, um Wohneigentum klimaneutral umzurüsten. Unzureichend sanierte Gebäude würden Wertverluste erfahren.

Kaufkräftige Konsumenten: Babyboomer kurbeln weiter die Wirtschaft an

Dass die Generation der Babyboomer – und das sind immerhin rund 20 Millionen Deutsche, der wichtigste Treiber des Konsums hierzulande sind, belegt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCooper (pwc): Die Babyboomer sind durchaus eine digitale Generation, die ihr Geld gerne auch in Markenprodukte investiert. Die Befragung zum Konsumverhalten zeigt, dass 94 Prozent der Befragten ein Smartphone besitzen.

Doch noch viel entscheidender: Stephanie Rumpff, Handelsexpertin von pwc Deutschland, bestätigt den Babyboomern, „dass eine hohe Markenloyalität besteht, auf die Unternehmen natürlich sehr gut aufsetzen können.“ Wenn Babyboomer sich auf eine Marke eingelassen haben und wissen, was sie erwartet, bleiben sie in der Regel dabei. Das zumindest gaben 87 Prozent in der pwc-Studie an. Vor allem der stationäre Handel würde davon profitieren, denn dort sind die Babyboomer stark vertreten. 80 Prozent aller Einkäufe werden dort getätigt, sagt die Studie von pwc. Die Babyboomer leisten in jedem Fall einen hohen Beitrag zum Konsum, „das können wir ja ganz klar festhalten“, sagt Stephanie Rumpff von pwc.

Babyboomer finanzieren Konsum aus Einkommen und Vermögen

Der frühere Wirtschaftsweise und Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt, Volker Wieland, sagt, warum die Babyboomer sogar die reichste Generation ist, die je in Deutschland gelebt hat: „Das ist eine Generation, die natürlich jetzt über viele Jahre auch Einkommen hatte in einer guten Phase. Wir hatten Frieden, wir hatten keinen Krieg, wir hatten Wachstum, und dementsprechend sind da auch Vermögen aufgebaut worden.“

Der Konsum könne also nicht nur aus dem Einkommen, sondern zudem auch aus angespartem Vermögen finanziert werden, rechnet Wieland vor. Eine Erfahrung, die im Gegensatz zur Generation Z, die Boomer positiv in die Zukunft blicken lässt. Gleichzeitig gebe es auch das Thema Schenken und Erben, denn die Babyboomer seien eben auch eine sehr sparsame Generation, die Wert darauf lege, Vermögen zu erhalten und zu vererben. „Davon profitieren dann natürlich strukturell die jüngeren Generationen.“ Bereits im Jahr 2023 summierten sich Erbschaften und Schenkungen in Deutschland ausweislich amtlicher Zahlen auf den Rekordwert von 121,5 Milliarden Euro - und die Gesamtsumme der übertragenen Vermögen war sogar noch höher, weil die Steuerstatistik Erbschaften und Schenkungen nicht abbildet.

Nachfolgegeneration profitiert vom Vermögen der Babyboomer

Es gibt einen gravierenden Unterschied beim Vermögensaufbau zwischen den Generationen: Während die Babyboomer mit einem konstanten Einkommen, billigen Krediten und Immobilien in wirtschaftlich starken Zeiten ein Privatvermögen aus eigener Kraft ansparen konnten, profitieren die Nachfolgegenerationen als Erben: Denn die Babyboomer-Generation könnte bald bedeutende Vermögen an die kommenden Generationen vererben und so weiterhin den Konsum und die Wirtschaftskraft im Land ankurbeln.

Dennoch eine provokante Frage drängt sich auf: Leben die Babyboomer vor allem aus Westdeutschland als Rentner auf Kosten der viel weniger gewordenen Beitragszahler – Stichwort Demografie – und „verprassen“ gleichzeitig noch das ganze Geld, das sich in Jahrzehnten angesammelt hat?

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

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Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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