Wirtschaft

Europas Wirtschaft dümpelt dahin – und Deutschland bremst alle aus

Die Eurozone wächst kaum, Deutschland steckt in der Rezession, Italien schrumpft – nur Spanien überrascht. Europas Wirtschaft verliert an Tempo und Richtung.
01.08.2025 10:58
Lesezeit: 2 min
Europas Wirtschaft dümpelt dahin – und Deutschland bremst alle aus
Eine Euromünze über dem Herzen Europas – das Wachstum der Eurozone bleibt schwach, Deutschland tritt auf der Stelle, Spaniens Dynamik sticht hervor. (Foto: dpa | Patrick Pleul) Foto: Patrick Pleul

Wachstum im Schneckentempo – und Deutschlands Stillstand wird zum Risiko für ganz Europa

Das Wachstum in Europa tritt auf der Stelle. Doch die Wirtschaft schlägt sich etwas besser als befürchtet. Das zeigen neue Zahlen aus mehreren Ländern. Am Mittwoch war Zahlenfest für alle, die sich für Europas wirtschaftliche Verfassung interessieren. Und Europa befindet sich in durchwachsener Verfassung. Es gibt Wachstum – aber nur schwaches. Das BIP der 20 Länder der Eurozone stieg im zweiten Quartal lediglich um 0,1 Prozent. Im Jahresvergleich wuchs die Eurozone um 1,4 Prozent – besser als die erwarteten 1,2 Prozent, so die vorläufige Schnellschätzung („Flash Estimate“) von Eurostat. „Einerseits ist das Ergebnis etwas besser als erwartet, andererseits wächst der Euroraum sehr langsam. Ein Quartalswachstum von 0,1 Prozent – wenn auch positiv – ist sehr wenig“, sagt Carl Nilsson, Ökonom bei Swedbank.

Die EU-Kommission misst auch die Stimmung und den Zukunftsoptimismus. Das Konjunkturklima-Barometer ESI für die Eurozone stieg leicht um 1,6 Punkte auf 95,8. Doch der Wert bleibt unter dem langfristigen Durchschnitt von 100 Punkten – ein Zeichen für anhaltenden Pessimismus. Die deutsche Wirtschaft wuchs überhaupt nicht – sie schrumpfte im zweiten Quartal um 0,1 Prozent. Auf Sicht der letzten zwölf Monate lag das deutsche Wachstum bei null. „Vergleicht man mit 2019, so ist Deutschland seither überhaupt nicht mehr gewachsen. Das liegt unter anderem daran, dass sich Deutschland auf billige russische Energie stützte – die nun weg ist – und auf China als Exportmarkt – das praktisch ebenfalls wegfällt, weil Deutschland stark an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt hat“, sagt Carl Nilsson. Deutschland ist Europas Konjunkturmotor. Und sein Leerlauf erklärt einen Teil des schwachen Gesamtwachstums, meint Maria Mikkonen, Chefökonomin bei Svensk Handel. „Es wird viel über Zölle gesprochen – aber Deutschland müsste mehr Aufmerksamkeit bekommen“, sagt sie.

Europas Wirtschaft stagniert – Spanien überrascht

Auch Italiens Wirtschaft schrumpfte leicht im Quartal. Das führte dazu, dass das BIP im Jahresvergleich nur um 0,4 Prozent wuchs. Frankreich legte um 0,3 Prozent zu, im Jahresvergleich um 0,7 Prozent. Spaniens BIP hingegen stieg im zweiten Quartal um 0,7 Prozent – auf Jahressicht um starke 2,8 Prozent. „Spanien wächst auch deshalb, weil das Land Hilfsgelder aus der Pandemiezeit für Infrastruktur und den Ausbau erneuerbarer Energien nutzte – was die Strompreise gesenkt hat“, sagt Carl Nilsson. Maria Mikkonen betont, dass Verbraucher in Schweden wie auch in Europa verunsichert sind und Angst vor Arbeitslosigkeit haben. „Sparen wäre ohnehin nötig gewesen – aber die Unsicherheit führt dazu, dass wir noch mehr sparen und den Konsum zurückhalten. Und genau diese Unsicherheit spüren auch die Unternehmen – und investieren entsprechend zurückhaltend.“

Auch das US-BIP für das zweite Quartal wurde am Mittwoch veröffentlicht. Die USA übertreffen Europa weiterhin deutlich. Die US-Wirtschaft wuchs im Jahresvergleich um 3 Prozent – klar über den Erwartungen von 2,6 Prozent. Die Importe gingen infolge neuer Zölle deutlich zurück.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Haushalt vor Neuordnung: Europäischer Rechnungshof zweifelt an Reform
02.05.2026

Der geplante EU-Haushalt stellt die Finanzordnung der Europäischen Union vor einen tiefen Umbau und ruft den Europäischen Rechnungshof...

DWN
Politik
Politik Island wägt EU-Beitritt neu ab: Fischerei wird zum Schlüsselthema
02.05.2026

Die EU verstärkt ihre Annäherung an Island und bringt dabei insbesondere die Fischereiregeln erneut in die politische Debatte ein....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Phänomen Zeitarmut: Wenn Arbeit die Lebenszeit auffrisst - 5 hilfreiche Strategien
02.05.2026

Mehr Arbeiten? Der Tag hat nur 24 Stunden - warum immer mehr Menschen an ihre Grenzen stoßen und Berufstätigen bis zum Feierabend oft...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ford Tourneo Custom PHEV im Test: Großraum-Van fährt auch elektrisch
02.05.2026

Ein großer Van, der auch elektrisch fährt. Kann der Ford Tourneo Custom PHEV den Diesel ersetzen?

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Militärlogistik im Wandel: Lkw-Hersteller drängen in die Rüstungsindustrie
02.05.2026

Die Militärindustrie eröffnet europäischen Lkw-Herstellern neue Geschäftsfelder, in denen Nutzfahrzeuge zu vernetzten Einsatzsystemen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Studie der Allbright Stiftung: Frauenquote in Familienunternehmen bleibt niedrig
02.05.2026

Der Frauenanteil in den Führungsetagen deutscher Familienunternehmen stagniert seit Jahren auf niedrigem Niveau. Trotz wachsender Debatten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kapitalmärkte im Umbruch: Anleger prüfen den Dollar als Leitwährung
02.05.2026

Die globale Finanzordnung gerät unter Druck, während die Rolle des Dollars als Leitwährung zunehmend hinterfragt wird. Welche Folgen hat...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Spirit stürzt ab, aber die Wall Street schließt größtenteils im Plus
01.05.2026

Ein turbulenter Handelstag bringt überraschende Wendungen und unerwartete Gewinner für Anleger.